Selbstversuch: Wie erschreckend einfach es ist, einen Sugar Daddy zu finden

Erschrocken darüber, wie unfassbar einfach es war, einen Account bei Seeking Arrangement anzulegen, sitze ich an einem verregneten Montag Abend vorm Laptop und möchte ihn am liebsten wieder zuklappen. Doch nur, weil ich es mir leisten kann: Im Gegensatz zu angeblich 3,3 Millionen angemeldeten Frauen, kann ich es mir leisten mein Leben und Studium zu bestreiten, ohne auf die Hilfe eines reichen Gönners angewiesen zu sein. Im Dienste der Feldforschung und meiner unbändigen Neugier, bleibe ich natürlich dabei und schmücke mein Profil weiter aus. Lange braune Haare, grüne Augen und zehn Zentimeter mehr habe ich meinem „Sugar Baby“- Alter Ego gegönnt. So nennen sich die jungen Frauen, die auf der Suche nach einem spendablen älteren Herren, einem „Sugar Daddy“, sind.

Bei SeekingArrangement.com scheint dieses Geschäft, also Zeit, Sex und manchmal sogar eine Beziehung gegen Geld, Geschenke und ein monatliches Gehalt, blendend zu laufen. Das System ist simpel und direkt: Male4You*, 54 Jahre alt zum Beispiel, ist auf der Suche nach einer “(((DRAMA FREE)))..SEXY VIXEN!!!“ Ich bin mir sicher, dass selbst mein Alter-Ego nicht das ist, was er sucht und ignoriere seine Anfrage. Außerdem bittet er potentielle “Sugar Babies“ in seinem ellenlangen Text darum, frei von Krankheiten und nervigen Ex-Freunden/Männern zu sein. Auch an einem Escort ist er nicht interessiert. Der Mann scheint sich auszukennen und ich frage mich, wer zur Hölle, an diesem Typen, der sein Vermögen im 40 Millionen US Dollar Bereich einordnet, Interesse hat. Selbstachtung scheinen potentiellen Kandidatinnen nicht haben zu dürfen.

 

 

Comments
  • Tom

    „Verkaufen Ihren Körper“. Nach dem Wording müssten Chirurgen ihre Hände, Ingenieure ihre Gehirne und die Mitarbeiter von einem Lieferservice ihre Beine „verkaufen“. Mal abgesehen, dass man nichts verkaufen kann, was einem danach noch gehört, erfüllt dieses Wording einen einzigen Zweck: Etwas zu stigmatisieren, das von einer Gruppe Frauen abgelehnt wird, die sich für moralisch überlegen halten, aber ansonsten nicht den blassesten Schimmer davon haben.

    03/07/2019
    • Ada

      Ich (eine Frau) bin ehrlich gesagt deiner Meinung. Ich denke das gerade Frauen die das absolut nicht machen müssen eigentlich beweisen das es keine Prostitution ist und ist Feminismus nicht auch über den eigenen Körper entscheiden zu können. Also finde ich wenn von Feminismus die Rede sein soll sollte man besonders Frauen die sich einfach so dafür entscheiden nicht verurteilen oder ihnen unterstellen keine Selbstachtung zu haben.

      07/07/2019
      • Cindy

        Naja.., Frauen „die das absolut nicht machen müssen“ gibt es denke ich nicht. Wer das macht, muss schnell an Geld kommen, um seine Ziele umzusetzen. Ode die denkt, nur so ließen sich ihre Ziele umsetzen. Es kann auf eine Vergewaltigung rauslaufen, so wie es bei Prostituierten auch ist. Nur haben die Frauen nicht den Schutz, den die Prostituierte (die natürlich dafür auch bezahlt) hat. So kam es zu einem Fall, der nie angezeigt wurde, wo jemand auf einer einsamen Insel in einem billigen Ferienbungalow eine Frau traumatisiert hat, deren Leben danach 7 Monate in der stationären Therapie weiterlief. Ein Extremfall vielleicht. Aber auch eine einzige Nacht, in der einem sexuelle Bedürfnisse eines Mannes aufgezwungen werden, können das Leben sehr verschlechtern. Vielleicht, ich würde es denen wünschen, die keinen anderen Ausweg sehen, gibt es auch Lichtblicke – aber Vorsicht – diese Männer lieben ihre Sugarbabies nur solange sie jung sind.

        11/07/2019
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