Frag Opa Günter: Wie wird man vom Pessimisten zum Optimisten?

Woher wissen wir, dass es Liebe ist? Was ist wichtig für eine lange Freundschaft? Und wie finden wir heraus, was wir wirklich wollen? Das Leben ist voller Fragen. Fragen, die wir unseren Großeltern nur selten stellen. Unsere Autorin spricht mit Senior*innen über das Leben und findet: Wir können viel von ihnen lernen.

Opa Günter (74), wie wird man vom Pessimisten zum Optimisten?

„Vor vielen Jahren noch hätte ich keine Ratschläge geben können, sondern sie eher selbst gebraucht. Ich ging durch eine sehr düstere Phase meines Lebens und kam da fast nicht mehr raus. Ständig habe ich das Schlechte gesehen oder danach gesucht. Ich war durch und durch Pessimist. Mit der Zeit habe ich aber erkannt, dass ich gewisse Ereignisse verarbeiten muss, um wieder nach vorne schauen zu können. Alleine konnte ich das nicht schaffen. Dafür fehlte mir die Kraft. Ich habe mir Hilfe geholt und dabei viele tolle Menschen kennengelernt. Die Gespräche und Unternehmungen mit ihnen haben mir wieder auf die Beine geholfen. Sie haben mir gezeigt, was das Leben alles zu bieten hat. Gesundheit, Freiheit, am Leben sein – das scheint für uns oft selbstverständlich zu sein. Ganz egal, ob jung oder alt, wir alle vergessen doch manchmal, dankbar zu sein. Ich musste das auch erst wieder lernen und meine Einstellung zum Leben ändern. Irgendwann habe ich festgestellt, dass ich mir mit meinen negativen Gedanken selbst schade. Das ständige Erzählen und Aufzählen der eigenen Probleme, kann oft viel trauriger machen als das Problem selbst. Man suhlt sich in seinem Leid und bemerkt das gar nicht mehr. Für mich war ein Gespräch oft wie eine Therapie, zumindest dachte ich das. Ein Gespräch sollte aber doch viel mehr eine Unterhaltung sein, oder? Es darf unterhalten! Ich fand es plötzlich viel spannender, anderen Menschen und ihren Geschichten zuzuhören, anstatt ständig von meinem eigenen Leid zu sprechen. Diese Ablenkung hat mir dabei geholfen, die verlorene Empathie und das Glück wieder zu finden. Natürlich geht das alles nicht von heute auf morgen. Das war und ist ein ganz schön langer Prozess, der Zeit und Geduld braucht. Es geht auch gar nicht darum, immer in allem das Positive zu sehen. Das geht oft gar nicht. Es wird immer mal Stimmungseinbrüche, Trauer und Ratlosigkeit geben. All das darf und soll man ruhig zulassen, denn das ist menschlich. Am Ende kommt es nur darauf an, wie man auf die lange Sicht damit umgeht. Über Probleme sprechen und diese verarbeiten ist wichtig, aber irgendwann muss man sich dort herauswinden, sonst suhlt man sich in seinem eigenen Dreck. Ich denke mir dann oft „Das wird schon wieder!“ Soll ich Euch was verraten? Meistens stimmt’s. So einfach kann es manchmal eben auch sein.“

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Bildquelle: Illustration von Rupert Gruber

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