Transracial: Rachel Dolezal gibt sich als Schwarze aus

Rachel Dolezal Interview

Es ist eine Geschichte, die man nur schwer glauben kann. Es ist eine Geschichte, die vor ungefähr einer Woche erneut die Beziehung zwischen weißen und schwarzen Amerikanern auf die Probe stellt, eine Beziehung, die in Anbetracht der letzten polizeilichen Übergriffe von weißen Polizisten an schwarze Personen, nicht gerade entspannt ist.

Rachel Dolezal, eine 37 jährige Amerikanerin aus Montana, ist Vorstand der NAACP (National Association for the Advancement of Colored People) in der im Nordwesten der USA gelegenen Stadt Spokane, Lehrbeauftragte für „Africana Studies“ an der Eastern Washington University und vor allem eine schwarze amerikanische Frau. Das klingt alles noch nicht äußerlich spannend. Doch keiner hat damit gerechnet, dass sie keine schwarze Frau ist und sich ihre Geschichte mit einem großen Netz aus Lügen gesponnen hat.

 

Kann man mit einer „falschen“ Hautfarbe geboren werden?

 

Nachdem diverse US-Medien die Glaubwürdigkeit Dolezals Aussagen über ihre Kindheit anzweifelten, recherchierten lokale Journalisten und ihre Fassade begann zu bröckeln. Der Hauch, der diesen Berg aus Lügen jedoch zum Einsturz brachte, war niemand Geringeres als Rachels eigene Eltern, die anhand einer verifizierten Geburtsurkunde und diversen Fotos aus ihrer Kindheit ihre Herkunft bestätigten. Ihr Vater ist kein afroamerikanischer Mann, sondern beide Eltern sind kaukasisch. Dolezal hat sogar deutsche Wurzeln.

Die Geschichte um ihre Kindheit scheint frei erfunden. Ihr schwarzer Sohn ist in Wirklichkeit nicht ihr leiblicher Sohn, sondern einer ihrer Adoptivbrüder. Doch wieso die Herkunft und Hautfarbe wechseln? Manche Leute vermuten nun, Rachel änderte ihre Herkunft aus Hass zu ihren Eltern und der Verbundenheit zu ihren afroamerikanischen Freunden, mit denen sie überwiegend aufwuchs. Andere unterstellen Dolezal, sich mit diesem Wandel Vorteile verschafft zu haben. Schließlich habe sie diesen Wandel erst später vollzogen und als Vorstand der NAACP davon profitiert. Selbst ihr Adoptivbruder Ezra Dolezal unterstellt seiner Schwester, den Kampf, als schwarzer Jugendlicher aufzuwachsen, nicht zu kennen.

 

 

Schnell bemerkt man, dass dieses hitzige Thema weit über den Fall Dolezals hinausgeht und eine neue Debatte entfacht, die diesen Fall mit dem von Transgender Frau Caitlyn Jenner vergleicht. Man stellt sich nämlich nun die Frage, ob es tatsächlich auch Leute gibt, die ihre „Rasse“ bzw. ihre Herkunft und deren kulturelle Bausteine, ändern können. Rasse ist in diesem Fall kein wissenschaftlicher, biologischer Begriff, sondern bezieht sich auf soziale und kulturelle Eigenschaften als auch die Herkunft. In Anbetracht dieses Punkts ist Hautfarbe nun also kein belegbarer Fakt mehr, sondern ein soziales Konstrukt.

 

Hautfarbe als soziales Konstrukt

 

Der Wechsel einer vermeintlichen „Rasse“ ist außerdem nichts Ungewöhnliches. Dazu betrachtet man den Begriff „Racial Passing“ genauer, der beschreibt, dass sich bereits viele afroamerikanische Personen mit tendenziell hellerer Hautfarbe einem weißen Leben verschrieben haben und sich völlig von ihren ursprünglichen kulturellen Wurzeln lösten. Die große Aufregung dieses Falls besteht wahrscheinlich darin, dass ein „Passing“ von weiß zu schwarz sehr ungewöhnlich ist und Dolezal nicht offen und ehrlich mit dieser Sache umging, sondern den Leuten öffentlich ins Gesicht gelogen hat. Vielen scheint auch nicht klar zu sein, wieso Dolezal ihre Arbeit als Bürgerrechtlerin, die von vielen Leuten sehr gelobt wurde, nicht als weiße Frau ausführen konnte. Diese Geschichte zog natürlich eine virale Explosion unter dem Hashtag #transracial mit sich und war eins der Top-Themen der amerikanischen Fernseh- und Talkshows. Hier haben wir euch einige Impressionen zusammengefasst.

 

Autor: Hi Ho! Ich bin der Fridl und ich mache es kurz: Ich liebe Musik, Videospiele, Filme, Serien, Mode, Prokrastination und Katzen. Hauptsächlich bin ich damit beschäftigt, Schlagzeuger der Münchner Band Claire zu sein und versuche jetzt nebenbei, euch mit meinen schriftlichen Gehirnergüssen zu unterhalten.