Übrigens, die Uni scheißt auf dich!

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Desillusion. Darum soll es hier gehen. Das leere Gefühl, das dann eintritt, wenn die wohlig warme Umgebung der weiterführenden Schule abkühlt und man sich hoffnungsvoll in das universitäre Bildungssystem stürzt. Denn es gibt genug junge Erwachsene, manchmal 17, manchmal auch schon 18, die auf Gap Years oder Nebenjobs verzichten und direkt aus dem Elternhaus in die nächstgrößere Stadt ziehen, ach was, manchmal pendeln sie sogar nur dorthin.

Dort erwartet sie nicht selten ein unerwartet kühler Wind, der manchmal nicht nur um die Nasenspitze weht, sondern viel zu oft auch unter die Kleider kriecht und einen frostigen Schauer verursacht. Den Schauer des „Nicht-Willkommen-Seins“, denn: Die Uni scheißt auf dich. Die Uni braucht dich nicht, du brauchst die Uni. Das ist die Realität.

 

Expectations vs. Reality

 

Als ich zum Bachelor antrat, vor mittlerweile 6 Semestern, lag ein Hauch von Zukunft und Hoffnung in der Luft. Meine Erwartungen an die Universität waren hoch. Neues Wissen, neue Freunde, neue Umgebung. Was ich bekam, waren systematisch vorgefertigte Kursinhalte, bis zum Maximum gestresste Kommilitonen und Kellerräume ohne Fenster (wirklich). Diese Erfahrung ist selbstverständlich nicht universell und wahrscheinlich nicht mal die der Mehrheit, aber sicher die von anderen Studienanfängern.

Man kommt sowieso schon ohne große oder gar utopische Erwartungen. Bekommen tut man dann aber auch tatsächlich ziemlich, ziemlich wenig. Man könnte es Enttäuschung nennen. Aber ist es richtig, eine öffentliche Institution wie die Universität so stark zu emotionalisieren? Ja, wenn du eben gerade erst volljährig geworden bist, dann schon! Schon 2008, vor den ersten G8-Absolventen, titelte der Spiegel: “Die Turbo-Uni: Universitäten werden zur Lernfabrik“. Viel Wahrheit in nur einer Überschrift. Seitdem haben deutsche Universitäten das Gaspedal noch ein bisschen mehr durchgedrückt. Eben waren wir noch Schüler, jetzt schon Drittsemester.

 

Die Einsamkeit der Uni

 

Studierst du nicht gerade Soziale Arbeit in Benediktbeuern (ja, wirklich, das geht), ist es gar nicht so schwer vollkommen unter dem Radar deiner Kommilitonen durch sechs Semester zu studieren, denn auch die anderen interessieren sich in erster Linie nur für sich selbst und ihre ECTS-Punkte. Freunde hat man ja sowieso aus dem Abi-Jahrgang importiert. Es läuft mehr falsch als nur die monotonen Kursinhalte und die schlachthofmäßige Prüfungs-Abfertigung in Studiengängen wie BWL – die Uni kann uns eben auch einsam machen. Dich, mich und viele andere hoffnungsvolle Erstsemester.

Das soll keine Beschwerde sein, eher eine Warnung. Es geht um Desillusion. Wenn diese mit Vorwarnung kommt, fällt man vielleicht nicht ganz so hart auf den Boden der eigenen Erwartungen.

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Bildquelle: Caleb George via Unsplash.com

Comments
  • swimmarin

    Ich kann deinen Artikel vollkommen nachvollziehen. Was ich noch viel krasser finde, ist, dass die Uni gar nicht mehr als Ort des Lernens und der Persönlichkeitsentwicklung gesehen wird (Nichts neues, ich weiß, aber trotzdem wahr). Schlimmer noch: Wenn man sich dann die Freiheit rausnimmt, tatsächlich den Seminaren zu folgen und -o Schreck- auch noch die Fachbücher liest, die einige wenige Professoren noch in irgendeiner Art zur Verfügung stellen, wird man komplett als Freak abgestempelt..

    28/07/2018
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