Tourismus gegen Terrorismus

Verreisen trotz Terror

Die Tourismusbranche hat es zurzeit sehr schwer, denn ihre vermeintlichen Traumziele wirken seit den Berichterstattungen der letzten Monate eher semi-attraktiv. Anstatt an Sonne, Strand und Champagner in Südfrankreich denkt der Zeitungsleser heute an Terror in Nizza. Statt architektonische Schönheit Geiselnahmen in katholischen Kirchen, statt entspannende Bahnfahrten an Äxte in Zügen und statt Shopping an Amokläufe in Einkaufszentren.

 

Terror gab es schon immer

 

Jahrelang lebten wir im Luxus – wir wussten dass Terror existiert, aber eben nicht bei uns, hier in der EU und wenn doch, dann ganz bestimmt nicht in der unmittelbaren Umgebung. Betroffen sind immer nur die anderen. Wir fühlten uns sicher und fieberten wochenlang auf den langersehnten wohlverdienten Urlaub hin – ganz egal, ob Backpacking in Asien, Kulturreise oder All-Inclusive Strandurlaub: Es sollte eine unbeschwerte Auszeit unseres stressigen Alltags sein. Der Terror raubt uns nun diese vermeintliche Unbeschwertheit – oder?

Sollen wir noch vereisen? Wenn ja wohin denn bloß und wo ist es überhaupt noch sicher? Das sind Fragen, die viele von uns jetzt, auch wenn wir es nie so weit kommen lassen wollten, mehr beschäftigen als die nach der besten Falafeladresse. Das Auswärtige Amt  meldet eine weltweite Reisewarnung: „Die weltweite Gefahr terroristischer Anschläge und Entführungen besteht fort“. Wenn selbst das Auswärtige Amt keinen Ort mehr für wirklich sicher hält, sollten wir jetzt aber vielleicht erst recht verreisen – wirklich sicher ist man momentan eh nirgendwo!

 

Die Gefahr des Terrors muss realistisch eingeschätzt werden

 

Auch der Traumatherapeut George Pieper rät dazu, sich nicht von dem Unsicherheitsgefühl und der Angst lähmen zu lassen: „Die Gefahr des Terrorismus ist nicht länger zu leugnen, allerdings muss sie auch realistisch eingeschätzt werden“, sagt der Experte.

Die Gefahr, dass einem etwas zustößt, sei es im Urlaub oder im Alltag, existierte schon immer. Man betrachte nur die Zahl an Menschen, die im Jahre 2015 im deutschen Straßenverkehr ums Leben gekommen sind – ganze 3459. Unschwer erkennbar ist, dass die Wahrscheinlichkeit, durch einen Autounfall ums Leben zu kommen, sehr viel höher ist als die, von einer Bombe getroffen zu werden. Trotzdem war diese Angst in unserem Bewusstsein nie allgegenwärtig, die des Terrors nun allerdings schon. Jede neue mediale Meldung eines Amoklaufs, Terroranschlags oder Bilder von Polizisten, die aussehen als würden sie gerade aus einem Action-Film entspringen, lassen unsere Angst regelrecht explodieren.Die Zahl der Attentate hat in den letzten Monaten extrem zu genommen, das ist unumstritten, allerdings existierte Terror schon immer auf der Welt – nur eben nicht bei uns.

 

Jetzt erst recht!

 

Statt uns in unserem vermeintlich sicherem Haus zu verkriechen und den geplanten Urlaub ins Wasser fallen zu lassen, sollten wir den Terroristen zeigen, dass sie uns nicht in der Hand haben. Tourismus schadet dem Terrorismus. Denn Touristen stärken das Land – im Idealfall werden damit nicht nur ausländische Investoren bereichert, sondern auch die Einheimischen des Landes. Tourismus fördert Weltoffenheit und baut Vorurteile ab. So klein unser Anteil ist, es lohnt sich, daran festzuhalten, ist wichtig, dass wir beitragen im Kampf gegen die Angst: Jeder, der von dem Tourismus profitiert, ist theoretisch weniger anfällig für Extremismus. Aus diesem Grund wäre es jetzt genau der falsche Weg, seine Ferien auf Balkonien zu verbringen. Und wirklich sicher sind wir auf unserem heimischen Balkon auch nicht mehr.

Praktikantin: Gerade die Bachelor-Arbeit eingeworfen und schon auf dem Weg ins solide München. Nach 6 ½ Semestern der Soziologie und Politikwissenschaften in Köln, ist es nun an der Zeit den aufregenden Alltag eines Online-Magazins einmal hautnah mitzubekommen. Und was liegt da näher als ein Praktikum beim wunderbaren ZEITjUNG.