BeziehungFeminismusKolumneSexSexualitätStellungswechsel

Stellungswechsel: Natürlich hast du das Recht auf einen Orgasmus!

Sex und Feminismus passt nicht zusammen? Doch, wie unsere Kolumne „Stellungswechsel“ beweist. Diesmal: Das Recht auf einen Orgasmus.

Sex und Feminismus passt nicht zusammen? Doch, wie unsere Kolumne „Stellungswechsel“ beweist. Nadine Kroll befasst sich mit den Fragen, die junge Menschen und speziell Frauen, die gerade ihre Sexualität entdecken, ganz besonders beschäftigen. Es geht um gesellschaftlichen Wandel, Selbstbestimmtheit, neugewonnene Freiheiten, Frauenrechte und natürlich ums Ficken, kurz: um sexpositiven Feminismus und darum, dass sich niemand für seinen Körper oder seine Vorlieben schämen muss.

Welche Frau hat es noch nie erlebt? Man hat guten Sex mit einem Typen, doch sobald der einen Orgasmus hatte, ist es vorbei mit der Lust. Er ist müde und fertig, maximal kuscheln ist noch drin. Der eigene Höhepunkt bleibt häufig auf der Strecke. Dabei sollte Geschlechtsakt nicht automatisch dann vorbei sein, sobald der Mann einen Samenerguss hatte. Obwohl wir uns denke ich alle einig sind, dass Sex auch ohne Orgasmus schön ist, so stimmen wir auch darin überein, dass es mit noch sehr viel schöner ist.

Viele Frauen, mit denen ich gesprochen habe, geben an, dass sie eben länger brauchen, um zum Höhepunkt zu kommen, als ein Typ und sich deswegen mit dem zufrieden geben, was sie bekommen können. Einige von ihnen befriedigen sich im Anschluss noch selbst, andere verzichten komplett auf den Orgasmus. Keine von ihnen hört jedoch auf, wenn sie beim Sex zuerst gekommen ist, sondern wartet ab, bis auch der Kerl seine Ladung abgespritzt hat und zufrieden über ihr zusammensinkt. Darauf bestehen, dass der Typ für sie dasselbe tut, auch wenn er zuerst gekommen ist, tun die wenigsten. Und da liegt ein ganz großer Fehler, denn auch als Frau hat man beim Sex ein Recht auf einen Orgasmus.

95% vs. 65%

Statistisch gesehen kommen 95% der heterosexuellen Männer jedes Mal, wenn sie Sex haben zum Höhepunkt. Bei heterosexuellen Frauen sind es hingegen nur 65%. Die Statistik der Homosexuellen sieht ein wenig anders aus. Dort kommen 89% der Männer bei jedem Geschlechtsverkehr zum Orgasmus und ganze 86% der Frauen.

Das Argument, dass Frauen eben nicht so einfach kommen, sollte anhand dieser Zahlen also widerlegt sein. Vielmehr hat es wohl damit zu tun, wie sehr die unterschiedlichen Paare beim Sex aufeinander eingehen. Auch Hetero-Sex beginnt nicht erst, wenn der Penis in die Vagina eingeführt wurde – und muss erst recht nicht dort enden. Ja, der Penis wird kurz nach dem Samenerguss wieder schlaff und es dauert eine Weile, bis Mann wieder bereitsteht für eine eventuelle zweite Runde. Aber es gibt eben auch andere Wege, eine Frau zum Orgasmus zu bringen, für die man keinen steifen Schwanz braucht. Sich, nachdem man gekommen ist, einfach umzudrehen und einzuschlafen – oder wieder zum Controller der Playstation oder der Fernbedienung zu greifen – tut auf Dauer keiner Beziehung gut.

Liebe Männer, hört nicht auf!

Es geht gar nicht darum, dass beide Partner immer kommen – auch wenn das natürlich wünschenswert wäre, schließlich ist so ein Orgasmus für sich gesehen eine tolle Sache. Dennoch herrscht ein Ungleichgewicht bei der Anzahl der Höhepunkte, das dringend etwas ausgeglichen werden muss. Auf Dauer kann es nämlich ganz schön frustrierend sein, wenn der Typ nach dem Abspritzen nur schnell das Kondom entsorgt und zur gewohnten Tagesordnung übergeht, während man selbst irgendwie unbefriedigt zurückbleibt.

Deshalb mein Rat an alle Männer da draußen, die Sex mit Frauen haben: Hört nicht einfach auf, nachdem ihr euren Spaß hattet. Egal, ob ihr den Penis-in-Vagina-Verkehr drei Minuten durchhaltet oder drei Stunden, wenn ihr merkt, dass eure Geschlechtspartnerin nicht gekommen ist, sorgt dafür, dass sie es noch tut. Mit den Händen, der Zunge oder Spielzeug.

Liebe Frauen, nehmt euch, was euch zusteht!

Ich garantiere euch, dass auch ihr in Zukunft viel mehr Sex bekommen werden, denn die vielzitierte Unlust der Frauen rührt oft einfach auch daher, dass wir beim Sex mit euch nicht kommen – und zwar nicht, weil wir so lange brauchen oder generell schwerer zum Orgasmus zu kriegen sind, sondern weil ihr einfach aufhört, nachdem ihr eure Ladung verballert habt. Da ist es für uns natürlich einfacher, zuhause zum Vibrator zu greifen, statt mit euch in die Kiste zu steigen.

Und für die Damen habe ich natürlich auch einen Rat, und zwar: Nehmt euch, was euch zusteht. Ihr habt genauso ein Recht auf einen Orgasmus wie die Männer, mit denen ihr ins Bett geht. Wenn euer Kerl also mal wieder aufhört, direkt nachdem er gekommen ist, sagt ihm, dass ihr noch nicht fertig seid. Zu Sex gehören immer (mindestens) zwei Menschen, die beide genießen und ihre Wünsche erfüllt bekommen dürfen.

Das gilt selbstverständlich auch für Höhepunkte. Wer auch immer euch da etwas anderes erzählen will, oder euch ganz und gar einreden will, es wäre ja so kompliziert euch zum Orgasmus zu bringen und hätte nichts mit ihm zu tun, hat es nicht verdient, mit seinem Penis auch nur in die Nähe eurer Vulva zu kommen.

Kommentare

  1. Nun, nachdem ich jetzt weiß dass ich ein Recht auf einen Orgasmus habe, lasse ich mich natürlich psychisch therapieren. Und wehe der Psychiater kann mir nicht helfen, dann habe ich endlich einen Schuldigen für meine psychisch-physischen Unzulänglichkeiten…..!

    DUDU / Antworten

Sag was dazu

Das könnte Dich auch interessieren