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Rätsel gelöst: Warum wir uns auf Fotos immer hässlich finden

Sehen wir echt so scheiße aus? Der Grund, warum wir uns auf Fotos nicht wieder erkennen. An alle Narzissten und Selbstkritiker.

Das perfekte Tinder-Profilfoto zu schießen, ist eine wahre Herausforderung. Selbst auf 50 vermeintlich gleich aussehenden Bildern, finden wir noch winzige Minidetails, die uns missfallen. Der Fotokult ist allgegenwärtig, wir wollen uns auf Bildern immer von der Schokoladenseite präsentieren und sind dabei erstaunlich selbstkritisch. Am schlimmsten ist es aber, wenn andere Leute Fotos von uns aufnehmen. Am besten auch noch, wenn wir gerade echt keinen Bock darauf haben, weil wir verdammt noch mal ein großes Stück Schnitzel unseren Mund füllt! Da bleibt nur ein erzwungenes Fakelächeln.

Für unser Gegenüber sieht das Foto wie ein normales Bild unserer Freundin oder unseres Freundes aus. Klar, vielleicht nicht unbedingt eines, das die Kameralinse sprengt, aber es bildet die Person wahrheitsgetreu ab. Für uns scheint das Bild wie ein Desaster, auf dem wir uns nicht wieder erkennen. Woher kommt dieser Kontrast? Sind unsere Kameras einfach schlecht, oder sehen wir tatsächlich so (vermeintlich hässlich) aus wie auf den Bildern?

 

Unser Spiegel lügt

 

Nick Stockton von Wired schafft Klarheit. Schlüssel zum Phänomen ist der „mere-exposure„-Effekt, der 1968 vom Psychologen Robert Zanjonc formuliert wurde und besagt, dass wir auf Dinge die wir öfter gesehen haben, eher positiv reagieren. Nach Jahren voller Eitelkeit beim Blick in den Spiegel haben wir uns an unser „wahres“ Ich gewöhnt und es lieben gelernt. Dabei ist dieser Blickwinkel eigentlich ein umgedrehter, es ist sozusagen ein falsches „Spiegel-Ich“. Wir haben nämlich alle zwei Gesichter. Täglich schauen wir durch den Spiegel einer Lüge ins Auge, die wir als Realität wahrnehmen und an die wir uns gewöhnen.

Ein zweiter Faktor ist die Symmetrie. Breaking News: Wir haben kein hundertprozentiges symmetrisches Gesicht! Nur wenige, besonders gesegnete, Menschen kommen der vollständigen Symmetrie nahe. Da diese Asymmetrie durch unsere Kamera nicht gespiegelt wird, erkennen wir uns selbst nicht wieder. Das gilt übrigens nicht für Selfies, die mit einer Frontkamera aufgenommen werden, diese empfinden wir meist als richtig. Da die meisten sich also selbst öfter im Spiegel als auf Bildern sehen, ist es das von uns präferierte Selbstbild. Das ist doch mal eine gute Nachricht, es gibt folglich einen wissenschaftlichen Hintergrund für all die schrecklichen Badspiegelbilder der Welt. Sehen wir also in Wahrheit alle scheiße aus? Nein, wir empfinden nur unser umgedrehtes „Spiegel-Ich“ als schöner. Puh, noch mal Glück gehabt.

 

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Bildquelle: COMΛS by CC 2.0

 

Kommentare

  1. Dreht einmal euer geschossenes Foto vertikal um 180°, sieht meist schon viel besser aus fürs eigene Auge.

    Daniel / Antworten

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