So vermeidet man Streit an Weihnachten

Weihnachten Familie Streit vermeiden

Von Barbara Forster

Oh, du schöne Weihnacht!

Es ist Weihnachten, das friedlichste Fest des Jahres. So sollte es zumindest sein. Die Wahrheit sieht allerdings oft anders aus. Dass Papa fast den Weihnachtsbaum abgefackelt und Mama den Braten verbannt hat, erzählen wir natürlich nicht. Den Schein muss man schließlich wahren. Gräbt man allerdings ein wenig tiefer, bröckelt oft die Fassade von einem harmonischen Beisammensein. Warum ist das so?

 

Vorweihnachtlicher Stress und zu hohe Erwartungen

 

Laut eines Focus-Artikels lautet die Antwort: Stress. Der vorweihnachtliche Stress, der durch Plätzchenbacken, Geschenke einkaufen und diverse Weihnachtsfeiern entsteht, nimmt uns so sehr in Anspruch, dass wir an Heiligabend völlig ausgelaugt sind und bei der kleinsten Unstimmigkeit in die Luft gehen. Vorweihnachtsstress formt uns demzufolge zu tickenden Zeitbomben. Kürzer zu treten, um genau jenen Stress zu vermeiden, ist jedoch leichter gesagt als getan: Das Weihnachtsfest wird in den Medien so hochstilisiert, dass wir uns automatisch gezwungen sehen, selbst eine Bilderbuchfamilie verkörpern zu müssen. Nachbarn batteln sich mit protzigen Lichterketten, Mütter geben mit selbst gebackenen Plätzchen an und auf den letzten Drücker hetzen wir in überfüllte Läden, um das perfekte Last-Minute Geschenk zu ergattern. Überhaupt soll alles perfekt sein. Diesem Druck können viele Familien nicht standhalten. Wie auch? Im realen Leben ist schließlich nicht alles perfekt.

 

Raum für Pannen schaffen

 

Was Weihnachts-Dramen betrifft, hat meine Familie die Messlatte in den letzten Jahren sehr weit hochgelegt. Mama möchte jedes Jahr ein perfektes Weihnachtsfest. Aber oft fangen die Zankereien bei uns schon während des Essens an, wenn Papi das vor sich hinbrutzelnde Raclette-Schälchen verflucht. Was folgt ist ein langer Vortrag darüber, dass wir seine Schweinswürstchen-Tradition mit Füßen treten. Das Weihnachtsdinner ist bei uns sozusagen eine Einstimmung auf den wahren Wendepunkt des Abends: Abgesehen von den Geschenken, die uns jedes Jahr unter dem Baum erwarten, hält die Bescherung für uns immer noch eine kleine Extra-Überraschung bereit. Einmal hat mein Bruder dabei aus Versehen eine brennende Kerze auf den neuen Parkettboden fallen lassen, was Mama zu einer rasenden Naomi Campbell werden ließ. Oder die kuriose Bescherung im Jahr 2000, als meine damals zweijährige Schwester zielstrebig auf unsere norwegische Tanne zusteuerte und herzhaft in eine große rote Kugel biss. Wie im „Exorzist“ drehte sie ihren Kopf in unsere Richtung und spie die Scherben aus, ohne dabei ihren Blick zu senken. Vorbei war es mit der harmonischen Stimmung. Mamas sorgfältige Bemühungen, ein schönes, friedliches Weihnachtsfest zu zelebrieren, liefen jedes Mal ins Leere. „Was stimmt mit uns nicht?“, hat sich mein Papa einmal gefragt. Meine Bilanz lautet: Nicht diejenigen sind unnormal, die an Weihnachten streiten, sondern diejenigen, die Streit an diesem Tag entschieden aus dem Weg gehen. Das kostet Nerven, das verursacht Spannungen. Wer an Weihnachten nicht locker ist, kann Zwischenfälle nicht souverän meistern.

Auch wir haben mittlerweile erkannt, dass wir zu verbissen an die Sache rangehen. Kein Streit, perfektes Essen, perfekte Bescherung – mal ehrlich: Wir sind keine Heiligen. Das Perfektionsstreben haben wir deshalb hinter uns gelassen und den Erwartungsdruck etwas gesenkt. Eine Bilderbuch-Weihnacht hatte sowieso nie zu uns gepasst. Was nicht heißt, dass wir nicht auch unsere Full-House-Momente haben: Bei Plätzchen und Eierpunsch lachen wir gemeinsam über unsere fleißig angesammelten Weihnachtsanekdoten.

Für diejenigen, die schon um das Weihnachtsfest bangen, so kommt ihr heil durch den Heiligabend:

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