Bilder: Wenn man sich weder als Mann noch als Frau fühlt

Chloe Aftel Agender 01

Wir lernen unsere Welt in Kategorien kennen. Als Kleinkinder ist zunächst alles eine einzige, große, undefinierbare Kategorie. Unser Gehirn entwickelt sich und wir lernen Dinge in Kategorien einzuteilen, als würden wir sie in kleine Boxen sortieren: Mama, Pflanzen, Blume, Lachen, Weinen, Freundin, Feind, und so weiter. Später basiert unsere Selbst- und Fremdwahrnehmung auf diesen erlernten Kategorien. Alles wird über sie definiert. Sie wieder aufzubrechen, ist beinahe unmöglich.

 

Sie passen in keine einzelne Box

 

Gut, das Beispiel war jetzt sehr einfach aber das Prinzip bleibt immer das gleiche. Auch, wenn es um unsere Sexualität geht. Entweder gehört man in die eine oder in die andere Box. Falsch. Es gibt immer mehr Menschen, deren Neigungen sich nicht so einfach kategorisieren lassen. So geht es den Menschen aus Chloe Aftels Fotoserie „Agender“. Sie erkennen sich in unseren dualen Geschlechtervorgaben einfach nicht wieder. Sie sind nicht transsexuell, sodass sie mithilfe einer OP und Crossdressing in die richtige Geschlechterrolle finden könnten, sondern wollen sich gar keinem Geschlecht zuordnen. Sie definieren sich als“Agender”. Chloe Aftel hat ihre Fotoserie über die jungen Menschen nach diesem sozialen Geschlecht getauft.

 

Intoleranz und Diskriminierung

 

Diskriminierung gibt es für post-geschlechtliche Menschen jede Menge, mehr als für Homosexuelle oder andere Mitglieder der LGBT-Community. Vielleicht, weil es für die von Chloe Aftel porträtierten Personen (noch) keine richtige Kategorie gibt. Soll man er oder sie sagen? Am liebsten ist ihnen, dass man den Plural “sie” – im Englischen “they” – als Pronomen für sie wählt. Intoleranz spüren die jungen Agender immer wieder. Sasha (zweites Bild) schlief im Zug ein. Geweckt wurde sie von beißenden Schmerzen. Ihr hat jemand aus Wut über ihre öffentlich ausgelebte Sexualität den Rock angezündet.