Roskilde Festival

Bunt, laut und gemeinnützig: So lässt sich das Roskilde Festival kurz und treffend zusammenfassen. Wir waren am vergangenen Wochenende vor Ort und ließen uns vom Flair mitreißen. Das dänische Festival findet jährlich 30 Kilometer von Kopenhagen entfernt statt. Seine 100.000 Besucher nennen es liebevoll das „dänische Woodstock“ und das mit gutem Grund! Es ist das größte Festival Nordeuropas und dazu noch seit mehr als 40 Jahren non-profit.

Das Roskilde spendete 2015 über 2,5 Millionen Euro an Nichtregierungsorganisationen! Wie im Vorjahr konzentrierten sich die Macher des Festivals auch dieses Jahr auf die Unterstützung von Jugendlichen. Das wurde sowohl lokal auf dem Festival selbst als auch global durch das Unterstützen von Jugendorganisationen realisiert. Die nachfolgende Generation müsse gefördert werden. Auf dem Festival selbst entstanden unter anderem Skate-Parks für Jugendliche und es gab viele Möglichkeiten, an Diskussionen teilzunehmen und Workshops zu besuchen.

 

„Orgasm-Workshop“ lockte Tausende junge Besucher an!

 

Dank der Diskussionen und Workshops kamen zahlreiche Jugendliche mit wichtigen Themen zum ersten Mal in Berührung. Gezeigt wurden zudem in dem großen „Dreamcatcher“, wie die Zelte einfach nur genannt werden, Dokumentationen über den anonymen Street-Art-Künstler Banksy oder Whistleblower Edward Snowden.

In einer weiteren Ausstellung erzählten Flüchtlinge ihre persönliche Geschichte, unterstützt von einer Fotoserie. Dem Roskilde Festival war es dieses Jahr wichtig, für mehr Aufmerksamkeit und Sensibilität diesem Thema gegenüber zu sorgen. Auch Kunst kam auf dem „dänischen Woodstock“ nicht zu kurz. So waren Künstler aus der ganzen Welt vor Ort um dem Festivalgelände einen einzigartigen Street-Art-Anstrich zu verleihen.

Essentiell waren außerdem 31.000 freiwillige Helfer aus aller Welt, die auch dieses Jahr mit viel Leidenschaft das Festival rockten. Es war erstaunlich, zu beobachten wie sich Helfer von jung bis alt beteiligten. Obwohl sie eine Woche lang bei Temperaturen von über 30 Grad allzeit hilfsbereit sein mussten, versprühten sie bis zum allerletzten Tag gute Laune und mischten sich auch gerne mal unter die Festival-Besucher. Sie schufen ein großes Miteinander.

 

Komplette Nachhaltigkeit als oberstes Ziel

 

Ein sehr grünes Festival war das Roskilde 2015. Auch wenn die Dänen statistisch sehr gerne Schweinefleisch essen, ist das Roskilde wirklich ein Traum für Vegetarier und Veganer. Mit Humus-Burgern und Rohkost-Wraps wurde das Festival zu einem kulinarischen Erlebnis. Mittlerweile ist sogar der Großteil des Essens aus nachhaltigem Anbau und in den nächsten Jahren plant man sogar, komplett auf nachhaltige Lebensmittel umzusteigen.

Dass das Festival auf Nachhaltigkeit setzt, wurde auch durch eine andere kreative Idee deutlich: Bier-Recycling oder eben #frompisstopilsner nannte sich das Ganze. Die im Urin enthaltene Gerste wird rausgefiltert und als Dünger verwendet. 2017 soll es das fertige „Organic Beer“ auf dem Festival zum Verkauf geben. Das sorgte nicht nur für eine bessere Geruchssituation auf dem Festival, sondern auch für eine bessere Umwelt.

 

Damon Albarn rockt extatisch bis in die frühen Morgenstunden

 

Musikalisch gab es sowieso so viele Highlights, für die nicht ein Text ausreicht. Deshalb werdet ihr in den nächsten Tagen und Wochen immer wieder unsere exklusiven Interviews unter anderem mit Ezra Furman und den Young Fathers von uns serviert bekommen. Das Roskilde Festival stach vor allem mit Bands heraus, die man sonst nirgends in Europa zu sehen bekam. Ähnlich wie 2014 mit den Rolling Stones gab es dieses Jahr mit Paul McCartney einen krönenden Abschluss des Festivals. Africa Express inszeniert von Damon Albarn mit einer Spielzeit von 5 Stunden war eines der speziellsten Musikerlebnisse in meiner bisherigen Live-Konzert-Erfahrung. Mastermind Damon wollte gar nicht mehr aufhören mit dieser wunderbaren Inszenierung, bis ihn sein Tourmanager um 5 Uhr buchstäblich von der Bühne trug. Einfach herausragend, was dieser Mann zusammen mit Künstlern wie Trentemøller, Massive Attack oder Jack Steadman von Bombay Bicycle Club auf die Beine stellte.

Neben diesen zwei einzigartigen Auftritten brachten überragende Hip-Hop-Acts wie Kendrick Lamar und Run The Jewels die Meute zum Kochen. Hinzu kamen eine mehr als würdige Headliner-Show von Florence and the Machine und zahlreiche kleinere Künstler, die auf den ästhetisch schönen und soundtechnisch ausgezeichneten Bühnen reihenweise besondere Shows spielten. WhoMadeWho ist hier vor allem zu nennen, die eine fabelhafte Rockshow mit über 15 Künstlern auf der Bühne ablieferten.

2016 findet das Roskilde Festival übrigens vom 25. Juni bis 2. Juli statt! Schon jetzt sind wir sehr gespannt´, was uns erwarten wird! Wir werden wieder da sein. Ihr auch?

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Bild: Roskilde Festival