Warum Männer Männerfreundschaften brauchen

In der Hosentasche vibriert schon wieder das Handy. Die Bahn hatte wie immer Verspätung, dieser Typ auf der Rolltreppe blockiert die linke Seite, obwohl jeder weiß, dass die zum Überholen gedacht ist, und das T-Shirt ist auch schon wieder durchgeschwitzt. Jetzt noch ein flüchtiger Blick auf die Armbanduhr und ZACK: Termin verpasst.

Mit derartigem Stress haben heute die meisten Menschen in Großstädten zu kämpfen. Aber auch fernab von Handys, U-Bahnen und Rolltreppen, nämlich in den Wäldern des Atlas-Gebirges in Marokko, läuft nicht immer alles glatt. Mal ist es der Streit um ein Weibchen, mal der knurrende Magen, mal eine eisige Nacht: Das Leben eines Berberaffen-Männchens kann schon ziemlich strapaziös sein.

 

Entspannen mit den Jungs

 

Wie gut, dass sie mit ihrem Stress nicht allein sind. Denn wie ein Team der Georg-August-Universität Göttingen jetzt herausfand, pflegen männliche Berberaffen neben Partnerschaften zu Weibchen auch enge Männerfreundschaften. Zum Beispiel putzen sich die Freunde gegenseitig oder unterstützen sich in Prügeleien, aber das muss nicht sein. Manchmal genügt es ihnen auch, einfach nur nebeneinander zu hocken – und gar nichts zu tun.

Die Forscher beobachteten, dass Affen mit guten Kumpels in vergleichbaren Stresssituationen gelassener blieben als weniger gut vernetzte Artgenossen – anhand von Verhaltensstudien und der Messung eines Stoffwechselprodukts im Kot der gestressten Affen. Und gaben damit ganz nebenbei jedem Mann das ultimative Argument für einen gediegenen Abend mit den Jungs an die Hand: “Ich mache das für meine Gesundheit!”

 

Von Drink-Buddys und Shirt-Bros

 

Nein, Männer putzen sich nicht gegenseitig. Aber was sie mit den Berberaffen gemeinsam haben, ist erstens die Fähigkeit, Zeit miteinander verbringen zu können, ohne wirklich etwas zu tun. Und zweitens die Tatsache, dass Männer durch enge Freundschaften resistent werden gegen jeglichen Stress von Außen.

Das ist wohl auch der Grund, weshalb sich Männer bisweilen leichter tun als Frauen, neue Freunde zu finden. Tragen zwei Männer auf einer Party das gleiche Outfit, werden sie zu Kumpels. Bestellen zwei Männer in einer Bar das gleiche Getränk, werden sie zu Kumpels. Und warten zwei Männer auf den gleichen verspäteten Zug – na was wohl? -, werden sie zu Kumpels.

 

Guylove between two guys

 

Endlich ist es also bewiesen: Das ganze Männerfreundschaften-Ding ist kein blödes Macho-Gehabe, sondern seriöse Wissenschaft! Der Kot der Berberaffen lügt nicht. Also, Männer, lasst Euch nicht einreden, die Bromance mit eurem besten Freund sei albern oder dumm – ihr braucht das! Umarmt ihn! Gebt ihm einen dicken Schmatzer! Putzt ihn! Und denkt immer daran: “It’s not gay. It’s Guylove between two guys”.

 

Bildquelle: Aaron Talt unter CC BY 2.0

Autor: Mit dem Rechnen tue ich mich schwer. Zahlen liegen mir nicht, das bemerkten meine Eltern, meine Lehrer und ich schon in der Grundschule. Die Hoffnung aller: Vielleicht läuft’s ja mit den Buchstaben besser. Heute, mehr als 20 Jahre später, kann ich sagen: Ja, das tut es. So gut sogar, dass ich nach dem Studium damit begann, meine Miete mit dem Aufschreiben von Geschichten zu verdienen. Zuerst für Tageszeitungen und Magazine in meiner Heimatstadt Aachen, heute bei ZEITjUNG in diesem Internet. Und da alles Digitale bekanntlich aus Einsen und Nullen besteht, hab‘ ich jetzt auch das mit den Zahlen im Griff, irgendwie. Ende gut, alles gut.