Verlobt, verheiratet, verkauft

mädchen schwarz weiß

Laila war 15 gewesen als sie verheiratet wurde. Ihre Eltern bekamen 6000$ im Austausch gegen ihre Tochter, und einen Monat später befand sie sich mit einer gefälschten Geburtsurkunde und einem Alter von 18 statt 15 in Auckland. Die Geldsumme, die ihre Eltern erhielten, sollte sie mit einem Leben in Sklaverei zurückzahlen. Noch in der Hochzeitsnacht begannen die verbalen Missbräuche, Schläge und Vergewaltigungen. Erst nach 10 Jahren konnte sie sich den Mut fassen zu fliehen, und fand Schutz bei Shakti, einer Gruppe, die sich darauf spezialisiert hat, Frauen verschiedener ethnischer Gruppen zu unterstützen.

 

Alles legal

 

Und bis jetzt war nichts davon strafbar gewesen. Bis jetzt erlauben mehr als 100 Länder es, Kindern zu heiraten. Erst am 8. August 2018 ist in Neuseeland ein Gesetz verabschiedet worden, das Minderjährige davor schützt, zwangsverheiratet zu werden, und stellt einen wichtigen Fortschritt in Sachen Frauenrechte dar.
An sich ist es in Neuseeland nicht illegal gewesen, für Minderjährige zu heiraten, das Mindestalter lag bei 16 Jahren. Menschenrechtsorganisationen gehen aber von einer Vielzahl aus, die von ihren Eltern gezwungen werden. Es ist einer von vielen Wegen, für kurze Zeit der Armut zu entkommen, und eine Tochter scheint dabei ein verschmerzbares Opfer zu sein. Dass jemand den Mut oder überhaupt die Möglichkeit hat, dieser Hölle zu entkommen, ist noch lange kein Normalfall. In weiten Teilen der Welt ist es noch üblich, Mädchen an teilweise viel ältere Männer zu verkaufen. Im Niger beispielsweise gibt es eine eigenständige Art der Praxis namens „Wahaya“, bei der Mädchen und Frauen der „Sklavenkaste“ inoffiziell als Ehefrauen verkauft werden. Dort ist es Männern erlaubt, bis zu 4 Ehefrauen zu haben, „Wahaya“ ermöglicht ihnen damit eine sogenannte „fünfte Ehefrau“. Und da diese Frauen nicht offiziell als Ehefrauen registriert sind, stehen ihnen weder Recht noch Schutz einer „legalen“ Ehefrau zu.

 

Fälle sind überall zu finden

 

Weltweit geht das International Research Center for Women im Jahr von mehr als 15 Millionen Kindern aus, die auf täglicher Basis zur Ehe gezwungen werden. Und die Flüchtlingskrise verschlimmerte diesen Zustand nur weiter, die Zahl der Zwangsehen vervielfachte sich. Oftmals werden Kinder in Flüchtlingsunterkünften zwangsverheiratet und an ältere, reiche Männer geschickt, um den Familien den Lebensgrundlage zu sichern. Zwangsehen sind in so gut wie jeder Region und Religion der Welt zu finden. Laut der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes gibt es Fälle sowohl aus islamischen Teilen der Welt als auch aus dem hinduistischen Sri Lanka und dem vorwiegend orthodox christlichen Griechenland. Dazu kommen Fälle aus Jordanien, dem Kongo, Albanien, China, Bangladesh, Indien, Italien, dem Kosovo, Marokko, Nigeria, der Türkei und Vietnam. Was sie jedoch alle gemeinsam haben, ist die gezielte Benachteiligung und Diskriminierung von Mädchen und Frauen, vor allem aber eine ausweglose Armut.

 

Überall, nur nicht hier?

 

Wer sich jetzt denkt, dass solche Missstände nur in Dritte-Welt-Ländern herrschen, nicht aber vor der eigenen Haustür, irrt sich gewaltig. In Großbritannien wurden den Behörden von 2014 bis 2016 mehr als 3500 Fälle gemeldet, was aber laut der Iranian and Kurdish Women’s Rights Organisation trotzdem nur die Spitze des Eisbergs darstellt. Tausende leben in dieser Art der modernen Sklaverei, und erst 2014 wurden Zwangsehen in Großbritannien durch den “Anti-social Behaviour, Crime and Policing Act 2014” für illegal erklärt. Und auch Deutschland hat erst vor nicht allzu langer Zeit einen Gesetzesentwurf verfasst, der Minderjährige vor Zwangsehen schützen soll. Im Jahr 2011 ist die Zwangsheirat als eigenständiger Straftatbestand anerkannt worden, das Gesetz dazu war jedoch so lückenhaft und voller Grauzonen, sodass am 22. Juli 2017 ein erneuertes Gesetz mit klareren Linien verabschiedet wurde. Es besagt unter anderem, dass Ehen, die noch vor dem 16. Lebensjahr beschlossen worden sind, automatisch unwirksam sind, und Heiraten ausnahmslos erst ab 18 möglich ist.

Lailas Geschichte ist definitiv außergewöhnlich. Doch es gibt noch unzählige Geschichten anderer Mädchen, die nicht so gut enden.

 

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Titelbild: Unsplash unter CC0 Lizenz