Überfall auf Jennifer Weist löst fremdenfeindliche Debatte aus

Jennifer Rostock Überfall

Jennifer Weist, die Sängerin der Band Jennifer Rostock, postet ein Bild der brutalen Schnittwunde ihres Begleiters, der auf dem RAW-Gelände in Berlin Friedrichshain überfallen wurde. Die beiden sind auf dem Heimweg, als Jennifer Weists Brieftasche beinahe geklaut wird. Ihr Begleiter versucht die Diebe abzuwehren. Daraufhin erscheinen „drei weitere Typen“ und der Kumpel von Jennifer Weist wird mit einem Messerstich schwer am Hals verletzt: „Einer von ihnen zog ein Messer und verletzte meine Begleitung schwer am Hals. Alle Arterien waren schon freigelegt. Es fehlten nur ein paar Millimeter und er wäre direkt auf der Straße in meinen Armen gestorben“, schreibt Weist in ihrem Post.

Ein dramatischer Überfall, der bei vielen Angst schürt. Die Meldungen zu einer Bande, die ihr Unwesen auf dem Kreativgelände an der Spree treibt, gehen rum. Verständlich, dass einige (Berliner) aufgebracht sind über den Vorfall, der nun auf prominenter Ebene verbreitet wird. Nicht verständlich ist, wie in kürzester Zeit aus dem Überfall eine Plattform für Fremdenhass und die Flüchtlingsproblematik werden konnte.

In den Kommentaren auf Facebook sammeln sich Nachrichten wie „Ich sag nur Zuwanderung ich hoffe ihr wacht endlich mal auf“, „Das ist bald Deutschlandweit Realität. Gewöhnt euch dran!!“, oder sogar „Dieses scheiß Deutschland wird immer krimineller […] Hauptsache Millionen Asylanten rein holen die unsere Frauen halb tot schlagen und vergewaltigen!“. Dabei war in dem Post von Jennifer Weist nie die Rede von irgendeiner Nationalität oder Herkunft der Täter. Sie spricht schlicht von „zwei kleinen Jungs“ und „noch drei andere Typen“ und ruft zur Vorsicht auf dem Gelände auf: „Seid vorsichtig auf dem RAW Gelände, geht dort am besten, wenn es dunkel ist, nicht alleine lang. Diese Leute sind wahnsinnig gefährlich.“

 

Die Reaktion von Jennifer Weist auf die Fremdenfeindlichkeit

 

Die Sängerin äußert sich dazu, als klar wird, welche Entwicklung die Debatte annimmt, in einem Kommentar:

 

Jennifer Weist Überfall

 

ich versteh einfach nicht was hier los ist?! eure ganzen beschissenen rassistischen kackkommentare könnt ihr euch echt schenken! ihr wisst alle ganz genau dass ihr da auf meinem profil an der falschen adresse seid! es geht hier um die aufklärung eines verbrechens. ich möchte leute vor dieser „bande“ warnen und dazu anhalten dort in der gegend vorsichtig zu sein. kein grund hier wieder nur über die „scheiß ausländer“ zu wettern. mein freund mit der schnittverletzung ist selber auch einer!!!“

Es spricht schon sehr für unsere Zeit, wenn aus einer Warnung und einem Aufruf zur Vorsicht in Folge eines Überfalls, willkürliche Schuldzuweisungen und fremdenfeindliche Hetzkommentare werden. Man könnte es ignorieren. Man könnte es abwinken und sagen: „Das sind ja nur ein paar Vollidioten, die ihrem Ärger Luft machen.“ Leider finden diese polemischen Äußerungen in einem öffentlichen Raum statt und treffen, auch wenn nur von wenigen, auf Zuspruch. Vielleicht sollten wir auch davor Angst haben.

 

Hier könnt ihr den vollständigen Post von Jennifer Weist nachlesen:

 

ich war am samstag mit freunden im astra in friedrichshain. als ich mit einem freund nach hause gehen wollte, versuchten…

Posted by Jennifer Weist on Montag, 17. August 2015

 

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ich war am samstag mit freunden im astra in friedrichshain. als ich mit einem freund nach hause gehen wollte, versuchten zwei kleine jungs meine brieftasche aus meiner gürteltasche zu klauen. ich bemerkte es vorher, meine begleitung schubste ihn weg und in dieser bewegung riss einer der beiden meiner begleitung seine kette vom hals. als dieser sie wieder holen wollte, kamen noch drei andere typen von der anderen straßenseite und alles ging ziemlich schnell. ich hab nach hilfe gerufen, zwei typen versuchten uns noch zu helfen, aber es war zu spät. einer von ihnen zog ein messer und verletzte meine begleitung schwer am hals. alle arterien waren schon freigelegt. es fehlten nur ein paar millimeter und er wäre direkt auf der straße in meinen armen gestorben. mir ist gott sei dank nichts passiert. meine begleitung war weder aggressiv, noch hatte er vor einen von ihnen zu schlagen. an diesem abend habe ich mit der polizei alle möglichen gassen abgesucht um die täter zu finden und dabei viele andere menschengruppen gefunden, denen auch sachen geklaut worden oder die verletzt worden sind. DESWEGEN AN ALLE BERLINER UND URLAUBER BERLINS: auf der revaler/warschauer straße ist eine große bande unterwegs. seid vorsichtig auf dem RAW gelände, geht dort am besten wenn es dunkel ist nicht alleine lang. diese leute sind wahnsinnig gefährlich und schrecken nicht davor zurück für eine beschissene kette zu töten!!! ich bin fassungslos und muss dieses ereignis erstmal verarbeiten. gerne teilen! diese wichser müssen gefasst werden!

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Bildquelle: Abhijay Achats über CC by 2.0

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