Transracial: Geht das?

Mann mit Spiegel im Wasser

Spätestens seit den Black Lives Matter Protesten des vergangenen Jahres sind uns allen Begriffe wie „Colorism“ oder „Kulturelle Aneignung“ bekannt. Viele von uns haben nach den Diskussionen, die im Zuge der Demonstrationen aufkamen, die Bücher von Alice Hasters oder Tupoka Ogette gelesen. Wir folgten Instagram Accounts von BIPoC, lasen Blogs, schauten uns Debatten an und hörten Podcasts. Auch, weil es vielen von uns unangenehm war, dass man selbst so wenig über Alltagsrassismus wusste oder ihn schlimmstenfalls selbst praktizierte. Man gelobte Besserung, nahm sich vor die eigene Ignoranz abzulegen.

Während Covid 19 schwappte dann eine Welle des #Asianhate über die Welt. Auch hier musste Aufklärungsarbeit geleistet werden. Solidarität mit den Opfern von rassistisch motivierten Gewalttaten machte sich breit, die Medien berichteten ausführlich. Doch auch andere Diskurse wollten geführt werden. Die Queere-Community erhielt in den vergangenen Jahren mehr und mehr Zuspruch. Ihre Probleme und Herausforderungen wurden diskutiert und gerade Social Media war ein starker Katalysator für die hier dringend notwendige Aufmerksamkeit.

Heute, im August 2021, sind viele dieser Debatten zu einem leisen Surren in der medialen Öffentlichkeit geworden. Der Pridemonth ist vorbei, George Floyds Mörder sind verurteilt und die Pandemie scheint durch den Impfstoff für’s Erste unter Kontrolle.

Nun stolperte ich in den letzten Wochen über eine Meldung, die mich stutzig machte. Der britische Influencer Oli London outete sich in einem YouTube Video als Transracial. Dementsprechend gilt der Dank für diesen Artikel meinem Social Media Algorithmus, denn ich klickte mich die nächsten 1,5 Stunden durch Videos, Artikel und Posts von Menschen, welche verkündeten fortan als transracial leben zu wollen. Ich war verwirrt.

Geht das?

Bereits einige Jahre zuvor gaben speziell zwei Frauen an, sich als transracial zu identifizieren. Auf der einen Seite war dort Rachel Dolezal, welche nicht nur erfolgreiche Sprecherin der National Association for the Advancement of Colored People (NAACP) war, sondern auch auf offiziellen Dokumenten African-American ankreuzte, bis sie schließlich von ihren Eltern als weiße Frau geoutet wurde. Auf der anderen Seite wurde nach vielen Jahren des Versteckspiels Jessica Krug, eine weiße jüdische Frau aus einem Vorort von Kansas City geoutet, nachdem diese über zehn Jahre hinweg als Gastprofessorin an der George Washington University tätig war und dort angab Nordafrikanerin zu sein.

Dorfkind und Wunschgroßstädterin. Veganerin mit Vollmilchschokoladen-Problem. Indie-Fan mit Schlager-Playlist. Frühaufsteherin mit Nachtschwärmersyndrom. Pragmatikerin mit dem Kopf in den Wolken. Unterm Strich: Genauso verloren in meinem Lebensentwurf, wie es meiner Generation immer nachgesagt wird.