Superfood macht uns nicht gleich zu besseren Menschen!

Hannah Frontzek

Sobald der Begriff Superfood fällt, schwimmen vor unseren Augen Bilder von Chiasamen, Gojibeeren und Acaibeeren. Der aktuelle Trend, vor allem transportiert durch Social Media, löst in uns das Verlangen nach einer Veränderung aus. Eine Veränderung zu einem gesünderen Alltag. Wer will nicht Teil dieser Community sein, die sich mit ihrem Ernährungsplan intensiv auseinandersetzt?  Doch wo bleibt hier Raum für Nachhaltigkeit? Lassen sich die beiden Schlagworte Superfood und Nachhaltigkeit überhaupt miteinander vereinen? Zugegeben, die meisten von uns freuen sich über eine ästhetische und vor allem schmackhafte Smoothiebowl am Morgen. Das wird dann schnell auf Instagram gepostet und rein damit in den hungrigen Magen.

 

Ist Superfood gleich Nachhaltigkeit?

 

Es ist schön, zu sehen, wie unsere Gesellschaft immer mehr Zugang zu einem gesunden Lifestyle findet und sich mit den exotischsten und kreativsten Rezeptideen beschäftigt. Doch ein Blick hinter den Vorhang genügt, um sich das Geschehen genauer anzusehen. Wenn wir also einen Schritt weiter denken, bemerken wir, dass das Superfood zwar für eine nährstoffreiche Ernährung sorgt, die Frage, woher diese Superfoods kommen, beschäftigt allerdings die wenigsten unter uns.

Wir gehen grundsätzlich davon aus, dass gesundes Essen gleichzeitig auch für Nachhaltigkeit steht. Aber der größte Teil des Superfoods, das in unsere Gesellschaft Eingang gefunden hat, wird gar nicht in unserer Heimat produziert. Chiasamen wachsen hauptsächlich in Mexiko, der Mandelanbau erstreckt sich über Kalifornien und Spanien.

Können wir also mit unserem Gewissen vereinbaren, dass das Essen für uns einen positiven Aspekt hat, Produktion und Transport dagegen jedoch alles andere als umweltfreundlich und nachhaltig sind? Das passt schwer zusammen.

„Jeder Mensch isst, lebt und reagiert anders, weshalb die tatsächliche Auswirkung auf die Gesundheit damit nicht bewiesen werden kann“, schreibt der Stern in seinem Artikel über Superfood. Wir können also nur spekulieren, was der Hype um diese angeblich wunderwirkenden Lebensmittel mit unserem Körper langfristig gesehen anstellt.

 

Lieber Exoten oder Alltagskost?

 

Wir legen großen Wert auf die Zusammenstellung der Rezepte aus möglichst gesunden Produkten. Über die Produkte an sich machen wir uns weniger Gedanken. Wenn schon auf die Ernährung achten, warum dann nicht auch auf die Umwelt? Auch in unseren Regionen wird Alltagskost angebaut, die Teil des beliebten Superfoods ist. Dazu gehören Sojabohnen, Spinat und Grünkohl, welche auch in fernere Gebiete außerhalb Deutschlands exportiert werden.

„Zu vielen der exotischen Superfoods gibt es heimische Alternativen“, sagt Angela Clausen von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen gegenüber dem Spiegel, wie zum Beispiel Leinsamen statt Chiasamen oder Oliven statt Acaibeeren. Sie selbst sieht in diesem Trend eine Marketingstrategie, die uns Wunderwirkungen vorspielt.

Es ist wohl spannender, Produkte aus anderen Ländern zu kaufen, anstatt den Kohl aus Omas Garten zu kochen. Genauso geht das den Amerikanern, die den Grünkohl aus unserer Heimat als Superfood preisen.

Bei unserem nächsten Einkauf könnten wir doch mal auf das Herkunftsland der Lebensmittel achten und anstatt der Exoten zur Abwechslung mal zu herkömmlicher Feinkost greifen. Auch Deutschland hat so einige Schmankerl zu bieten und dieses Superfood ist dann auch noch super nachhaltig.