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Dschungel-Camp: Stars erschaffen, um sie zu vernichten

Für seine Reality-Shows macht RTL Menschen zu Stars, um sie dann durch den Dreck zu ziehen. Über die Selbstbefruchtung des Show-Business.

Der Medienbetrieb ist ein in sich annähernd geschlossener Kosmos. Man liest, sieht und hört einander. Das wirkt sich auf die Berichterstattung und Kommentierung aktueller Ereignisse aus und erzeugt einen Konsens an Berichtenswertem. Nur annähernd in sich geschlossen ist der Medienkosmos, weil er davon abhängig ist, dass außerhalb seiner Grenzen etwas passiert. Ereignisse starten den Kreislauf der gegenseitigen Beobachtung, Orientierung und Abgrenzung. Umgangen werden kann das nur schwer. Schließlich lassen sich Meinungsführer auf dem Medienmarkt nicht verhindern.

Noch krasser sieht die Situation im Unterhaltungsfernsehen aus. Präziser: Im allabendlichen Reality-TV. Diesem ist es gelungen, zu einem Perpetuum mobile zu werden. Einer sich ewig selbst befeuernden Maschine. Sie besteht aus zwei Sendungsarten: Die eine castet Kandidaten, die andere verwertet sie weiter. Das beste Beispiel dafür sind die TV-Ereignisse des noch jungen Jahres auf nur einem Sender: RTL. Dort laufen derzeit drei große Reality-Shows: DSDS, der Bachelor und das Dschungel-Camp. Im Frühjahr kommt die neue Staffel von Let’s Dance hinzu. Die ersten beiden Formate sind auf’s Casten, die anderen beiden auf’s Recyclen der Gecasteten spezialisiert.

 

Das war nicht immer so

 

Das war nicht immer so. In den Fernseh-Dschungel zog in der ersten Staffel mit Daniel Küblböck nur ein Casting-Gesicht. Bei der zweiten war kein Teilnehmer durch eine Casting-Show berühmt geworden. Ross Anthony, durch Popstars bekannt, gewann die dritte Staffel. Außer ihm war damals jedoch nur Lisa Bund (DSDS) zuvor gecastet worden. An Staffel vier nahm ein Casting-Sternchen teil (Lorielle London/DSDS), danach waren es zwei (Indira Weis/Popstars und Sarah Knappik/GNTM). Ab Staffel sechs setzte dann ein Wandel ein: 2012 zogen fünf Casting-Kandidaten ins Camp ein. In den beiden darauffolgenden Jahren waren es jeweils vier – beide Male gewann einer von ihnen (Joey Heindle/DSDS und Melanie Müller/Bachelor). Auch dieses Jahr sind auch wieder Kandidatin aus dem Casting-Genre dabei: Nathalie Volk (GNTM) und Menderes Bağcı (DSDS). Hinzu kommen Reality-Kandidaten wie David Ortega, Jürgen Milski (beide Big Brother) sowie Sophia Wollersheim (Die Wollersheims, u.a.).

Nicht viel anders ist das in den ganzen anderen Verwertungsformaten. Einige von ihnen existieren nur aufgrund der luxuriösen Kandidaten-Situation. Nicht zufällig hoppen viele Sternchen von einem zum anderen Format: Ex-Bachelor Paul Janke war beispielsweise beim Perfekten Promi Dinner, bei Let’s Dance, Promi Big Brother, Promi Shopping Queen und der Bachelorette zu sehen.

 

Das Prinzip lautet Gewöhnung und Freiwilligkeit

 

Man gewöhnt sich an diese Leute, weil sie einem regelmäßig präsentiert werden, weil man nur auf ARTE um sie herumkommt. Das Motto lautet: Wer einmal für Quote gesorgt hat, kann das auch andernorts. Durch die alljährlich aufkreuzenden Casting-Schlachtschiffe wächst der Pool solcher Kandidaten für die Zweitverwertungsmaschine stetig. Diese kann man mit ein paar Ex-Moderatoren, Schauspielern oder Töchtern von irgendwem auflockern. Die Casting-Gesichter tragen das deutsche Reality-Unterhaltungsfernsehen aber mittlerweile allein. Die Bedeutung solcher Personen wächst. Sie sichern unfreiwillig Arbeits- und Sendeplätze. Sie sind Gold wert, weil man sie so schön durch den Dreck ziehen kann.

So wird das, was wir zu sehen bekommen, zu einer Penrose-Treppe, die immer wieder dort herauskommt, wo sie angefangen hat. Die Fernsehunterhaltung dreht sich im Kreis, ohne das kleinste bisschen Energie zu verbrauchen. Ihre Protagonisten erzeugen und verheizen sich schließlich vollkommen von allein.

 

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Bildquelle: Vaibhav Ahuja unter CC BY-SA 2.0 Facebook-Bild: Dschungelcamp 2016/ Youtube

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