Ein Vorname sagt mehr als 1000 Worte

Hello, my name is

Unser Vorname ist unser persönliches Aushängeschild und wir tragen dieses ein Leben lang mit uns herum. Je nach Name eilt jedoch der schlechte Ruf schon voraus und andere Menschen machen sich bereits ein Bild von dir, ohne dich zu kennen. Wie und vor allem warum denken wir in einer bestimmten Weise über einen Namen? „Kevinismus“ ist nur die Spitze des Eisbergs, dahinter verstecken sich ernsthafte strukturelle Benachteiligungen aufgrund bestimmter Namen.

Wir kommen auf die Welt als unbeschriebenes Blatt, haben Sommersprossen auf der Nase oder einen dunklen Flaum auf dem Kopf. Liebende Eltern schauen hinunter auf ihr Neugeborenes, wiegen es in ihren Armen und der Schweiß der Geburt verdunstet langsam aus dem Fenster heraus. Endorphine durchströmen das Krankenhaus, Kai Uwe ist da. Die Romantik-Bubble zerplatzt in winzige Teile. Der kleine Säugling wird ein steiniges Leben vor sich haben.  

Mit unserem Namen werden wir bei der Einschulung aufgerufen, lassen wir unsere Kaffeebecher beschriften und stellen uns im Urlaub dem charmanten Barmann vor. Unser Name ist von Geburt an das Aushängeschild, unser persönlicher Titel. Doch leider suchen wir ihn uns (meistens) nicht selber aus. Wir können es nur bei unseren eigenen Kindern besser machen. Bis dahin können wir die anständige Charlotte, der alternative Peter oder die dauernd lesende Lisa sein und daran wenig wackeln, außer dein Gegenüber lernt dich länger kennen und verschiebt seine vorgefestigte Meinung zu deinem Titel. Bei manchen Namen fällt es aber schwerer, die festgefahrenen Rollenbilder zu entfesseln. Ein Justin, der im autonomen Zentrum der Stadt losgelöst zu Techno tanzt? Kai Uwe, der zwanzig Jahre nach seiner Geburt als Tango-Lehrer arbeitet? Klingt komisch.  

Als Kölnerin liebe ich jedes bunte, tratschige oder politische Thema. Daneben findet man mich auf der Yogamatte oder in der nächsten Eckkneipe, immer im Gespräch mit anderen Menschen.