Mhaire Stritter

Pen-&-Paper-Tipps mit Mháire Stritter von Orkenspalter TV: So gelingt der Einstieg in DnD und Co.

ZEITjUNG: Dann hätte ich gerne mal ein paar allgemeine Tipps von dir – irgendwelche Tipps für Pen-&-Paper-Einsteiger*innen?

Mháire Stritter: Mein erster Tipp ist, sich keinen Druck zu machen. Viele Leute steigen ein, weil sie gesehen haben, dass immer mehr Leute Actual Plays oder Let’s Plays machen und sehen dann Leute, die fürs Entertainment anderer spielen. Ich glaube, viele Leute gehen dann mit dem Druck ins Hobby, schauspielern zu müssen oder dies und das machen zu müssen – das ist alles nicht nötig. Es geht ja nur darum, dass man gemeinsam eine Geschichte erzählt und würfelt. Niemand erwartet da eine Theatervorstellung, hoffe ich. Sich also keinen Stress machen, das ist mein wichtigster Tipp.

Ein weiterer wäre, darüber zu reden und sich klar zu werden, was man möchte und dementsprechend ein gutes Spiel auszusuchen. Ich denke die meisten Leute starten aktuell mit „Dungeons & Dragons“ (DnD), weil die Tropes so bekannt sind. Jedes Mal, wenn ich Leuten, die noch keine Ahnung davon haben, als professionelle Spielleitung DnD erkläre, kommt immer die wieder die Reaktion: „Ach, so wie bei ‚World of Warcraft‘!“ Dann sag ich: „Na ja, also eigentlich andersrum.“ (lacht) Ja, der Paladin ist wie ein Paladin, aber er war erst bei DnD und später bei Warcraft. Da sind die Leute sofort drin, was man spielt und wie das funktioniert, weil es eben Fantasy-Standard ist. Und dann gibt es natürlich Spiele, die einfach Franchises oder bestimmte Genres bedienen, die einem gefallen. Ich weiß zum Beispiel, dass Leute teilweise angefangen haben, Spiele zu spielen, weil sie große „Alien“-Fans sind und es ein sehr gutes „Alien“-Rollenspiel gibt, was ich absolut empfehlen kann. Dort sind die Regeln auch recht einfach. Ansonsten Spiele, wo man als sowohl als Spieler*in als auch als Spielleitung wenig vorbereiten muss, das sind allerdings größtenteils die kleineren, teilweise sogar Indie-Spiele. Ich mag viel von Free League, das ist ein schwedischer Publisher, der einige sehr gute Spiele hat. „Vaesen“ ist zum Beispiel ein gutes Einsteigerspiel, da geht es um Märchenwesen, die in der realen Welt des 19. Jahrhunderts existieren. Ist immer so ein bisschen melancholisch, es gibt bereits Züge, aber noch keine Autos und die Industrialisierung beginnt gerade, die meisten Leute leben aber noch auf dem Land. Und dann gibt es Kobolde und Hexen, Nykr (Nixen) und Selkies und so etwas, damit können viele auch noch etwas anfangen. Was ich also sagen will: Je weniger man erklären und je weniger man vorbereiten muss, desto besser. Weil dann ist der Frust beim Einstieg schon mal geringer.

ZEITjUNG: Damit wir auch noch etwas für die Fortgeschrittenen haben – irgendwelche Tricks, mit denen auch sie ihre Runden etwas aufwerten können?

Mháire Stritter: Zufallstabellen! Gute Zufallstabellen, das ist wichtig. Weil als Spielleitung selber kann man ja immer nur einbringen, was im eigenen Kopf ist und den Zufall mit reinzubringen sorgt immer dafür, dass auch für einen selber etwas Überraschendes passieren kann. Für die Spielenden ist es dann auf jeden Fall auch überraschend und so kann man immer etwas reinbringen, was entweder lustig oder dramatisch oder einfach nur weird ist und was das Ganze am Laufen hält. Es gibt online haufenweise Zufallsgeneratoren – zufällige Gegenstände, die du finden kannst, zufällige Fallen und so weiter und so fort. Die sind nur eine Suche mit der Suchmaschine eurer Wahl entfernt.

Es gibt auch reihenweise Bücher mit Materialien dazu. Ich lese gerade zum Beispiel ein Monsterbuch, das ganz, ganz viele Monstertabellen hat. Und vom deutschen Verlag System Matters gibt es ganz viele Bücher, die ebenfalls genau das haben – Abenteuer, die man nicht vorbereiten muss, die nur aus Zufallstabellen bestehen.

Das ist mein Tipp: Ladet den Zufall ein! Und das Letzte, was man immer machen kann, ist den Zufallsartikel von der Wikipedia aufrufen, das mache ich auch gerne. Dann taucht eben ein Nicht-Spieler-Charakter auf, der halt Ähnlichkeit zu einer historischen Person, die mir zugespielt worden ist, hat oder solche Sachen.

ZEITjUNG: Kann es sein, dass du in einem Gamestar-Podcast schon mal über Zufallstabellen gesprochen hast? Weil irgendwie kommt mir diese Euphorie für Zufallstabellen bekannt vor (lacht).

Mháire Stritter: Ja! (lacht) Ich rede gerne über Zufallstabellen, weil ich finde, sie sind zwar Oldschool, aber sie können auch so viel, wenn sie gut gefüllt werden.

ZEITjUNG: Abschließend einmal zusammengefasst – Was erwartet Zuschauer*innen von Orkenspalter TV?

Mháire Stritter: Wenn wir livestreamen, dann Actual Plays von möglichst vielen verschiedenen Spielen. Wir spielen DnD in der fünften Edition, aber wir haben zum Beispiel auch eine aktuell laufende Warhammer Fantasy Roleplay-Kampagne, die mir sehr viel Spaß macht, weil ich die Welt und das System sehr gerne mag. Wir spielen auch immer mal wieder „Das Schwarze Auge“, weil es das ist, mit dem mir angefangen haben, und ganz, ganz viel „Call of Cthulhu“. Aktuell haben wir auch wieder „Vampire: The Masquerade“ und zwischendurch ganz viele Indie-Spiele.

Wir haben aber auch Talks und Panels und auf YouTube sind es, neben den Actual Plays, ganz viele Reviews. Wir haben inzwischen über 500 Folgen der sogenannten „Late Nerd Show“, wo wir Comics und Pen-and-Paper-Bücher vorstellen. Hin und wieder auch Romane, aber sehr selten. Größtenteils Pen-and-Paper-Sachen und Comics, aufbereitete Talks und halt Tipps- und Tricks-Videos zum Spiel leiten und zum Spielen.

ZEITjUNG: Vielen Dank für das Interview!

Hier geht es zu den offiziellen Kanälen von Orkenspalter TV auf Twitch und YouTube. Das Interview ist auf der TwitchCon 2024 in Rotterdam entstanden.

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Bild: Screenshot (Twitch)