Schluss machen ist nicht wie Pflaster abziehen

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Wie macht man richtig mit jemandem Schluss? Wie macht man es so schonend und angenehm wie möglich? Geht das überhaupt? – Natürlich nicht! Wo Schluss gemacht wird, fließen Tränen.

 

Winter is coming

 

Die stetig steigende Fluktuationsgeschwindigkeit der Singles scheint die Winter- /Frühlingsgrenze überschritten zu haben. Viele befreundete Paare trennen sich noch vor den ersten Lebkuchen im Supermarktregal. Ganz entgegen dem üblichen Verhalten, mit dem Partner beziehungsweise der menschlichen Heizdecke zu überwintern, um sich anschließend mit den ersten hormongeladenen Frühlingsgefühlen in neue Arme zu stürzen.

Aber was nicht mehr geht, geht nicht mehr und muss entfernt werden. Die Feinfühligkeit richtet sich dabei nach der Länge der Beziehung.

Das letzte Mal habe ich mit einem Mädchen auf ihrem Geburtstag Schluss gemacht. Das ist Jahre her und wir haben uns alle davon erholt. Es gab einen guten Grund dafür und ja, ich bin trotzdem ein Arsch. Aber darum geht es hier nicht.

Sie hat bitterlich geweint. Um sie zu beruhigen, habe ich irgendwelche netten Sachen gesagt. Natürlich in der Hoffnung, dass sie sich dadurch etwas besser fühlt und vor allem, damit sie mich nicht hasst für das, was ich ihr gerade antue, und wir vielleicht Freunde bleiben können. Es hat natürlich nicht funktioniert. Zusammen mit ihren Freundinnen verspottete sie meine tröstenden Worte und funktionierte sie zu Anti-Parolen um.

 

Ganz oder gar nicht

 

Am Ende einer tiefen Beziehung verliert der Schlussmacher auch etwas: eine tolle Freundschaft. Ich kenne zu viele, die aus der Beziehung raus wollen, ohne dass der frische Ex-Partner wütend wird oder, viel schlimmer noch, einen aus tiefstem Herzen hasst. Aber Wut ist gut. Wut heilt und schafft über die Zeit eine gesunde Distanz zu den nun fehlenden Gefühlen.

Das verstehen viele nicht und fragen sich, wie man das vermeidet. Sie wollen diese eisige Kälte verhindern, um danach noch eine Freundschaft zu erhalten. Wie macht man das also am besten?

Gar nicht! Es gibt kein kurz und schmerzlos. Wo Schluss gemacht wird, fließen Tränen. Man kann es nicht richtig machen. Es ist egal, was du sagst, es kann und wird alles gegen dich verwendet werden. Schluss machen ist nicht wie Pflaster abziehen. Jedenfalls nicht für den Verlassenen. Der will und muss einen dafür manchmal hassen. Die Ausnahme bleibt nur die einvernehmliche Trennung, aber wer schafft das schon. In diesem Fall ist die Liebe bei Beiden irgendwo auf der Strecke geblieben und im Idealfall freuen sich sogar beide, dass es endlich vorbei ist. Dies ist die einzige Situation in der die Aufforderung: „Lass uns Freunde bleiben.“ Sinn macht.

 

Wir können ja mal zusammen was kochen

 

Ansonsten wollen vor allem Männer ganz oder gar nicht. Man will nicht „der Typ“ sein, der lange nach der Trennung noch immer seine Ex umkreist und zuschaut, wie sie von anderen Männern geküsst und befummelt wird. Schlimmer noch, wenn sie anfängt, ihr Herz bei ihm auszuschütten, und von all den Problemen erzählt, die sie mit dem Neuen hat. Wir mögen solche Männer nicht, weil sie eine Bedrohung sind. Schleimer, die sich alles anhören, in der Hoffnung, nach einiger Zeit wieder bei ihr zu landen, wenn sie endlich erkennt, dass er doch immer für sie da ist.

Deshalb sind Vorschläge, mal wieder zu kochen oder bald mal einen Kaffee zu trinken, nicht wirklich ernst zu nehmen. Sie bedeuten eher, dass man vielleicht in der Zukunft mal abchecken kann, ob sie noch immer heiß ist oder man sie zurück will oder wie die neue Beziehung so läuft. Das klingt nicht gerade wie ein erwachsenes Verhalten, aber es hat viel mit Stolz und vor allem Selbstschutz zu tun.

Ich und das unglückliche Geburtstagskind haben übrigens wieder für ein paar Jahre zusammengefunden. Dann hat sie mit mir Schluss gemacht. Wir sind keine engen Freunde. Auch wenn ich es sehr vermisse, jetzt weiß ich wie man sich auf der anderen Seite fühlt und ich will auf keinen Fall einer dieser „Typen“ sein.

 

Matthias Starte ist Autor und Filmemacher. Im Norden geboren, in München Zuhause. Am liebsten isst er Bacon-Cheeseburger, trinkt dazu Spezi und redet mit anderen Vinyl-Snobs über Interviews mit Questlove. Aktuell arbeitet er an seinem Langfilmdebüt und schreibt diese Kolumne über Liebe und Beziehung.

 

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Bild: via pexels unter CC0 Lizenz

 

Kolumnist: Der Norden ist Heimat, aber München mein Zuhause. Hier schmunzle ich über das Wort „Semmeln“ und Mädchen mit Louis Vuitton Taschen an ihren T-Rex Ärmchen. Für einen Bacon-Cheeseburger bin ich immer zu haben. Am besten mit Spezi. Ist ein Hund in der Nähe, sinkt meine Konzentration auf null. Ich will immer von allem etwas, aber meine ganze Leidenschaft gilt dem Filmemachen. Aktuell arbeite ich an meinem Langfilmdebüt und schreibe für Zeitjung die Kolumne über Liebe und Beziehung.