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Ein Restaurant gegen die Verschwendung

82 Kilo Lebensmittel schmeißt jeder von uns im Jahr weg. Das Berliner Restaurant RESTLOS GLÜCKLICH stellt sich gegen die Verschwendung – und bietet ausschließlich Speisen aus übrig gebliebenen Lebensmitteln an.

Von Delia Friess

Jeder Deutsche schmeißt pro Jahr 82 Kilogramm Lebensmittel weg, in Europa sind das insgesamt etwa 89 Millionen Tonnen Lebensmittel im Jahr. Muss das sein? Im Mai 2016 eröffnete das Restaurant „RESTLOS GLÜCKLICH“ in Berlin-Neukölln. Es ist Teil des gleichnamigen Vereins und bietet nur Speisen aus übrig gebliebenen Lebensmitteln an. Wir sprachen mit der Initiatorin Julia Rissel über die Gründe der Wegwerfmentalität und Wege zum bewussteren Umgang mit Lebensmitteln.


Wie seid ihr auf die Idee gekommen, ein Restaurant zu eröffnen, das mit übrig gebliebenen Lebensmitteln kocht?

Die Idee dazu hatte Anette Keuchel. In einem Artikel stieß sie auf das Restaurant „Rub &Stub“ in Kopenhagen, das mit überschüssigen Lebensmitteln kocht. Das ließ sie nicht mehr los. Es folgte ein Besuch in Kopenhagen. Nach einem Gespräch mit dem dänischen Team war für Anette klar: Ein solches Restaurant brauchen wir in Berlin auch! Die Idee zu RESTLOS GLÜCKLICH war geboren. Kurzerhand tat sie sich mit ein paar Freunden zusammen und gemeinsam entwickelten wir das Konzept. Weitere Teammitglieder kamen nach und nach dazu.

Wie verlief der Weg von der Idee bis zu ihrer Umsetzung?

Das ging natürlich nicht von heute auf morgen. Die Idee zum Restaurant entstand im Herbst 2014. Es folgte ein Businessplan, ein Stipendium im Social Impact Lab Berlin sowie eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne. Seit Frühjahr 2015 machen wir Veranstaltungen und Caterings. Wir haben auch einige Monate Pop-Up Events veranstaltet und in verschiedenen Küchen gekocht. Und seit Mai 2016 gibt es nun unser Lokal in Berlin-Neukölln.

Woher kommen die Lebensmittel, mit denen in RESTLOS GLÜCKLICH gekocht wird?

Wir arbeiten mit Partnern zusammen, die uns die Lebensmittel zur Verfügung stellen. Die meisten sind aus der Bio-Branche, wie zum Beispiel „denn’s Biomarkt“ oder ein Biogroßhändler.Außerdem bekommen wir hochwertige Schokolade, bei denen die Verpackung beschädigt ist und manchmal Weine, die unverkäuflich sind, weil sie im Schaufenster standen oder das Etikett verrutscht ist. Unseren Partnern ist das Thema genauso wichtig wie uns. Deshalb engagieren wir uns gemeinsam gegen Lebensmittelverschwendung.

Was sind die Gründe, weshalb Lebensmittel weggeschmissen werden? Liegt es an dem Transport von Lebensmitteln oder letztendlich am Verbraucher?

Es gibt viele Gründe, warum Lebensmittel aussortiert werden. Produzenten, der Handel und der Verbraucher – alle sind mitverantwortlich. Im Handel werden Lebensmittel aussortiert, weil sie in Form, Größe oder Farbe nicht der Norm entsprechen, vielleicht eine kleine Delle haben, Fehllieferungen oder Saisonartikel sind. Auch bekommen wir freitags Gemüse, was sich über das Wochenende nicht halten würde, um es montags im Handel zu verkaufen. Das größte Problem ist die fehlende Wertschätzung von Lebensmitteln. Verbraucher machen sich durch das Überangebot oft nicht bewusst, wie viele Ressourcen in ein Nahrungsmittel fließen, bis dieses auf dem Teller landet. Dies führt dazu, Lebensmittel unhinterfragt wegzuwerfen.Alles ist immer verfügbar, die Konsumenten kaufen zu viel ein und erwarten noch kurz vor Ladenschluss eine größere Auswahl an Brot-, Gemüse- und Obstsorten.

Woran erkennt man denn eigentlich, dass Lebensmittel noch gut sind oder nicht – nur am Haltbarkeitsdatum?

Es gibt Menschen, die nehmen es mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum sehr genau. Da werden dann Lebensmittel ungesehen weggeworfen, nur weil sie einen Tag über dem Datum sind. Dabei ist es lediglich eine Richtgröße. Viele Lebensmittel können auch noch nach diesem Datum verzehrt werden. Um zu erkennen, ob ein Lebensmittel noch gut ist, kann man sich ruhig mehr auf seine Sinne verlassen. Einfach mal genau schauen, wie es aussieht und welche Konsistenz es hat. Dann mal daran riechen und probieren. Wenn einem dabei nichts Ungewöhnliches auffällt, kann man die Sachen getrost noch verzehren.

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