Nacktfotos: Wenn selbst der Playboy spießig wird

Playboy Playmate Strand

Es weht ein neuer Wind beim Playboy. Laut einem Bericht der New York Times stimmte Gründer Hugh Hefner dem Entschluss zu, zukünftig nur noch leicht bekleidete Frauen in provokanten Posen zu zeigen. Nackte Haut ja, freigelegte Geschlechtsteile nein.

Der Grund für diesen radikalen Wandel sei die Konkurrenz Internet. Fast jeder zweite Jugendliche besitzt heute ein Smartphone. Pubertäre Neugier und die Weiten des Netzes ermöglichen die Klicks auf Porno-Seiten und Nacktfotos. Pornografie – im Jahr 2015 kein Skandal mehr. Das kommt dem Gründer der Sexrevolution zu Schaden. Laut der Alliance for Audited Media ist die Auflagenhöhe des Playboy von 5.6 Millionen im Jahr 1975 auf etwa 800.000 im Jahr 2015 gefallen. Auch die Konkurrenz, darunter sein berühmtestes Beispiel, das Penthouse, leidet unter der Verbreitung von Nacktfotos im Internet.

Um sich dem Zeitgeist anzupassen, reagierte der Playboy mit einer Umstrukturierung der eigenen Webseite. 62 Jahre nach der ersten Veröffentlichung im Jahr 1953 greift auch Amerikas größte Legende im Sexbusiness zu Social Media Plattformen wie Facebook, Instagram und Twitter. Hier werden Nacktfotos jedoch sofort verbannt. Seit August letzten Jahres veröffentlicht der Playboy online daher nur noch (leicht) bekleidete Playmates. Nun soll das Magazin dieser Linie folgen. Wen das Ganze in Zukunft mehr ansprechen soll? Grob gesagt: Junge Männer, die in Städten leben. „The difference between us and Vice“, sagt Playboy-Mitverantwortlicher Cory Jones in der New York Times, „is that we’re going after the guy with a job.“

 

Zurück zu alten Werten?

 

Die neue Webseite und künftig auch das Magazin sollen laut Jones Aussagen „A little more accessible, a little bit more intimate“ werden. Intimität durch weniger Offensive. Der Fantasie soll neuen Raum geboten werden. Als Hugh Hefner das Magazin gründete, damals mit Marilyn Monroe auf dem ersten Cover, legte der Gründer Wert auf Ästhetik. Sex verband man zu dieser Zeit noch mit dem Aspekt „Genuss“. Im Editorial der ersten Ausgabe schrieb Hefner: “We enjoy mixing up cocktails and an hors d’oeuvre or two, putting a little mood music on the phonograph, and inviting in a female acquaintance for a quiet discussion on Picasso, Nietzsche, jazz, sex …”

Ausgerechnet das Magazin, das Anfang der 50er Jahre Amerika mit einer bisher unbekannten Freizügigkeit schockte und somit einen ganzen Kontinent sexuell revolutionierte, zieht den Playmates wieder Schlüpper an und beugt sich dem digitalen Zeitalter. Und das beinhaltet: pure Nacktheit auf sozialen Plattformen nicht erwünscht. Kehrt der Playboy damit zurück zu alten Werten? Es wäre begrüßenswert. Sex würde wieder intimer werden, die Fantasie ihre Freiheit zurück bekommen. Sexuelle Spannung in Verbindung mit einer guter Unterhaltung, entspannter Musik und einem schönen Glas Wein. Was ganz schön romantisch klingt, kann mindestens genauso aufregend sein. Denn: weniger ist manchmal doch mehr.

 

Wenn ich nicht gerade vom Thema abschweife, beende ich mein Studium der Anglistik und Philosophie in Darmstadt. Ich bin verträumt, zu selbstkritisch, liebe Konzerte jeder Art (Open Air, Festival, Wohnzimmer) und werde bei Schlaf- oder Essensentzug zu einem anderen Menschen. Geboren und aufgewachsen in Heidelberg führt mich die Suche nach dem Glück weiter in Richtung Großstadt und Redaktion. Daher verschlägt es mich zu ZEITjUNG.