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Meine Freundin hat die Pille abgesetzt – und ist ein neuer Mensch

Die Beziehung unseres Autors drohte den Bach runter zu gehen – dann setzte seine Freundin die Pille ab.

Ich blickte mal wieder in ein wütendes Gesicht. Aus irgendeinem Grund war sie sauer. Wir hatten einen schönen Abend gehabt, gekocht, Wein getrunken und nun war sie wütend, weil ich ihr erzählt hatte, dass ich mit meinen Jungs das nächste Wochenende verplant war. So ging das oft. Von einer Mücke ging es rauf auf den Elefanten, und dann wurde sich so richtig gestritten. Stundenlang, mit Schreien und Heulen, alles war dabei. Versteht mich nicht falsch. Ich bin der Meinung, dass man sich in einer Beziehung streiten darf. Durch Reibung entsteht Wärme und erst dann lernen sich Menschen so richtig kennen. Und ja, ich mag selbstbewusste Frauen mit Feuer im Arsch. Aber muss das Feuer wirklich immer auf größter Flamme lodern? Jeden zweiten Tag Streit um die kleinsten Dinge des Alltags und immer mit voll Karacho gegen die Wand, das wurde selbst mir zu viel.

Das war natürlich nicht immer so. Auch meine Beziehung war zu Beginn auf Wolke Sieben. Super Sex, gute Laune und alles hatte diese rosarote Einfärbung, die wir so lieben. Dann kam viel Alltägliches und die erste Prüfung. Wolke Sieben verzog sich, der Sex wurde weniger, die gute Laune auch – doch wir schafften die ersten Hürden durch viel Reden und dem Glauben, für einander bestimmt zu sein. Wir arbeiteten an uns und wurden vertrauter miteinander. Trotzdem… ich wurde irgendwann ratlos. Ständig wurde genörgelt und es gab so gut wie keine Phasen, in denen es einfach mal rund lief. Auch in Sachen Sex lief es nicht mehr so locker wie am Anfang. Hier zeichnete sich eine Eintönigkeit immer deutlicher ab. Langeweile kam auf und wir waren langsam, aber sicher in Richtung Trennung unterwegs. Es musste sich etwas ändern!

 

Weg mit der Pille!

 

Dann setzte sie die Pille  ab – und alles wurde anders! Wir hatten schon länger darüber nachgedacht. Nicht wegen eines Kinderwunsches, sondern wegen ihrer Gesundheit. Zehn Jahre lang täglich Hormone zu schlucken, konnte doch nicht gesund sein. Wir wollten es mal ohne Antibabypille probieren. Die erste Entscheidung fiel auf den Verhütungsring, der machte die Situation aber auch nicht besser. Sie bekam extreme Rückenschmerzen und die regelmäßige Hormon-Munition gibt es trotzdem. Schließlich gingen wir zurück zur alten Schule und kauften uns Kondome. Nicht geil, ich weiß, aber sie erfüllen ihren Zweck.

Und was für einen! Wolke Sieben tauchte wieder auf! Die Laune war gut, die sexuelle Lust am Brodeln und das emotionale Chaos des Lebens lief nun endlich seinen halbwegs normalen Gang. Es ging ihr wesentlich besser. Natürlich, wir streiten uns auch heute noch. Es wäre auch verdammt schade, wenn nicht. Aber sie ist definitiv ausgeglichener, der Sex läuft besser und wir haben ein neues Gefühl der Vertrautheit erreicht. Die Pille weg zu lassen und Sex mit Kondom in Kauf zu nehmen, war das Beste, das wir machen konnten. Höheres Risiko für eine Schwangerschaft hin oder her. Happy wife, happy life. Klingt blöd, ist aber so.

 

Ein Medikament mit Schattenseiten

 

Für mich war es schockierend, wie heftig der weibliche Körper auf diesen Hormonentzug reagierte. Wochenlang bekam sie ihre Tage nicht. Ich als Mann erlebte live mit, wie sehr die Antibabypille den normalen Gesundheitszustand der Frau veränderte. Der Körper musste sich erstmal wieder in einen normalen Zustand pendeln. Was taten sich die Frauen da bloß an! Körperfunktionen gibt es schließlich nicht umsonst. Es hat einen Grund, warum wir aufs Klo müssen, schwitzen oder die Periode bekommen. Daran herumpfuschen ist nicht unsere Aufgabe. Dass diese kleine Pille so viel Mist mit dem weiblichen Körper anstellte, hätte ich nicht gedacht.

Früher war ich der festen Überzeugung, die Pille sei schlichtweg etwas Gutes. Es konnte fröhlich gebumst werden und alle waren glücklich. Familienplanung, Karriere, Sexualverhalten, all das kann die Frau dank der Pille selbständig in die Hand nehmen. Die Pille als ein Meilenstein der Emanzipation? Vor nicht allzu langer Zeit hätte ich das ohne Zweifel unterschrieben.

Die Realität sieht anders aus. Tatsächlich verursacht die Pille gefährliche Nebenwirkungen, die bis zum Tod führen können. Sie kann depressiv machen,Thrombose und Lungenembolie hervorrufen. Steht alles auf dem Beipackzettel – wenn er mal gelesen wird. Interessant ist aber auch, wie die Pharmaindustrie in Sachen Pille vorgeht. Nach §10 des Heilmittelwerbegesetztes darf für Arzneimitteln nur bei Ärzten und Apothekern geworben werden. Die Pille stellt hier jedoch eine Besonderheit dar, weil sie nicht als ein solches Arzneimittel aufgefasst wird. Die Situation ist folgende: Ab dem 20. Lebensjahr muss die Patientin das Medikament selbst bezahlen. Das Rezept wird also von Seiten des Arztes ausgestellt, die Patientin kann aber letztendlich von sich aus entscheiden, ob sie das Medikament nehmen will oder nicht. Firmen wie Jenapharm bewegen sich dadurch in einer rechtlichen Grauzone. So gibt es Youtube-Kanäle und Internetseiten, die für die Verwendung nicht einer bestimmten, sondern generell „Der Pille“ werben. Interessant hierbei ist, dass diese Werbeplattformen von dem oben genannten Pharmaunternehmen zur Verfügung gestellt werden.

Dabei geht es außerdem nicht nur um Verhütung. Junge Frauen, meist noch völlig unerfahren in Sachen Sex, werden mit guter Haut, schönem Haar, regelmäßigem Zyklus und geringeren Regelschmerzen geködert. Die Pille wird nicht mehr als Medikament betrachtet, sondern als Lifestyle-Produkt. Das ist ein echtes Problem. Denn Hormonbomben mit gesundheitsschädlichen Folgen sollten keine Alltagsprodukte werden.

 

Aber auch in Sachen Emanzipation greift die Pille mittlerweile zu kurz.

 

Der Zündfunken der Frauenbewegung, wie Alice Schwarzer ihn nannte, ist mittlerweile ein Symbol der Ungerechtigkeit zwischen Mann und Frau. Das zeigt sich auch durch die Entwicklungen zur Pille für den Mann. Die Idee für dieses Medikament gibt es schon länger, auf dem Markt ist es aber noch nicht. Die Probanden klagen regelmäßig über Nebenwirkungen wie Depression und geringe sexuelle Lust. Komisch, dass es sich hier um ähnlich Nebenwirkungen wie die der Antibabypille handelt. Was Frauen regelmäßig angetan wird, ist für den Mann anscheinend zu heftig. Böse Zungen könnten jetzt behaupten, dass Mann sich auf Kosten der Frau vergnügt und dabei gesund bleiben will. Doch es gibt sie, die Männer die ihre Frauen entlasten wollen, und bereit wären eine Pille für den Mann zu nehmen. So entkommt wenigstens ein kleiner Teil dem gehobenen Zeigefinger des Feminismus.

Aber mal im Ernst. Wir Männer sollten uns klar darüber werden, was sich Frauen mit der Antibabypille regelmäßig antun. Es geht nicht, dass wir einfach zuschauen und uns auf Kosten der Frau dem Thema Verhütung entziehen. Zum Sex gehören immer zwei. Von uns Männern ist in Sachen Pille mehr Weitblick und Verantwortungsbewusstsein gefragt. Mehr Verständnis zeigen und sich gemeinsam über mögliche Alternativen Gedanken zu machen, wäre ein Schritt in eine interessante Richtung.

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