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Warum „keine Ahung“ manchmal das Schlauste ist, was man sagen kann

„kA“ steht für Stärke, Selbstsicherheit und emtionale Intelligenz. Warum wir öfters und voller Selbstbewusstsein sagen sollten, wenn wir „keine Ahnung“ haben.

Seien es die Überlegungen zum bedingungslosen Grundeinkommen, das (vermeintliche) Experten-Duell zwischen Drosten und Kekulé oder Oliver Pochers neu entdeckte Liebe zur Aufklärarbeit – aktuell scheint jeder zu allem eine Meinung haben zu müssen. Es fühlt sich so an, als müsste man zu jeder Zeit top informiert sein. Am besten mit klarem Standpunkt und vorher zurechtgelegten Argumenten, um bei einer unerwarteten Diskussion auf jeden Fall seinen Senf dazu geben zu können. Muss das wirklich sein? Könnten wir stattdessen nicht einfach mal ehrlich sein sagen: „Ich habe absolut keine Ahnung“? Wie konnten das gute alte „kA“ oder „Idk“ überhaupt aus der Mode geraten? Es muss doch auch in diesen Tagen einfach mal drin sein, nichts zu einem Thema zu sagen zu haben.

Zugegeben, wenn man eingesteht, etwas nicht zu wissen, kränkt das das eigene Ego. Aber ist es nicht hundertmal schlimmer, wenn man sich um Kopf und Kragen redet und das Gegenüber am Ende doch merkt, dass man keine Ahnung hat? Man verliert eine Diskussion in dem Moment, in dem der andere mit seinem Wissen und seinen Argumenten überlegen ist. Eine Diskussion, auf die man gar nicht eingegangen ist, weil man weiß, dass man unterlegen ist, kann man dagegen auch nicht verlieren.

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Das heißt nicht, dass man nicht diskutieren soll. Diskussionen zeigen auf beiden Seiten Schwächen auf, bilden weiter und regen zum Nachdenken an. Aber das geht nur, wenn beide Seiten ungefähr denselben Wissensstand haben und nicht verbissen auf der eigenen Meinung beharren. Diskutieren um des Diskutierens Willen, einfach „aus Prinzip“, ist absolut sinnlos. 

„Ich weiß es nicht“ erspart uns und Anderen viel Stress und bewahrt uns vor überstürzten Reaktionen. „Ich weiß es nicht“ soll keine Ausrede sein und ist mit Sicherheit keine Schwäche, eher ein Beweis für Stärke, Rückgrat und Selbstvertrauen. „Ich weiß es nicht“ ist eine Chance, nochmal nachzulesen, nächstes Mal perfekt Bescheid zu wissen und das Gegenüber dann mit spontaner Schlagfertigkeit zu überwältigen. Es ist aber auch die überaus befreiende Chance, genau das nicht zu tun. „Ich weiß es nicht“ ist unverbindlich im besten Sinne. Das I-don’t-know-and-I-don’t-give-a-fuck-either-and-guess-what-that’s-fine-too-Gefühl. Denn: Es ist okay, wenn uns ein Thema einfach mal nicht interessiert und wir uns gar nicht damit auseinandersetzen wollen. Keiner zwingt uns dazu, immer perfekt Bescheid zu wissen. Immerhin sind wir keine Virolog*innen, Politiker*innen oder Wirtschaftsexpert*innen – und schon gar nicht alles gleichzeitig. 

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Bildquellen: Unsplash, CCO-Lizenz

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