Ben BernschneiderFotografieKalifornienMärchenTales Of An American Summer

Fotos: Das falsche Märchen vom perfekten Sommer in L.A.

Ben Bernschneider fotografiert uns das Märchen vom Sommer in Kalifornien. EIn bisschen verschwommen, mit viel Sonne, nackter Haut und Alkohol. Zu perfekt?

Kalifornien: Die Sonnenuntergänge sind rosa, die Palmen sind zehn Meter hoch, die Leute haben grundsätzlich wenig an und die Frauen sind wunderschön. Die Tage sind lang und die Nächte noch länger. Immer umgeben vom Flimmern der Sonne oder den Lichtern der Fast Food-Läden.

Dieses Bild zeichnet uns Ben Bernschneider in „Tales Of An American Summer“ so perfekt, dass man sich den Pulli vom Leib reißen und auf seinen Beachcruiser schwingen möchte. Besser gesagt, er fotografiert es. Der Bildband ist ein Sammelsurium aus Tagebuch, Bildern und den passenden Musiktiteln zum kalifornischen Märchen. Die Bilder ein bisschen Sepia, ein bisschen 70er und sehr gechillt, transportiert uns „Tales of an American Summer“ kopfüber in den Traum vom Sommer in Kalifornien.

 

„Ich will hier sterben“

 

„Ich weiß nicht wirklich, was es ist, das ich an Palm Springs so liebe. Das Wetter, die Landschaft mit den arsch hohen Palmen gegen diese Berge. Ich will hier sterben. Hinsichtlich meines massiven Alkoholkonsums bin ich auf dem besten Weg dazu“.

In seinem semi-realen Tagebuch beschreibt Bernschneider wie er sein letztes Buch fertigstellt, die verschlüsselte Datei an seinen Verleger schickt und in den nächsten Flieger nach L.A. steigt, auf der Suche nach Urlaub und Bloody Mary’s. Die nächsten 4 Monate sind voll von Drogenexzessen, Dauerräuschen, verlorenen Zähnen in schönster Hangover-Manier, schönen Frauen und Übernachtungen im Chateau Marmont. Und Michael Keaton, der Courtney Cox einen Liebesbrief schreibt.

Auf die Frage, was von seinem Tagebuch man denn jetzt als reale Reisetipps wahrnehmen darf, antwortet Bernschneider ZEITjUNG: „Ja, da ist ein Haufen Reales dabei. Aber ich habe weder einen Zahn verloren, noch hatte ich Sex auf Speed mit der Farmerstochter und ich habe auch keine 60 Tage lang durchgesoffen. Die klaren Übertreibungen sind alle fiktiv“. Schade eigentlich.

 

Verfolgt wird man auch in Kalifornien

 

Als würde er die Perfektion seiner Bilder kontrastieren wollen, beschreibt der Fotograf Schrägstrich Autor Schrägstrich Regisseur in den kleinen Tagebucheinträgen neben seinen Fotos, dass auch Dauersonne, Sandstrand, freizügige Frauen und Alkohol nicht vor den kleinen und großen Problemen des Lebens schützen. Wie dem Steuerberater, der Bernschneider den ganzen Sommer über lang anruft, der übrigens chronisch pleite ist und etwa drei Kreditkartenlimits überzieht. Oder seinem Verleger, der von der Verschlüsselung seines letzten Buchs nicht gerade begeistert ist.

Die Datei verschlüsselt hat Bernschneider aus einem Grund, den wohl jeder, der schon mal kreativ tätig werden musste, kennt. Versagensangst. Wenn man es geschafft hat, sich von den Bildern zu lösen und sich die Texte durchliest, fällt einem ein mysteriöses Fahrzeug auf, das Ben verfolgt und von dem sich schließlich herausstellt, „dass der braune SUV für meine Versagensangst steht, die ich nicht abschütteln kann“, erzählt uns Ben. „Die aber auch jeder „Künstler“ mit sich herumträgt“.

Versagensängste hin oder her, wir können „Tales Of An American Summer“ uneingeschränkt und mit besten Gewissen empfehlen. Einen kleinen Vorgeschmack inklusive Urlaubsfeeling bekommt ihr jetzt schonmal serviert.

 

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