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Uni: Wer braucht schon kritisches Denken?

Eine neue Studie zeigt, was Professoren von ihren Studenten erwarten – und was nicht. Wir sind ein bisschen entsetzt.

Welche Kompetenzen wollen die Profs ihren Studenten wirklich vermitteln? Ist es für einen BWL-Studenten überhaupt notwendig, Sozialkompetenzen für den späteren Beruf zu erlernen, oder sollte man diese Kenntnisse eher den Pädagogen überlassen? Das CHE Centrum für Hochschulentwicklung Professorinnen und Professoren in Deutschland klärt uns auf: Was sollte ein Student der Architektur, Wirtschaftswissenschaften oder Geisteswissenschaften wirklich nach dem Studium beherrschen?

 

Das Mysterium Professor

 

Gerade an den Universitäten, in denen überfüllte Hörsäle  zur Tagesordnung gehören, wirken Professoren eher unnahbar. Über die wirklichen Erwartungen können die meisten Studenten lediglich spekulieren, denn zu einem direkten Gespräch kommt es in den seltensten Fällen. Man lässt sich Woche für Woche vom Monolog des Profs berieseln, aber spannend wäre es irgendwie schon mal zu wissen, was der Professor da wirklich mit seinem hochgestochenem Gelaber bewirken will. Zum Glück gibt es Studien, die Licht in dieses Mysterium Prof bringen.

Ein paar fächerübergreifende Dinge möchten alle Professoren ihren Studis vermitteln, egal ob dem Natur-, Geistes-, Rechs- oder Sozialwissenschaftler: Abstraktes, logisches, analytisches Denkvermögen, Selbstständiges und diszipliniertes Arbeiten gehören dazu. Alle unter uns, die es nicht so mit dem räumlichen Denken haben, haben trotzdem gute Chancen in der Akademikerwelt, denn laut der 9500 befragten Profs sehen nur die Architekten und ein paar Ingenieursstudiengänge diese Kompetenz als dringlich notwendig an – bei den restlichen Fächern habt ihr also noch freie Wahl. Eine gute Argumentationsfähigkeit ist dagegen eher von den Geistes und Sozialwissenschaftlern zu erwarten, für die Profs der Wirtschaft ist diese Kompetenz eher unbedeutend.

 

Gehören Universität und kritisches Denken überhaupt noch zusammen?

 

Jetzt wird es spannend, denn was sollte uns die Uni in jenem Fall beibringen? Klar, kritisches Denken. Egal mit was auch immer man sich im Studium herumschlagen wird, hinterfragen sollte man es allemal. Leider ist diese Kompetenz nur noch für die wenigstens Lehrenden unter uns elementar und für die Wirtschaftswissenschaftler wohl völlig unwichtig. Beunruhigend bei der großen Anzahl an BWL Studenten. Der Sinn des Studierens geht dabei doch irgendwie verloren. Dass es wenig hilfreich ist, lediglich die ausführenden Marionetten des Wirtschaftssystems zu sein, ohne auch nur ein kleines bisschen an dieser Methodik zu zweifeln, sollten uns doch diverse Weltwirtschaftskrisen gelehrt haben. Die Uni muss einen höheren Anspruch haben, als uns nur die für den Arbeitsmarkt notwendigen Kenntnisse zu vermitteln. Höchst bedenklich ist ebenfalls, dass auch Medienwissenschaftler keinen großen Sinn dahinter sehen, ihren Sprösslingen kritische Denkweisen zu vermitteln. Na, dann können wir uns wohl auf die Medien von morgen freuen.

 

Kann die Uni einem die Kompetenz „Teamfähigkeit“ beibringen?

 

Schaut man sich die Anforderungen an den Bewerber einer heutigen Stellenausschreibung an, gibt es eine Kompetenz, die wohl Branchenübergreifend verlangt wird: Teamfähigkeit. Äußerst schwierig, diese Fähigkeit dem angehendem Chef rein übers Bewerbungsschreiben zu vermitteln – erwartet wird es trotzdem. Wenig verwunderlich also, dass der Kompetenz „Teamfähigkeit“ gerade bei den BWL-Studenten große Bedeutung zugesprochen wird. Was der Arbeitsmarkt fordert, muss schließlich umgesetzt werden. Inwiefern Studenten diese Fähigkeit vermittelt werden soll, ist uns allerdings noch ein Rätsel. Fördern nicht immer höher werdende Zugangsbarrieren für Studiengänge wie NC-Werte, Auslandserfahrungen, Sprachzertifikate oder Motivationsschreiben eher die Einzelkämpfer unter uns?

Will man einen Studienplatz an einer der angesehensten Unis bekommen, wird genau eins von einem erwartet: Man muss besser sein als seine Mitstreiter. So eine Pseudo-Gruppenarbeit kann diesen Kerngedanken der Konkurrenz dann auch nicht mehr groß umkippen – das einzige, was letztendlich in jeder Abschlussklausur zählt, ist die eigene Leistung. Teamfähigkeit wird da wenig gefördert.

 

Wozu existiert eigentlich diese Studie?

 

Klar ist es interessant zu erfahren, was die Mehrheit der Professoren von uns Studenten verlangt. Haben wir jetzt den Bachelor in der Tasche und das mit dem Argumentieren klappt trotz Romanistik-Studium nicht ganz so gut, müssen wir nicht gleich verzweifeln. In erster Linie ist diese Studie nämlich für Uni-Neulinge gedacht. Studienleiterin Nina Horstman erklärt den Sinn dieser Studie: „Die Anforderungsprofile können Studienorientierten einen ersten Eindruck vermitteln, was von ihnen im jeweiligen Fach generell erwartet wird, zumal sie aus – im wahrsten Sinne des Wortes – berufenem Munde kommen. Spezielle Anforderungen spezifischer Studiengänge und Hochschulen könnten sie jedoch nicht abbilden.“

Trotzdem sagt diese Studie wohl viel über den derzeitigen Sinn des Studierens aus.

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