Das Wanderlust-Gen: Warum dich das Fernweh so quält

Wanderlust-Reisen-Gen

Wanderlust – was für ein wunderschönes Wort. Schon vor knapp 900 Jahren hatten die Menschen Wikipedia zufolge „den steten inneren Antrieb, sich zu Fuß die Natur und die Welt fern der Heimat zu erschließen.“ Klar, heute sind wir auch mal bereit, den Flieger zu besteigen. Aber im Großen und Ganzen hat sich an dem allgemeinen Drang zu reisen relativ wenig geändert.

Sobald wir das Wort „Reisen“ hören, schießen uns blitzschnell abgedroschene Phrasen, die auch aus jedem Erasmus-Bewerbungsschreiben geklaut werden könnten, in den Kopf: neue Kulturen erleben, Kontakte knüpfen und den Horizont erweitern. Aber genau diese Phrasen machen die geliebte Wanderlust aus. Wenn die Sehnsucht dich also quält und du ständig das Gefühl hast, du musst mal wieder raus aus dem Trott, dann könnte es aber sein, dass du Träger des berühmt-berüchtigten Wanderlust-Gens bist.

 

Nur 20 Prozent tragen das „Wandergen“ in sich

 

Seit kurzem gibt es tatsächlich eine wissenschaftliche Erklärung für das ständige Fernweh. Los ging es vor ungefähr 60.000 Jahren in Afrika, von wo aus sich unsere Vorfahren über die Zeit hinweg auf der ganzen Welt breit gemacht haben. Die Menschen sind die einzige Spezies, die sich in so einer ausufernden Form über den Planeten verteilt hat. Anders gesagt: Wir sind die einzigen, beständig reiselustigen Bewohner dieser Erde.

DRD4-7R – so heißt das schöne Gen, das einige von uns in sich tragen. Umgangssprachlich: das „Wanderlust-Gen“. In direkter Verbindung mit diesem Gen stehen starke Neugierde und Rastlosigkeit. Es gibt also endlich eine Erklärung, wieso du – kaum wieder zuhause – schon wieder auf den altbekannten Reise-Blogs rumhängst und den nächsten größeren Ausflug planst. Sollte das der Fall sein, besteht die Wahrscheinlichkeit, dass du zu den mageren 20 Prozent der Menschheit gehörst, die dieses ziemlich geile Gen in sich tragen – gar nicht mal so viel, wenn man an die ausufernde Reiseindustrie denkt.

 

Menschliche Neugierde als Antrieb

 

Die Frage nach dem Unbekannten, nach dem was wir eben nicht sehen, fühlen und schmecken können, ist eine Sache, die uns schon immer bewegt hat. Es ist die menschliche Neugierde, ohne die wir unmöglich überleben könnten. Wenn wir uns für nichts mehr interessieren, macht das Leben doch wenig Sinn. Wir kennen alle diese Phase, in denen uns die Begeisterung fehlt und wir einfach keine Lust mehr haben. Abhilfe schaffen Impulse, Ideen und – machmal eben auch – Reisen.

Diese Suche nach neuen Ufern hängt auch mit dem DRD4-7R Gen zusammen. Das Gen und unsere Erziehung, so der Psychology Blog Aimee, führen dann dazu, dass wir Lust haben, loszuziehen und Erfahrungen zu sammeln. Im Vergleich zu anderen Spezies hatten wir als Kind nämlich relativ viel Zeit unsere Grenzen auszutesten und Neues auszuprobieren. Diese frühkindliche Freiheit führt im Erwachsenenalter dazu, dass wir immer weiter vordringen wollen in das große Unbekannte, das da draußen noch auf uns wartet.

Ihr merkt: So ein Gen allein bringt uns auch nicht weiter, wenn wir es nicht frei ausleben können. Die Wissenschaft schießt eben auch mal gerne über ihr Ziel hinaus. Und trotzdem ist Reisen auch für einen Großteil von uns, die nicht zu den glücklichen „Wanderlust“-Gen Trägern gehören, das Schönste der Welt. Also auf geht’s, raus in die Welt mit euch – Gen hin oder her!

 

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Brandon Satterwhite über CC BY 2.0