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„Wirr ist das Volk“

Die Weltanschauung von Pegida ist so realitätsfern wie nervig. Darüber lachen hilft. Aber witzig ist das Ganze eigentlich überhaupt nicht.

Eine Meinung

„Wir sind das Volk“, riefen 17.500 Menschen am Montagabend in Dresden. Die schwarz-rot-gold geblendeten „Patrioten“ kamen erneut zusammen, um ihre Nörgeleien öffentlich kundzutun. Stammtischparolen über die angebliche Islamisierung, über die Politik im Allgemeinen und deren mit Lügen beschichtetes Sprachrohr, die Medien. „Wirr ist das Volk“, lautete die Antwort der Gegendemonstranten auf die mehr als nur peinliche Bewegung, die sich Pegida nennt und sich vor allem durch eines auszeichnet: nervtötende Penetranz.

Wenn uns etwas Peinliches passiert, ist es am Besten, darüber zu lachen. Leute im Land zu haben, die sich Pegida und ihren Ablegern abschließen, ist tatsächlich richtig unangenehm. Mittlerweile gibt es schon viele satirische Reaktionen auf die hinterwäldlerische Bewegung, die den angeblichen Untergang des Abendlandes befürchtet (und die es gleichzeitig nicht mal schafft, auf der montäglichen Weihnachtsausgabe ein paar Weihnachtslieder zu trällern – so viel zu christlichen Werten). „Pigida“ wäre so etwas zum Beispiel. Die Organisation „Patriotischer Islam gegen die Islamisierung des Abendlandes“, die anbietet, die 45 Millionen, in Europa lebenden Muslime zurück zu nehmen und dafür die 1,7 Milliarden Christen zurück ins Abendland zu befördern. Aber die „Patrotischen Europäer“ sind mehr als ein vorübergehend peinliches Ereignis in Deutschland – die rassistischen Rufe mit Sarkasmus und Ironie zu bekämpfen, reicht nicht aus.

 

Pegida – lustig ist das eigentlich nicht

 

Während einige Politiker noch den Streichelkurs gegenüber den Montagsdemonstranten einschlagen wollen, formierten sich gestern in einigen Städten Gegendemos. Mehr als 12.000 Menschen haben sich in München gegen die rassistische Hetze ausgesprochen. „Platz da?! Flüchtlinge sind willkommen!“ war der Titel der Kundgebung, die am Abend auf dem Max-Josef-Platz stattfand. Organisiert wurden die Reden und Bandauftritte von dem Bündnis „Bellevue di Monaco“, die in der Müllerstraße ein Begegnungszentrum einrichten wollen. Damit vor allem minderjährigen Flüchtlingen schnell geholfen werden kann. Und auch Menschen aus der bayerischen Landeshauptstadt und Umgebung einen Ort haben, wo sie lernen können, ihre Berührungsängste gegenüber den Flüchtlingen abzubauen.

Auch gestern auf der Gegendemo in München gab es einige Schilder, die mit Humor auf die verqueren Einstellungen der Pegida-Anhänger abzielten. „Hgdida – Hobbits gegen die Isengardisierung des Auenlandes“ gab es da. Aber auch ein großes Plakat mit der Aufschrift: „Alle Menschen sind Ausländer irgendwo. Alle Rassisten sind Arschlöcher“. Sätze, die nicht den humoristischen Umgang symbolisieren, sondern deren Verfasser vor Wut beben. Wut, über die Blindheit der Mitbürger. Über den Egoismus. Über den unbegründeten Fremdenhass und die Klassifizierung von Menschen.

Die Semperoper hat den Pegida-Demonstranten einfach das Licht ausgeknipst. Die Außenbeleuchtung des alten Bauwerks wurde zu dem Zeitpunkt ausgeschaltet, als sich der Platz davor mit Schildern wie „Parteien gute Nacht, Bürger an die Macht“ füllten. Eigentlich eine gute Aktion. Aber die 17.500 Menschen dort tappen doch eh schon im Dunkeln herum. Und es sind so viele mehr, als die paar tausend, die sich offen auf der Straße zu ihrem Rassismus bekennen. Statistiken und Aufklärungsarbeit werden von den Pegida-Fans überhaupt nicht wahrgenommen. Ihre Angst vor den fremden Kulturen, ihren Unwillen, Hilfe zu leisten, werden sie durch ihre Ignoranz nicht überwinden. Wollen sie auch gar nicht. Und das ist gar nicht witzig. Das ist einfach nur traurig.

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Bildquelle: Bündnis 90 / Die Grünen Nordrhein-Westfalen unter CC BY-SA 2.0

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