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Steve McCurry: „Menschlichkeit haben wir alle gemeinsam“

Ihn interessieren Menschen in Krisengebieten und neue Perspektiven. Dass er mit seinen Fotos Zeitgeschichte dokumentiert, wird ihm oft erst später bewusst.

Sie ist zwölf Jahre alt, hat grüne Augen und ein rotes Kopftuch, ihr Blick ist durchdringend. Das Foto des Mädchens namens Sharbat Gula machte Steve McCurry weltweit bekannt. Der US-amerikanische Fotograf ist in etlichen Krisengebieten der Welt unterwegs, doch er würde sich selbst nie als „Kriegsfotograf“ bezeichnen.

Viel mehr als die zeitgeschichtlichen Ereignisse interessieren ihn nämlich die Menschen dahinter. Sein Ziel ist es, „eine Art Gemeinsamkeit zwischen allen Menschen in ihren unterschiedlichen Lebenssituationen zu finden“.

Vor Kurzem erschien das Buch „A Life In Pictures“, das 350 seiner Bilder und ihre Geschichten zeigt. Zusammengestellt hat es seine Schwester Bonnie McCurry. Im Interview mit ZEITjUNG.de erzählt er unter anderem, wie es zu seinem beeindruckenden Bild des afghanischen Mädchens kam.

 

Was möchtest du mit deinen Bildern zeigen?

Ich erzähle Geschichten. Mich interessieren die Menschen und wie unterschiedlich und doch gleich wir alle sind. Wir kleiden uns verschieden, sprechen andere Sprachen und haben unterschiedliche Religionen. Aber am Ende haben wir alle eines gemeinsam: Menschlichkeit.

Das Bild von der damals zwölfjährigen Sharbat Gula ist eines der eindrucksvollsten Bilder. Was ist die Geschichte dahinter? 

Im Jahr 1984 arbeitete ich an einer Geschichte über vier Millionen Flüchtlinge, die aus Afghanistan in die Lager an der afghanisch-pakistanischen Grenze flüchteten. Eines Nachmittags fotografierte ich in einem Lager nahe Peschawar und hörte Stimmen aus einem Zelt. Sie stammten aus einer provisorischen Schule für junge Mädchen. Ich ging hinein und bat den Lehrer um Erlaubnis, die Schülerinnen fotografieren zu dürfen. Ich bemerkte ein kleines Mädchen in einer Ecke des Zelts. Sie hatte diese stechenden, wunderschönen Augen. Ich konnte nur wenige Aufnahmen machen, bevor sie ging. Es war einer dieser wenigen Situationen, die alle Voraussetzungen für ein gutes Bild vereinte: das richtige Licht, der richtige Ausdruck, der richtige Hintergrund. Ihr Bild drückt Würde und Stärke aus und wurde zu einem Symbolbild für afghanische Flüchtlinge.

Was möchtest du noch unbedingt fotografieren?

Ich habe zwar in fast jedem Land um den Iran herum gearbeitet, aber aus irgendeinem Grund habe ich es noch nicht in den Iran selbst geschafft. Dorthin wollte ich schon immer reisen – mit meiner Kamera im Gepäck.

Wie fühlst du dich mit deinem neuen Buch in den Händen?

Ich bin sehr stolz darauf. Und auf die Vision, die meine Schwester Bonnie hatte, die Einflüsse auf meine Arbeit und Ästhetik offenzulegen.

Wie alle eigensinnigen Geschwister hatten auch wir ein paar Unstimmigkeiten, aber am Ende waren wir uns über jedes Foto und jede Geschichte im Buch einig. Sie ist die einzige, die das je hätte zusammenstellen können.

 

 

 

 

 

 

 

 

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Bildquelle: Steve McCurry

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