Studie: Handeln religiöse Menschen wirklich irrationaler?

Religion und Wissenschaft Mann in Kirche

Glaube ist im 21. Jahrhundert ein heikles Thema, das ungern bei der Familienfeier ausgepackt wird. Gottesdienste sind leer, wir vergessen, weshalb heute eigentlich Feiertag ist und Kirchen werben um ihre zahlreich verloren gegangenen Schafe. Doch irgendwas fesselt immerhin noch ein paar Menschen – ein paar mehr in den vergangenen Jahrhunderten: Schon immer haben religiöse Figuren in Konkurrenz mit Wissenschaftlern versucht, die Welt zu erklären und ihre Argumente wichen dabei stark voneinander ab. Das fängt schon an bei der Frage, wie die Menschheit entstand. War es Evolution oder doch die Schöpfungsgeschichte?

 

Sind Religion und Wissenschaft vereinbar?

 

“Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft blind“, sagte einst Albert Einstein. In unserer Gesellschaft koexistieren immer noch Wissenschaft und Religion obwohl die katholische Kirche, die zumindest einen Teil der religiösen Bevölkerung vertritt, sich in der Vergangenheit nicht nur einen Fehltritt geleistet hat. Der Kampf zwischen zwei so unvereinbaren Dinge, wie Wissenschaft und Glaube, liegt nicht nur an unseren individuellen Ansichten, sondern ist wissenschaftlich bewiesen. Forscher der Case Western Reserve University und dem Babson College haben eine Studie herausgebracht, die den Konflikt von Wissenschaft und Religion erklärt.

In acht Versuchsdurchläufen mit jeweils zwischen 159 bis 527 Teilnehmern wurden schriftliche und gedankliche Experimente durchgeführt mit Probanden, die an einen Gott oder einen anderen universellen Geist glauben und denen, die keinen religiösen Bezug haben.

 

Wie wird unser Denken beeinflusst?

 

Dabei kam heraus, dass der Ursprung für die Kollision zwischen Religion und Wissenschaft nicht nur historisch oder gesellschaftlich bedingt ist. Um vom Großen auf das Kleine zu schließen, lässt sich der Grund bei uns selbst suchen. Nämlich in unserem Gehirn. Laut der Studie findet in unserem Gehirn ein Konflikt zwischen zwei Netzwerken statt. Menschen mit religiösem oder spirituellem Glauben unterdrücken das Netzwerk im Gehirn, das zum analytischen Denken gebraucht wird, während sie das empathische Netzwerk anwenden.

Ebenso beanspruchen die Personen ohne Glauben das analytische Netzwerk mehr und vernachlässigen das emphatische Netzwerk im Gehirn. Wenn wir uns also in einer Zwickmühle zwischen einer Hausparty und Netflix befinden, entscheidet sich unser Gehirn für den richtigen Weg und unterdrückt den anderen Bereich unseres Denkens. Schließlich ist die Entscheidung zwischen Selbstzerstörung und Erholung alles andere als leicht. Das Vertrauen in das Übernatürliche fordert, dass das kritische und analytische Denken beiseite geschoben wird, um einen weitreichenden emotionalen Einblick zu bekommen. Die Studie besagt außerdem, dass mehr Frauen eine religiöse Weltansicht vertreten als Männer.

 

Wie treffen wir Entscheidungen?

 

Die Studie zeigt, dass ein Ausgleich der beiden Netzwerke schwer zu erreichen ist, da sie sich immer gegenseitig unterdrücken. Dennoch kann keiner der zwei Gedankenwege die Alleinherrschaft in unserem Gehirn erreichen, da wir von Natur aus bei unseren Entscheidungen beide Gedankengänge miteinander vereinen. Da ist es nicht schlecht, eine gesunde Mischung bei unseren Weltansichten zu halten, da sich das Leben weder nur emphatisch noch rein rational erklären lässt. Der Wissenschaft haben wir zu verdanken, dass wir die Erde nicht als eine Scheibe betrachten. Das ist ja schon mal ganz geil.

 

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Bildquelle: Karl Fredrickson

Praktikantin: Bei mir geht es in alle Richtungen. Mit meinem Gepäck treibe ich mich irgendwo zwischen München und Dublin herum oder wohin es mich eben sonst so verschlägt. Wenn ich nicht gerade am Bodensee studiere, atme ich die Luft fremder Kulturen und probiere mich an neuen Sprachen. Meine treuen Wegbegleiter sind neben meinen Lieblingsmenschen meine Begeisterung für Architektur und Kinfolk. Kiwis, Fahrräder und Streifenshirts sind auch nicht schlecht. Aber Schreiben ist natürlich meine Number One.