Tim Bendzko: Kein Problem, wenn die Welt untergeht

Tim Bendzko vor einer bunten Wand

Vor zehn Jahren ist Tim Bendzko mit der Single und dem Versprechen, nur noch kurz die Welt zu retten, bekannt geworden. Auf die fragenden Tweets in der Pandemie, ob Tim wohl immer noch an den 148.713 E-Mails sitze oder langsam mal mit dem Weltretten beginnen könne, antwortet er humorvoll: „Hab’s probiert, aber ja…hat eher nicht funktioniert“. Dafür ist er mit neuer Musik zurück – und die hört sich fast an wie eine Antwort auf seinen ersten großen Hit. „Kein Problem, wenn die Welt untergeht“ singt der Sänger in dem Vorboten für sein bereits fünftes Album. Wir haben Tim zu einem virtuellen Interview über neue Musik, den Umgang mit Problemen, Situationen, in denen man einfach verschwinden will und coole Videoideen getroffen.

ZEITjUNG: Du bist mit deinem neuen Song „Kein Problem“ zurück. Darin beschreibst du das Genervtsein von der Oberflächlichkeit unserer Gesellschaft. Was ist die Entstehungsgeschichte des Songs?

Tim Bendzko: Ursprünglich sollte ich einen Song für ein Buchprojekt schreiben, mit dem groben Thema: Vielleicht ist die Welt, wie man sie sich vorstellt, doch besser als die eigentliche Welt. Dabei entstand die Zeile: „Kann jemand mal mein Glas halten, während ich aus dem Fenster spring“ im Sinne einer übertriebenen Formulierung für „ich muss unbedingt hier weg“. Ich habe dann darüber nachgedacht, in welcher Situation es mir so gehen würde. Und das wäre wirklich eine klassische Kennenlernen-Veranstaltung, bei der es ums Sehen und Gesehen werden geht, nur Small Talk gehalten wird und jeder versucht, sich ein bisschen besser darzustellen, als er ist. 

Am Ende ist es eine Kritik an dieser absurden Oberflächlichkeit geworden und eigentlich ein Aufruf dazu, dass es kein Problem ist, wenn man es nicht immer jedem recht macht. Aber klar, es ist natürlich einfach zu sagen: „Ich verschwinde jetzt einfach.“ Oft sind es eben Situationen, meistens berufliche, in denen man sich doch irgendwie anpassen und Kompromisse eingehen muss. Das ist der Zwiespalt, in dem sich der Protagonist im Song befindet, und er beschließt einfach: „Kein Problem, ich hau ab.“