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Bilder: Was ist eigentlich auf der anderen Seite der bekanntesten Sehenswürdigkeiten?

Oliver Curtis zeigt uns weltbekannte Sehenswürdigkeiten aus einer anderen Perspektive. Denn diese Orte haben so viel mehr zu bieten.

Wir kennen sie alle: die Fotos von unserem Cousin, der den schiefen Turm in Pisa vorm Umfallen bewahrt, oder unserer Freundin, die mit 1000 anderen vorm Taj Mahal steht. Diese Fotos sind der Grund dafür, warum wir es leid sind, uns Urlaubsfotos anzusehen. Denn es sind immer die gleichen. Genauso gut können wir den schiefen Turm auch googeln. Reisen wir wirklich nur, um Abbildungen von Monumenten mit nach Hause zu bringen? Machen wir uns nicht eigentlich auf den Weg, um das zu erkunden, was hinter der Fassade versteckt liegt?

Der englische Fotograf Oliver Curtis hat verstanden, dass in Wahrheit hinter den Sehenswürdigkeiten weitaus Sehenswürdigeres liegt. In seinem Projekt „Volte-face“ (deutsch: Standpunktwechsel oder Kehrtwendung) zeigt er die Perspektiven, die wir so in keinem Urlaubsalbum finden, uns aber viel mehr beeindrucken. Da entdecken wir Seiten an einem Land, einer Kultur, die uns neu sind und sonst immer ungesehen bleiben.

 

ZEITjUNG: Wie bist du zur Fotografie gekommen?

Oliver Curtis: Obwohl ich als Teenager das Fotografieren gelernt habe, bin ich derzeit als Kameramann bei Filmen, TV-Dramen und Werbung tätig. Die letzten zwanzig Jahre bin ich immer dorthin gereist, wo meine Arbeit stattfand. So habe ich in den vergangenen Jahren das Fotografieren wieder aufgenommen und wechsle jetzt zwischen Filmen und Standbildern hin und her und kombiniere beides. 

 

Wie ist die Idee zu diesem Projekt entstanden?

Ich war auf einem Dreh in Cairo und hatte einen Tag frei. Natürlich wollte ich die Pyramiden von Gizeh sehen. Ich lief einmal darum herum. Als ich dann wieder auf der Vorderseite stand, die Pyramiden im Rücken, war ich konfrontiert mit dem Bild der vollgemüllten Wüste, den Vororten von Gizeh und einem brandneuen, leuchtend grünen Golfplatz dazwischen. Ich realisierte, dass uns diese umgekehrte Sicht, diese Kehrtwende so viel, wenn nicht sogar mehr, erzählt als ein Foto von der Sehenswürdigkeit selbst.

 

Was ist so besonders an dieser unkonventionellen Perspektive?

Ich mag es, nach Verhaltensmustern, Anordnungen und Einstellungen von unterschiedlichen Elementen zu suchen, die eine Geschichte zu erzählen scheinen, wenn sie auf die richtige Art und Weise angeordnet sind. Gewöhnlich mache ich fünf oder sechs Fotos und die Selektion ist dann offensichtlich. Aber gelegentlich gibt es so viele interessante und aufrüttelnde Möglichkeiten, dass es schwer wird, sich zu entscheiden. Der Faktor, der allen zugrunde liegt, ist der Dialog zwischen der Sicht, die das Foto präsentiert, und dem bekannten Platz, der ungesehen hinter dem Foto steht.

 

Was macht ein gutes Foto aus?

Für mich macht „gute Fotografie“ den Betrachter genauso aufmerksam darauf macht, was nicht auf dem Foto ist. Ich hoffe immer, dass Subjekt und Komposition meinen Verstand irgendwo außerhalb der Grenzen des Fotos mit hinnehmen.

 

Cheops-Pyramide in Gizeh, Ägypten

Pathenon in Athen, Griechenland

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