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9 Tipps vom Profi: So wirst du zum Weinexperten

Carolin Meyer ist Fränkische Weinkönigin 2019. Im ZEITjUNG-Interview erzählt sie, wann es bei ihr Klick gemacht hat und verrät uns ein paar Profi-Tipps.

Wir alle waren doch schon mal in der Situation, dass wir ratlos vor dem Weinregal im Supermarkt standen und keine Ahnung hatten, nach welcher Weinflasche wir greifen sollten. Am Ende haben wir uns dann für die Flasche mit dem schönsten Etikett entschieden. Sieht doch süß aus, wird also schon schmecken. Hoffentlich! Leider mussten wir dann oft schon den allerersten Schluck in der Spüle wieder ausspucken und mit zwei Gläsern Wasser nachspülen. Damit uns so ein alkoholischer Reinfall nicht nochmal passiert, haben wir mit jemandem gesprochen, der sich in Sachen Wein gut auskennt und uns Wein-Anfänger mit nützlichen Tipps rund um das flüssige Glück versorgen kann. Und wer wäre das, wenn nicht Carolin, die frisch gekürte Weinkönigin 2019?

Carolins Herz schlägt für Wein

Carolin Meyer ist zwischen Weinbergen aufgewachsen, in einer Winzerfamilie, die seit Jahrzehnten im Weinanbau tätig ist. Ihr erstes Glas Wein hat sie mit 14 getrunken, an ihrer Konfirmation. Bier trinkt sie höchstens Mal im Sommer beim Grillen, ihr Herz schlägt nur für Wein. Dass sie sich eines Tages für den Beruf als Winzerin entscheiden würde, war ihr mehr oder weniger in die Wiege gelegt worden. Aber es gab da diesen ganz bestimmten Klick-Moment: „Meine Familie und ich waren im Restaurant essen, als mein Papa einen alten Schulfreund getroffen hat. Der hat dann gefragt: ‚Wer macht denn bei euch den Betrieb weiter?‘ – So nach dem Motto: ihr habt ja nur eine Tochter und braucht eigentlich einen Jungen. Ich dachte mir, warum sollte ich das nicht können?“

Wein als Männerdomäne?

Derartige Vorurteile begegnen der jungen Winzerin in ihrem Berufsalltag häufiger, denn Wein sei leider – entgegen aller Erwartungen – immer noch eine Männerdomäne. „Auch wenn sich das in den letzten Jahrzehnten durchaus gewandelt hat, mittlerweile gibt es auch super viele Winzerinnen in der Weinbranche.“ Carolin vertraut auf ihre Professionalität und lässt sich von Vorurteilen nicht beeindrucken. Heute ist die 23-Jährige als Winzerin und Weinbautechnikerin erfolgreicher denn je. Erst vor ein paar Wochen ist sie zur Fränkischen Weinkönigin 2019 gekürt worden. Was das für ein Gefühl war? „Unbegreiflich, als ich meinen Namen gehört habe, ist die ganze Anspannung von mir abgefallen. Ich habe zwei, drei Tage gebraucht, bis ich es wirklich begriffen habe, dass mein Wunsch in Erfüllung gegangen ist.“

Profi-Tipps für Wein-Anfänger

Im kommenden Jahr wird Carolin ständig unterwegs sein und den Fränkischen Wein repräsentieren. Bevor es losgeht, hat sie im Interview mit ZEITjUNG noch ein paar Tipps verraten, quasi als Starthilfe  für alle Wein-Neulinge. Hier kommen neun Tipps, die euch einen Schubser in Richtung Weinkenner geben sollen und vor Fehlkäufen im Supermarkt bewahren:

 

1

Was empfiehlst du als erste Rotwein-Erfahrung?

„Es gibt viele Rotweine, die in Richtung leichte Sommerrotweine gehen. Am besten man geht zum Winzer und lässt sich da einen leichten Rotwein ohne viele Gerbstoffe und Tannine (das sind die bitteren Gerbstoffe in der Traubenschale) empfehlen, der sich auch im Sommer gekühlt trinken lässt. Das ist ganz gut zum Einstieg. Leichtere Sorten wären zum Beispiel ein Spätburgunder oder ein Rotwein-Cuvée – quasi die Verheiratung zwei verschiedener Weinsorten, den Begriff mag ich lieber als Mischung.“

2

Wonach sollte ich meinen Wein auswählen?

Wenn wir im Supermarkt stehen, wählen wir oft einfach nur nach Etikett. Andere Kriterien sind aber viel entscheidender: „Man sollte auf jeden Fall auf die Regionalität achten, damit man die Herkunft nachvollziehen kann. Es ist wichtig, dass der Winzer draufsteht und ein Anbaugebiet. In Franken zum Beispiel werden alle dort angebauten Weine in den sogenannten Boxbeutel abgefüllt, von daher hat man da schon mal ein Erkennungszeichen für Qualität.“

3

Woran merke ich im Supermarkt, ob billiger Wein schmeckt?

„Grundsätzlich muss man sagen, dass die Weinqualität in den Supermärkten in den letzten Jahren unheimlich gut geworden ist, es gibt kaum noch Weine, die wirklich nicht schmecken. Ich glaube trotzdem, ein gutes Indiz für die Qualität ist einfach die Herkunft des Weines. Das Problem im Supermarkt ist, dass man einen Wein nicht vorher probieren kann, da muss man sich dann leider durchprobieren.“

4

Was ist die perfekte Temperatur für Wein?

„Bei weißem Wein kann die Temperatur gerade im Sommer sehr kühl sein, so zwischen sieben und neun Grad. Lieber zu kalt als zu warm ist hier die Devise! Beim Rotwein liegt die perfekte Temperatur zwischen 16 und 18 Grad, ein bisschen unter der normalen Raumtemperatur.“

5

Welches Glas für welchen Wein?

„Je größer der Wein, desto größer das Glas. Bei einem schweren, würzigen Wein mit hohem Tanningehalt brauche ich am besten einen Weinkelch mit einer großen Öffnung. Bei einem frischen Weißwein reicht ein ganz klassisches Weißwein-Glas. Gerade am Anfang reicht ein gutes Weinglas, nicht zu groß und nicht zu klein, als ein Allrounder. Dann braucht man auch nicht vier verschiedene Gläser, sondern es reicht eins.“

6

Wie lange hält sich mein Wein?

„Heutzutage gibt es ja fast nur noch Flaschen mit Schraubverschluss, von daher kann man eine Flasche locker mal drei bis sechs Tage stehen lassen. Es kommt natürlich auf den Wein-Typ an, wenn man einen fruchtigen Wein trinkt, dann ist er am ersten Tag am besten. Wenn man einen lange gereiften Wein trinken möchte, kann man ihn auch mal eine Woche im Kühlschrank stehen lassen. Das Motto hierbei ist: Probieren geht über studieren.“

7

Ist Schwenken nur Show?

„Nein, das bringt ganz ganz viel. Für mich als Profi ist das superwichtig, weil so genug Luft an den Wein kommt, sodass sich die Aromen vom Wein lösen und ich sie mit der Nase besser aufnehmen kann. Wenn ich gezielt einen Wein verkosten und drüber reden will, dann ist das eine gute Sache. Wenn ich aber einfach nur gemütlich mit Freunden zusammensitze, muss ich meinen Wein nicht unbedingt schwenken.“

8

Welcher Wein macht schneller einen Kater?

Rotwein oder Weißwein? „Die Dosis macht das Gift. Das kann man nicht pauschalisieren, man muss einfach ausprobieren, welchen Wein man besser verträgt. Mein Tipp ist aber: Pro Glas Wein immer ein oder auch zwei Gläser Wasser dazutrinken, dann kommt es hoffentlich gar nicht erst zu einem schlimmen Kater.“

9

Wie halte ich mein Weinglas richtig?

„Ganz wichtig: Das Glas nie oben am Kelch festhalten, wo der Wein drinnen ist. Sonst wird der Wein schnell warm und schmeckt nicht mehr. Wenn man sein Glas immer unten am Stiel anfasst, macht man schon sehr viel richtig.“

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Bildquelle: Carolin Meyer

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