AlaskaFreundschaftKünstler-die-wir-liebenNachhaltigkeitTerry RatzlaffThe Tide Goes North

Kampf gegen die Zerstörung von Öko-Sytemen

Die größte Kohlemine Nordamerikas bedroht die Lachsbestände an Alaskas Küste und damit die Existenz der Einwohner dort. Terry Ratzlaff kämpft mit seinen Fotos gegen die industrielle Umweltvermutzung.

Gläser klirren, der Platz wird knapp und die Stimmen lauter: Die Geschichte von Terry Ratzlaff und ZEITjUNG beginnt vor ein paar Wochen in genau so einer lauten, stickigen Bar in München weit nach Mitternacht. Es ist eine Geschichte von Freundschaft, Nachhaltigkeit und einer gesunden Portion Aktivismus. Bei dem einen oder anderen Getränk hat Terry Ratzlaff ZEITjUNG mit seiner Vision und Leidenschaft angesteckt: Der junge Fotograf aus Nordamerika und seine Fotos haben uns mitgerissen und deshalb haben wir uns dann auch mal bei Tageslicht mit Terry über seine Arbeit unterhalten. Seine inspirierende Geschichte wollen wir hier mit euch teilen.

Angefangen hat alles mit Terrys Skateboard – mit der Liebe zum Brett kam auch die Leidenschaft für das Fotografieren: Seine ersten Bilder zeigen hauptsächlich graue Straßen, weißen Schnee und die amerikanische “Skate Culture”. Seine Reise als Künstler ging aber weiter: vom Asphalt nach Alaska. Dort ist sein aktuelles Projekt “The Tide goes North“ entstanden. Genau wie die Zusammenarbeit mit ZEITjUNG geht alles mit einer Freundschaft los: Vor zwei Jahren lernt Terry einen Typen kennen, der in Alaska Lachse fischt – genau wie dessen Vater, Großvater und die Generationen davor. Die beiden werden Freunde und durch ihn erfährt er von der geplanten “Pebble Mine” in Nushagak Bay, einem Ort in der Bristol Bay Region Alaskas.

 

Riesige Kohlemine statt einem intakten Ökosystem

 

Die “Pebble Mine” ist natürlich nicht irgendeine Kohlemine – es geht um die größte Mine Nordamerikas: Über 52 Quadratkilometer soll sie groß werden, um die 7000 Fußballfelder also. Neben der unglaublich riesigen Fläche, die die Mine einnehmen würde, kommt hinzu, dass hierfür der weltweit größte Erddamm gebaut werden müsste. Mit einer Höhe von über 200 Metern ist das eine ganz schöne Ansage in der weitgehend unberührten Natur Nushagak Bays.

Die Region gehört, wie uns der weit gereiste Terry erzählt, zu einer der beeindruckendsten Landschaften, die er je gesehen hat. Wir glauben ihm und haken noch weiter nach: Er erzählt uns von seiner Zeit als Aushilfsfischer und “Mädchen für Alles” in dem Fischereibetrieb seines Kumpels. Die weitläufige Landschaft Alaskas bietet nämlich mehr als nur eine fantastische Aussicht und romantische Sonnenuntergänge, die wir auf Terrys Bildern bewundern können: Nushagak Bay ist außerdem der Ursprung von über der Hälfte der weltweiten Lachspopulation. Seit über 4000 Jahren haben die “Yup’ik People”, die Bewohner der Region, so ihre Kultur am Leben gehalten. Tatsächlich, so Terry, ist Lachs die soziale, ökonomische und spirituelle Grundlage der Bewohner.

 

“Working on a project like Nushagak Point really changed my life.”

 

Der Bau der “Pepple Mine” würde einen tiefen Einschnitt in das Leben der “Yup’ik people” bedeuten. Ihre Grundlage würde geraubt werden und als Ersatz verspricht die kanadische Firma “Pebble” lediglich Jobs in der Mine. “Nein, danke!“ – Das ist der Gedanke der Einheimischen. Terry berichtet, dass es für ihn als Fotograf ganz natürlich war, die bewegende Geschichte der “Yup’ik People” festzuhalten, deren gesamte Existenz bedroht ist: “Salmon is their way of life, it’s what they’ve been practicing for 4,000 years. I feel the Yup’ik people treat and honor the salmon more than anyone in Alaska.”

Dieses Projekt markiert auch einen Wendepunkt in Terrys Karriere als Künstler: Nachhaltigkeit und der Wunsch etwas zu verändern lösen seine Passion für den Skate- und Snowboardsport ab. Terrys Bilder zeigen eindrucksvoll, was Natur für die Menschen in der Region bedeutet: Mehr als ein Lebensraum, mehr als nur ihre Heimat – es ist auch ihre Zukunft. Sie wird durch die “Pebble Mine” bedroht und diese Angst hält Terry in ergreifenden Portraitaufnahmen fest. Auch ihn selbst hat seine Zeit in Alaska verändert: „I felt a connection between myself and the land that I hadn’t really felt before and I don’t think my work will ever be the same.“ Es sind Sätze, wie diese die uns an seiner Passion für das Projekt teilhaben lassen.

 

Stichwort: Nachhaltigkeit

 

Lernen können wir von Terry und vor allem von den “Yup’ik People” so einiges: „The most important life lesson I’ve learned while working in Alaska is to trust in the environment and treat it with the upmost respect and in return it will provide.“ erzählt Terry mir. Respekt vor der Natur ist eine Sache, die wir uns alle zu Herzen nehmen sollten: Der mögliche Bau der “Pebble Mine” steht repräsentativ für die vielen Projekte, die gesamte Ökosysteme zerstören und dabei von uns in Kauf genommen werden, denn auf kurzfristige Sicht steht in unserer Gesellschaft leider oft nur eines im Vordergrund: Geld.

Es sind Menschen wie Terry, die uns zum Nachdenken bringen und uns, obwohl wir oft nicht unmittelbar davon betroffen sind, das große Ganze ins Gedächtnis rufen. Umweltschutz geht uns alle was an – sei es vor der eigenen Haustür oder Tausende von Kilometern entfernt im verwegenen Alaska. Die Energie und die Leidenschaft, die Terry Ratzlaff in sein Projekt steckt, ist jedem seiner Bilder anzusehen. Für ZEITjUNG hat er teilweise unveröffentlichte Fotos bereitgestellt.

Kommentare

Sag was dazu

Das könnte Dich auch interessieren