3 Jungs, 1 Segelboot, 1 Weltreise: Das erste große Heimweh!

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Von Bastian Langer

Drei Jungs on tour: Mit einer alten Segelyacht, einem Haufen Surfbrettern, frisch geschliffenen Kochmessern und einer gehörigen Portion Abenteuerlust auf großer Fahrt! Das sind Simon, Jens und Basti von SEASICK SAILING und ihr Ziel ist die Karibik, bitchachos!

Mal eben von Gibraltar auf die Kanaren, am besten in einer knappen Woche damit man viel surfen kann. Warum daraus nichts wurde, die kleinen Dinge im Leben die Wichtigen sind und wie die Jungs mal so richtig auf die Fresse bekommen haben.

 

Samstag, 29.10.

 

20 Uhr: Hallo ihr da draußen! Ja, die Seasick Crew gibt’s noch, mittlerweile sitzen wir auf Lanzarote in einer Bar und sind froh endlich wieder an Land zu sein, denn daran hatten wir zwischenzeitlich nicht mehr geglaubt. Die letzten zwei Wochen waren so ziemlich die schrecklichsten, die ein Jeder von uns je hatte. Aber alles der Reihe nach.

 

Mittwoch 19.10. – Donnerstag 20.10.

 

Schon in Gibraltar haben wir die erste Verzögerung an der Backe, unser Getriebe zickt ordentlich, sodass wir erst drei Tage später als geplant loskommen. Trotzdem ist die Stimmung gut als wir Mittwoch Nacht an Tarifa vorbei auf den Atlantik hinaus fahren. Ich habe mir diesen Moment immer besonders vorgestellt, wenn wir zum ersten Mal auf dem großen Ozean segeln, der ja unser Zuhause für die nächsten Monate sein wird. So besonders ist der Moment dann aber doch nicht. Gut, dass wir schnell voran kommen. Immer nach Südwesten, entlang an Marokkos Küste. Schnell ist gut, weil in den nächsten Tagen ein Tiefdruckgebiet namens Elisabeth anrückt und ordentlich Wind und Wellen bringen wird.

 

Freitag 21.10. – Dienstag 25.10

 

Elisabeth erwischt uns dann früher und härter als erwartet. Tagelang kreuzen wir gegen den Wind und kommen nicht weiter nach Süden. Es ist furchtbar ermüdend und einfach ätzend, mit so viel Wind (50 – 80 km/h) und brechenden Wellen, die sich bis zu acht Meter über uns auftürmen. LIV liegt immer schräg und stampft durch die Wellen. Alles ist voller Salzwasser, das auch durch die Decke tropft. Alles an Bord ist feucht und klamm! Wir essen viel zu wenig. Uns ist durchgehend schlecht und Kopfweh begleitet uns seit Tagen. Es ist zum Kotzen. Die Tage vergehen ohne Veränderung – einfach scheiße! Einer von uns steht immer im Regen an Deck. Die Anderen liegen unten und versuchen irgendwie klarzukommen. Immer hungrig, antriebslos und ein wenig deprimiert vegetieren wir vor uns hin und hoffen, dass sich endlich das Wetter bessert. Ich liege da so in meinem nassen Schlafsack in der Koje und träume mich an andere Orte. „Jetzt zuhause Serien gucken, mit einem Mädchen im Arm, oder in die Wirtschaft zum Schweinebraten essen – das wäre schön! Einfach mal bei Mama den Tatort schauen wäre top. Ich muss meinen Freunden mal sagen, wie gern ich sie habe und außerdem sollte ich mal wieder was mit Oma und Opa machen.“ solche Gedanken gehen mir die ganze Zeit durch den Kopf, den anderen geht’s vermutlich ähnlich. Gemeinsam philosophieren wir über die kleinen Dinge im Leben und zählen auf, was denn jetzt alles schöner wäre. Eine warme Suppe wäre auch schon echt geil. Einfach alles andere, als das hier.

 

Mittwoch 26.10 – Samstag 29.10.

 

Seit sechs Tagen sind wir nicht wirklich näher Richtung Lanzarote gekommen. Immer noch steht dieser Südwestwind. Am Mittwoch wird’s endlich besser. Der Wind dreht und wir können Kurs auf die Kanaren nehmen. Mit ordentlich Speed rauschen wir dahin. Endlich zeigt uns das Navigationsgerät wieder eine Ankunftszeit an. Ein sehr wohltuendes Gefühl, was in uns neue Energie weckt. Der angenehme Lichtblick war leider nur von sehr kurzer Dauer. Das Glück sollte noch nicht auf unserer Seite sein. Als ob die letzten Tage nicht schon nervig genug gewesen wären, kriegen wir nochmal so richtig auf die Fresse! Elisabeth zeigt uns ihre Muskeln. Langsam glauben wir, dass sie stärker ist als wir. In den Morgenstunden reißt unser Großsegel im Gewitter vom Mast und schleift neben uns im Wasser. Nicht geil bei viel Wind und brechenden Wellen, in völliger Dunkelheit das Segel an Deck zu ziehen. Gleichzeitig kommen plötzlich Lichter direkt auf uns zu.

Ein Tanker nähert sich rasch und macht keine Anstalten seinen Kurs zu ändern. Nach etlichen Funkversuchen, wachte der Mann hinter dem Autopilot zum Glück auf und dreht ab. Das war knapp. Wie viel bescheuerter kann es eigentlich noch werden? Ab Donnerstagabend wird’s dann langsam besser und wir kriechen unserem Ziel entgegen. Als dann endlich die Sonne zwischen den Wolken hervorblinzelt, gibt’s wieder reichlich und gutes Essen. Außerdem wird mal wieder geduscht und alles getrocknet.

Die Stimmung steigt wieder!

 

Samstag 29.10.

 

Jetzt beim Schreiben fällt es schwer, auszudrücken, wie sich die Tage im Sturm genau angefühlt haben. Es kommt mir ein wenig vor, wie nach einem Traum. Aber während der vielen nervigen Nachtschichten nahm ich mir fest vor, euch zu schreiben: dass ihr vor allem auch die kleinen Dinge im Leben genießen und ihnen Achtsamkeit schenken sollt. Das hab ich aus diesen Tagen gelernt. Ruft mal wieder eure Eltern an und genießt wie schön es in eurer Lieblingsbar ist. Zugegeben, auf unseren Bildern sieht alles immer sehr schön aus, aber an den SCHEIßTAGEN werden auch keine Fotos gemacht.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine schöne Zeit! Trinkt ein leckeres Bier auf uns und genießt das nächste Essen bei Oma oder Mama doppelt!

 

Unsere Abenteuer und lustigen Storys, zusammen mit jeder Menge Bilder gibt’s wie immer auf unserer Facebook-Page oder auf www.seasicksailing.com. Und den nächsten Tagebuchauszug hier bei ZEITjUNG gibt’s in zwei Wochen. Bleibt sauber und macht euch ’ne schöne Zeit. Wir segeln raus auf den Atlantik und auf die Kanaren. Cheers, Basti.