Warum wählen Menschen Donald Trump?

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Er fordert, keine Muslime mehr nach Amerika einwandern zu lassen, eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu bauen. Er machte sich über einen Reporter mit Körperbehinderung lustig. Er glaubt ernsthaft, dass der Klimawandel eine Lüge ist und behauptet steif und fest, den Slogan „Make America great again“ selbst erfunden zu haben. (Nein, Donald, du kannst kein Patent darauf anmelden, denn Ronald Reagan hat den Slogan 1980 schon benutzt.)

 

Er finanziert seinen Wahlkampf größtenteils selbst. Der Öffentlichkeit ist er bekannt, aber nicht durch Aktivismus oder Parteiarbeit, sondern durch sein Milliardenvermögen und eigene Reality Show. Herzlichen Glückwunsch. Dieser Mann hat bis jetzt in dreizehn von neunzehn Bundesstaaten die Vorwahlen der Republikaner gewonnen. Das heißt, dass eine Menge Menschen ihm seine Stimme gegeben haben. Wie kommt das? Wie kann jemand, dessen Aussagen selbst einem NPD-Wähler am Dorfkneipen-Stammtisch zu peinlich wären, so viele Leute für sich begeistern?

Trump ist der größtmögliche Gegensatz zu Barack Obama

 

David Axelrod war Wahlkampfberater von Barack Obama und hat eine simple Theorie. Seit 40 Jahren arbeitet er in der Politik. Dabei hat er eine Sache beobachtet: Wenn ein Präsident nach acht Jahren das weiße Haus räumen muss, sehnen sich die Leute nach dem Gegenteil. Ein neuer Kandidat muss her und der soll möglichst nicht so sein, wie der alte. Alles, was die Kontrahenten unterscheidet, interpretieren die Wähler als Stärke des einen und Schwäche des anderen. Ihr Stimme geben sie dem neuen, anderen, aus ihrer Sicht besseren.

Trump schafft es, die weiße Unterschicht zu mobilisieren

 

Die Ingenieurin Emma Lindsey schrieb auf ihrem Blog: „Trump- Unterstützer sind nicht dumm.“ Schwer zu glauben bei Leuten, die ihre Stimme jemandem geben, der seine Tochter daten würde, wären sie nicht Verwandte. Tatsächlich spricht er aber die Identität und Ängste von einer beachtlichen Gruppe Menschen an. Viele Firmen haben in den letzten Jahren Arbeitsplätze ausgelagert. Das verunsichert Leute. Sie fühlen sich austauschbar, als könne ihr Land auch gut auf sie verzichten. Trump verspricht, die Arbeitsplätze wieder ins Land zu holen. Dass er keine Erklärung hat, wie das geschehen soll, interessiert nicht. Die Leute fühlen sich durch ihn aufgewertet. Das zählt. Daraus resultiert auch, dass sie Trumps Rassismus unterstützen. Niemand möchte das letzte Glied der Nahrungskette sein (oder das am wenigsten produktive Mitglied der Gesellschaft).

Trump redet wie ein Drittklässler

 

Während wir uns von deutschen Politikern manchmal statt der „Einleitung von Maßnahmen zur Erzielung positiver Endergebnisse“ ein „Tschacka, wir machen das jetzt und das wird geil, Leute“ wünschen, treibt Trump es auf die Spitze.

Der Soziologe Basil Bernstein würde Trumps Art zu reden vermutlich als restringierten Sprach-Code bezeichnen. Kurze Wörter, einfache Grammatik und viele Wiederholungen sind typisch für ihn.
Eine Analyse seiner Äußerungen hat ergeben, dass Trumps sprachliches Level dem eines Drittklässlers entspricht, schreibt der Journalist Jack Shafer. Die einen schließen von der einfachen Sprache auf einen einfachen Geist. Davor warnt der Autor aber. Denn „Trumpspeak“ findet viel Anklang. Die rassistischen Parolen, die Beleidigungen, die Vereinfachungen und runter gebrochenen Vergleiche unterscheiden ihn von Obama. Außerdem wirken simple Erklärungen mit klaren Feindbildern ohne Fremdwörter sehr beruhigend in einer unüberschaubaren Welt voller Krisenherde.

Trump sagt, was er denkt

 

In diesem Video reagieren Kinder auf Donald Trump. Einige von ihnen sprechen ein offenbar weit verbreitetes Phänomen an. Leute mögen Trump, weil er sagt, was er denkt. Etwas, was außer ihm viele denken, es aber nicht aussprechen. Trump profiliert sich als die Stimme des kleinen Mannes. Politische Korrektheit ist für ihn ein Zeichen der Verweichlichung und des Untergangs. Klarer Fall von „das würd man ja wohl noch sagen dürfen“. Eine verrückte Randerscheinung ist Trump schon lange nicht mehr. Rassismus hin, lächerliche Haare her. Der Mann gewinnt Wahlen und wir sollten uns mit ihm auseinander setzten.

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Bildquelle: Gage Skidmore unter CC by 2.0

Autorin: Ich kann eine Orange filetieren, aber keine gerade Brotscheibe von einem Laib abschneiden. Dementsprechend frage ich mich manchmal, warum ich nicht einfach was Ordentliches gelernt habe. Schreiben macht mir trotzdem Spaß – besonders, wenn ich mich beim Zeitjung-Hassobjekt auskotze oder interessante Interviews führe.