Künstler tätowiert Menschen durch ein Loch in der Wand, ohne sie je gesehen zu haben

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Viele überlegen sich monate- gar jahrelang, welches Bild sie sich unter die Haut stechen lassen wollen. Hält schließlich für immer, da ist ein bisschen Bedenkzeit begründet. Diese mutigen New Yorker sind da wohl anderer Meinung. Das Prinzip der Installation Whole Glory ist so einfach wie genial: „At the center of the installation is a hole. On the other side of that hole is Scott Campbell. He will tattoo (for free) any arm that comes through“. Die New Yorker ließen sich, getrennt durch eine Wand und ohne das Motiv zu kennen, vom Tattoo-Künstler Scott Campbell ein Unterarmtattoo stechen. Ohne jegliche zwischenmenschliche Kommunikation, ohne einen Hauch an Mitspracherecht. Immerhin gratis, wohl gemerkt!

 

„Dem Künstler sind keine Grenzen gesetzt“, dieser Spruch trifft wohl bei Tätowierern nicht wirklich zu. Die Kunden kommen mit fertigen Motiven in den Laden, monatelange, kopfzerbrechende Überlegungen gehen dem voraus. Campbell ist dies, wie er gegenüber der New York Times erklärt, ein Dorn im Auge: „As a tattoo artist, you never have absolute freedom in what you create. Your canvas always has an opinion on what is going on them, which is great because sometimes you get inspired by the person, and the piece becomes a reaction to them. But it can also be a hindrance, because with any medium, it’s always purer if you are unaware of the audience“.

 

Tattoos sind gesellschaftsfähig

 

Das ultimative Vertrauen der 25 glücklichen Gewinner einer Auslosung ist nicht unbegründet. Der 38-jährige Künstler hat in der Vergangenheit schon Stars wie Sting, Marc Jacobs oder Orlando Bloom tätowiert. Der Hype ist aber nicht nur bei Promis, sondern auch bei uns, mitten in der Gesellschaft angekommen. Tattoos sind gesellschaftsfähig, das Schmuddelimage lange schon Geschichte. Besonders geprägt wird der beliebte Körperkult derzeit von Mini alias Little Tattoos á la Punkt, Punkt, Komma, Strich. Da drängt sich die Frage auf, inwieweit eine solche Verewigung eine persönliche Bedeutung haben sollte? Erfordert es monatelange Überlegungen, oder aber ist der Rahmen, in dem es entstanden ist, nicht schon Bedeutung genug? Für „Tattoo-Jungfrauen“ scheint sich das Projekt jedenfalls wohl eher nicht zu eignen.

Praktikantin: Jenny, 22 Jahre jung und studiere derzeit Communication & Multimedia Design (also eigentlich mache ich irgendwas mit Medien) in Aachen. Da ich nun für mein Praxissemester in München bin, werde ich mich wohl an „Semmel“ und „bayrisches Bía“ -, was viel zu hell ist, gewöhnen müssen. Gell? Meiner Oma muss ich jeden Tag auf’s Neue erklären, dass ich eigentlich noch keine Ahnung habe, was ich mit meinem Studium anfangen soll. Ansonsten tendenziell zu spät, offen, facebook-los, oft sarkastisch - zu häufig falsch verstanden.