Wie ein Survival-Training unsere Männerfreundschaft veränderte

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Jetzt müsste nur noch ein Wolf heulen, irgendwo da draußen, im dunklen Nichts hinter uns. Sonst ist da alles, was zu einer dieser Abenteuer-in-der-Wildnis-Fantasien gehört. Sterne über uns, die winzig aussehen, Dunkelheit hinter uns, ein Feuer vor uns und die bloße Erde des Walds, deren Kühlheit langsam unsere Beine hinaufkriecht unter uns. Ich war eigentlich nie jemand, der den Reiz derer verstand, die es in die Unberührtheit zieht. Alleine in Alaska? Zu gefährlich. Und irgendwie auch zu einsam. Jetzt aber, wo wir nichts höre außer dem Knacken der Äste und nichts sehen als undurchdringliches Schwarz und wir wissen, dass wir hier ganz alleine sind, nur Adri und ich, da hat es etwas Erhabenes. Ein Moment von Apokalypse, die nur wir beide überlebt haben, ein Moment, in dem es in der Welt keine Handys, kein Internet, keine Hektik, ja, nicht einmal Menschen gibt.

Einen Tag vorher zogen wir beide los. Mit Rucksäcken, Wanderschuhen und einer Ausrüstung, mit der man es wahrscheinlich wirklich schaffen würde im Nichts von Alaska. Dabei sind wir mitten in Deutschland. In der Nähe von München. Pure Zivilisation. Hier fühlt es sich nicht so an. Denn man sieht nur Wiesen, Wälder und einen schmalen Pfad vor uns. Wir sind hier, weil Adris Onkel auf die Idee kam, ihm ein Survival-Training zu schenken. Ihm, dem Intellektuellen unserer Clique, der Philosophen nicht liest, weil er muss, sondern weil sie ihn faszinieren. Ich war es, der ihn überredete, den Gutschein einzulösen und nicht verfallen zu lassen. Also überredete er mich, mitzukommen. Einen Tag lernten wir, wie man Feuer macht, sich eine Unterkunft baut, auf was es zu achten gilt. Und am nächsten Morgen ziehen wir los, mit einem Kompass durch den Wald, wo wir die Nacht über bleiben werden, ausgestattet mit einem Funktelefon, falls etwas passieren sollte.

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