Interview mit Sprach-Dozentin: „Neugier ist eine gute Motivation“

Frau sitzt im Klassenzimmer

Als junge Germanistik-Studentin ist sie von Peking nach Deutschland gekommen. Heute unterrichtet Jin Ye-Gerke Chinesisch am Institut für Sinologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). Zusammen mit Kolleg*innen hat sie für das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus den Lehrplan für Chinesisch an bayerischen Gymnasien zusammengestellt. Aber auch außerhalb der Universitäten hat sie Personen jeden Alters die Chinesische Sprache und Kultur vermittelt, etwa Gymnasiasten, nach China gesandten Diplomaten und diversen Fachkräften. Außerdem ist sie Koautorin des Lehrbuches „Lóng Aussprachetraining“.

ZEITjUNG: Die Entscheidung, eine neue Sprache zu lernen, fällt oft spontan. So verlieben wir uns etwa einmal in den Klang und unser Interesse ist sofort geweckt. Was sind typische Anfängerfehler, die man dann beim Lernen macht?

Jin Ye-Gerke: Ich würde nicht unbedingt von „Fehlern“ sprechen. Die Neugier ist oft eine gute Motivation für unsere Taten. Zugegeben ist Chinesisch eine Sprache, für die sich jüngere Menschen auf Anhieb nicht interessieren würden. Das Land ist weit weg und es bestehen kaum Bezugspunkte. Das Interesse der meisten meiner Studenten besteht aufgrund von Kontakt zu dem Land – z. B. durch Präsenz im eigenen Lebensbereich wie z. B. Schüleraustausch, Schulpartnerschaft, oder weil ein Elternteil aus China kommt oder die Eltern mal dort waren. Durch wachsende Einflüsse Chinas in den vergangenen Jahrzehnten haben immer mehr Menschen das Land für sich entdeckt, so dass wir eine Zunahme von Studierenden vernehmen konnten. Andererseits strahlen viele Sprachen wie das Chinesisch oft einen besonderen Reiz aus: Sie klingen exotisch und die Schrift ist ganz anders als man es vom Deutschen, Englischen oder Französischen kennt. Die Suche nach einer Herausforderung kann auch ein Faktor sein, der bei der Wahl mitspielt. Nach der anfänglichen Euphorie stoßen viele dann aber irgendwann auf die ersten größeren Schwierigkeiten, zum Beispiel bei der Aneignung der korrekten Aussprache.

Großer Anime-Fan und leidenschaftlicher Gamer mit einem Faible fürs Schreiben und das Lernen von Sprachen - gerne auch mal ausgefallenere wie Elbisch oder im Moment Mandarin. Zudem ein überzeugter Hemdenträger, exzessiver Nutzer der Farbe Schwarz (Dark Mode ist PFLICHT) und Katzenliebhaber.