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Wie kommt Mann aus einer gewalttätigen Beziehung raus?

Auch Männer können Betroffene häuslicher Gewalt sein. Tami Weissenberg hat das am eigenen Leib erlebt und setzt sich heute für Männerschutz ein.

Häusliche Gewalt richtet sich gegen Frauen, Männer sind die Täter. Nach wie vor ist das ein gängiges Verständnis. Tami Weissenberg (sein Synonym) ist 37 Jahre alt, lebt in der Nähe von Dresden und hat sieben Jahre lang häusliche Gewalt erlebt. Er war kein Täter. Der Täter war eine Frau. Als Tami einen Ausweg aus der Beziehung suchte, hat er nichts dazu finden können, wie ein Mann in so einer Situation Hilfe bekommt. Geschafft hat er es trotzdem und sich zum Lebensziel gesetzt, diesem Missstand ein Ende zu setzen. Sechs Jahre ist das her, mittlerweile ist Sachsen im Thema Männerschutz bundesweit Vorreiter, hat drei Vereine in Leipzig, Dresden und Plauen, die Schutzwohnungen unterhalten. Die Wohnungen sind ausgebucht, es gibt Wartelisten. Tami ist der Meinung: „Das Thema findet nur gesellschaftliche Relevanz, wenn darüber gesprochen wird. Und zwar ganz offen.“ Er hat seine Erlebnisse daher in seinem Buch „Darjeeling Pur“ niedergeschrieben und setzt sich nach wie vor für Männerschutz ein.

 

Tami, du hast häusliche Gewalt erlebt. Die Frage, die man sich als Außenstehender wohl stellt: Warum zieht man nicht beim ersten Vorfall die Reißleine? Wieso ist es nicht so einfach?

Tami Weissenberg: Für einen Menschen gibt es existenzielle Dinge: Essen, Gesundheit, ein Dach über dem Kopf. Wenn diese Dinge von einer anderen Person abhängig sind, ist ein Mensch bereit vieles zu tun, um sie zu bekommen. Diese Abhängigkeit – ob materiell, finanziell, räumlich – kann in den eigenen vier Wänden entstehen, in der Beziehung zwischen zwei Menschen. Davor ist niemand geschützt. Auch, wenn alle denken, das kann ihnen nie passieren. Es ist nicht so, als würde man jemanden kennenlernen, und drei Tage später kriegt man eine gescheuert. Wäre das der Fall, würde jeder gehen.

Du sprichst von unterschiedlichen Abhängigkeiten. Das, was du nicht nennst, ist die emotionale. Spielt das deiner Erfahrung nach keine so wichtige Rolle?

Doch, auch. Wenn man in einer Liebesbeziehung ist, sieht man eher mal darüber hinweg, wenn dem anderen die Hand ausrutscht oder psychischer Druck ausgeübt wird. Die Toleranzgrenze steigt, je größer die emotionale Bindung zu einem Menschen ist. Bei Frauen und Kindern ist das, meiner Erfahrung nach, häufig der Fall. Bei Männern höre ich das nicht so oft, bei mir war es auch nicht so. Es sind andere Abhängigkeiten und vor allem Scham. Scham ist der gewichtigste Grund, warum Jungen und Männer nicht sagen, was ihnen widerfährt.

Ist man als junger Mensch gefährdeter, weil man unerfahrener ist und noch keine eigene Unabhängigkeit hat?

Junge Leute haben heutzutage etwas, was es damals nicht gab: Die Freizügigkeit des Internets. Diese Scheinwelt, in die viele Jugendliche und Kinder heute reingeboren werden, birgt auch die Gefahr, in eine Gewaltsituation hinein zu geraten. Die Menschen, die man da kennenlernt, können eine Rolle spielen, die gar nicht existiert. Unerfahrenheit spielt auch eine große Rolle – ich war relativ jung, als ich diese Frau kennengelernt habe und früh in eine Ehe gedrängt wurde. Woher soll man in jungen Jahren wissen, wie man gewisse zwischenmenschliche Situationen bewältigt? Bei der Oberflächlichkeit, mit der sich heute viele Beziehungen zwischen jungen Menschen aufbauen, fehlt die Erfahrung damit. Da fällt man schneller mal auf irgendeine Scheiße rein.

Tami Weissenberg (Synonym) setzt sich beim Weissenberg e.V. für den Männerschutz ein.

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