Sex in Videogames: zeit für mehr Diversität und weniger Sexismus!

Eigentlich passen sie doch perfekt zueinander. Spielen ist ein menschlicher Trieb, „homo ludens“ eben. Sexualität ist ein menschlicher Trieb. Spielen macht Spaß, und Sex, üblicherweise, ebenfalls. Sexualität in Videospielen ist bei näherer Betrachtung ein ambivalentes, in der Regel auch ein konservatives und eher unterschwelliges Thema. Obgleich es natürlich Ausnahmen gibt.

Sexualität, im weiteren Sinne, existierte in Videospielen bereits zur Frühzeit des Mediums. Super Mario rettet Peach, der Ritter opfert sich für seine Prinzessin auf, und nicht umgekehrt. Oder eben „anders“. Nintendo würde vermutlich nie auf die Idee kommen, dass Mario eine männliche Figur retten muss. Zumindest nicht, weil man weiß, dass er es auch tut, um sich dessen Zuneigung zu vergewissern und dabei die eigene Virilität zur Schau zu stellen.

In den meisten Videospielen fristet Sexualität, sofern sie betont wird, das Dasein einer reinen Fleischbeschau im traditionellen Sinne. Lara Croft hatte in den ersten Teilen der „Tomb Raider“-Reihe unverschämt ungesunde Proportionen, die eben genau darauf abzielten, Teenager für die mit einem üppigen Busen ausgestattete Heldin zu begeistern. In den „Metroid“-Teilen wurde mit dem Klischee indes ein wenig gespielt. Das unter dem futuristischen Anzug eine Frau steckt, eine überaus hübsche noch zugleich, stellten viele Spieler erst nach dem Spiel fest. Weil sie sich, und hier greifen wieder Rollenklischees, nach dem Durchspielen entblößt und dabei umso mehr die Hüllen fallen lässt, je besser die Leistung des Spielers eben war.

GTA, Red Dead Redemption und The Witcher: NUr gucken, nicht anfassen

Mit steigender Altersgrenze steigt auch, logisch, die Explizität der Darstellung von Sexualität. In der „Grand Theft Auto“-Reihe kann man Liebe im klassisch-verschmutzten Sinne „kaufen“. Und die Reihe geizt auch nicht unbedingt damit, dies zu betonen. In „Read Dead Redemption 2“ kann sich der Spieler von einer holden Maid waschen lassen, auf Knopfdruck wählt er aus, welches Körperteil sie als nächstes behandeln soll. Auch in anderen aktuellen Spielen und Spielereihen wie „The Witcher“ kommt es zu expliziten Erotik- und Sex-Szenen, denen aber dennoch irgendwie immer etwas Hölzernes inne ist. Auch wenn die Darstellung von Sex in Videospielen dank der Tatsache, dass man technisch fast beim Fotorealismus angelangt ist, überaus „echt“ erscheint, mag das eben auch an einer Sache liegen. Sexualität ist auch immer etwas Körperliches; eine Sache, die Nähe, Sinnlichkeit und Intimität involviert. Und das schließt das Medium aus. „Nur gucken, nicht anfassen“ könnte man simpel formuliert auch festhalten.

Insofern wird es spannend sein, zu beobachten, ob mittels der Durchdringung von Virtual-Reality-Technologien, sofern ihnen dies denn gelingt, auch dies bei Videospielen Einzug halten wird, in denen Sexualität eine Rolle spielt. Dadurch vielleicht sogar neue Genres entstehen. Dennoch darf man bei all dem auch nicht vergessen: Das Medium Videospiel ist eine kommerzielle Massenware. Es geht primär immer noch ums Verkaufen. Und es verkauft sich in der Regel das, was bei der Masse ankommt. Selbstredend, es gibt Ausnahmen, „Vorreiter“ wenn man so will. In „Dragon Age“ darf der Spieler gleichgeschlechtliche Beziehungen eingehen, das Thema Sexualität wird freizügig, offen und „umfassend“ dargestellt.

Sex und andere Laster im Videospiel

Auch das mag ein wichtiger Punkt für die ambige Rolle von Sexualität in Videospielen sprechen: Sexualität wird auf der ganzen Welt zwar verstanden, aber durchaus unterschiedlich interpretiert. Es ist in Japan „normal“, dass bestimmte (sexuelle) Merkmale noch viel stärker betont werden, als im Westen. Schlanke Taille und enormer Busen bei Frauen, eine athletische V-Form und massenweise Muskeln bei Männern. Außerdem wird Sex, sofern man ihn denn betont, auch gern direkt mit anderen Lastern verbunden. Also Alkohol, Drogen, Dekadenz eben. Bestes Beispiel ist die „Leisure Suit Larry“-Reihe, in welcher es, vereinfach ausgedrückt, einfach nur darum geht, so gut wie möglich den klassischen „Playboy“ zu spielen. Dass der neueste Teil den Untertitel „Wet Dreams Don’t Dry“ trägt, spricht Bände.

Abseits des Mainstreams

Wer sich abseits des Mainstreams umschaut, findet aber auch Videospiele, die eben auch ganz anders vorgehen. In „Rinse and Repeat“ begegnet man Männern unter der Dusche. In „Gone Home“ geht es um eine lesbische Liebesgeschichte. Hier „trauen“ sich Spieleentwickler*innen im soziokulturellen Sinne etwas, weil es eben nicht um das große Einspieler*inerlebnis geht, sondern das Medium Videospiel hier vielmehr als Kunstform oder als Ausdrucksform gesehen wird.

Vielleicht würden der Branche, auch der Mainstream-Branche, mehr solcher Titel guttun. Denn diversifiziert hat sich der Umgang mit Sexualität, das zeigen solche Spiele (selbst, wenn sie keine große Bekanntheit erlang haben), absolut. Denn genau darum ging und geht es in Videospielen doch im Kern: Neue Welten entdecken, der Neugierde nachgeben und beim Lösen von Problemen der Kreativität freien Lauf zu lassen. Gehört dazu nicht irgendwie auch die eigene Sexualität?

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Bildquellen: Unsplash
Bildquellen: Alec via Flickr unter CCO-Lizenz;

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