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Zwei Biere und schon ein Kater – Saufen mit Ende Zwanzig

Auch wenn wir es uns nicht eingestehen wollen: Wir werden älter. Und mit wachsendem Alter wächst das Kater-Gefühl am nächsten Morgen mit. Warum eigentlich? Ein Erklärungsversuch.

Gestern Abend war ich mit meinem guten Kumpel Basti in einer Kneipe verabredet – unser Chatverlauf, bevor wir uns trafen, sah so aus:

Basti: Ja, dann geh ma auf a Vier oder??
Basti: Bier
Ich: vier Bier!!!11!!
Basti: 11 Bier
Ich: 44 Bier!
Basti: Ok, wir verstehen uns!

Ohja, postjugendlicher Leichtsinn… tatsächlich wurden es zwei Radler. Mmmhja, und vielleicht noch zwei Mirabellenschnäpse. Aber der Punkt ist der: nach dem zweiten Radler war ich voll wie ein Haus. Mein Heimweg gestaltete sich ziemlich unfeierlich und glich etwa einem Orkan auf hoher See. Die Quittung davon trage ich heute wie einen Hut der Schande – denn nun verweile ich verkatert am Tisch, mein Kopf fühlt sich an als wäre eine Planierraupe darüber gerollt, das Geräusch der Tastatur tut meinen Ohren weh. #wokeuplikethis…. vielleicht möchte ich ein bisschen weinen. In zwei Jahren werde ich Dreißig … das kann kein Zufall sein. Auch in meinem Freundeskreis beschweren sich viele darüber, dass sie mittlerweile zwei Tage brauchen, um den Kater einer durchsoffenen Nacht wieder in den Griff zu bekommen.

Ich erinnere mich an meine ersten Nächte mit Alkohol. Jung und wild, da flossen an den Wochenenden Bacardi Breezer, Berentzen grüner Apfel und dazu mehrere billige Tropical-Secco-Fusel wie Milch und Honig im Schlaraffenland. Der nächste Morgen war natürlich kein Gedicht – aber er war in Ordnung. Ich war in meiner jugendlichen Pracht einfach unverwundbar, konnte auch am nächsten Tag wieder die Boys aus der Clique unter die Bierbank trinken. Dann kamen die Jahre ins Land… und die hatten viele anstrengende Kumpanen dabei: pochende Kopfschmerzen. Das frühe Aufwachen. Bock auf Saft. Bock auf Backwaren. Und ach, diese miese Laune, die bis in den Nachmittag hielt. Warum ist das so? Wo ist sie hin, meine alkoholische Unverwundbarkeit?

 

Ein Kater kann in Extremfällen bis zu drei Tage anhalten

 

Ein kleiner medizinischer Ausflug: Das Wort Kater stammt ursprünglich aus der studentischen Umgangssprache des 19. Jahrhunderts und ist scherzhaft abgeleitet von Katarrh, einer Entzündung der Schleimhäute. Für das vernebelte Denken am Tag danach ist natürlich – shame! – der Alkohol verantwortlich, der in unserem Gehirn die Ausschüttung des Hormons Vasopressin hemmt. Dieses Hormon kontrolliert unseren Wasserverlust über die Nieren – funktioniert diese Instanz nicht mehr, verliert unser Körpertempel zu viel Flüssigkeit und dementsprechend Mineralien. Alles, was wir in uns reinkippen, wird durch den Magen und den Dünndarm ins Blut aufgenommen und im ganzen Körper verteilt.

Am dankbarsten sollten wir der Leber sein, Hauptabbauort des Alkohols. Sie hat alle nötigen Eiweisse, auch Enzyme genannt, um unsere Gesöffe für den Körper unschädlich zu machen. Im Innern der Leberzelle wird der Alkohol zum eigentlich schädlichen Acetaldehyd umgewandelt, welches dann durch das Enzym Aldehyddehydrogenase zu Acetat verstoffwechselt wird. Kann Acetaldehyd gar nicht oder nur zu Bruchteilen zu Essigsäure umgesetzt werden – weil wir es einfach übertrieben haben, reagiert unser Körper mit Schmerzen. Bei Alkoholikern ist das Entgiftungssystem der Leber überlastet und es kommt zu einer direkten Schädigung der Leberzellen durch das vermehrt anfallende Abbauprodukt Acetaldehyd.

 

Meine Regeneration ist wie ich: alt und müde

 

So: Jetzt wissen wir, warum wir uns am nächsten Morgen wie tot fühlen, depressive Gefühle in uns spüren oder uns sogar übergeben müssen. Und wo kommt unser Alter ins Spiel? Wahrscheinlich, wenn es um die körperliche Regeneration geht, die sich genauso verhält wie ich heute: alt und müde! Das Zellwachstum schleicht sich im Alter nämlich fort wie eine Schildkröte. Je älter wir werden, desto weniger Antioxidantien produziert unsere Leber – die Giftstoffe können also nicht mehr so schnell abgebaut werden und verharren deshalb in unseren Körpern. Danke für gar nichts, Leber. Manche Dinge wachsen mit ihren Aufgaben, du machst dir nen Lenz … und mir Kummer.

Ich hab Basti gerade geschrieben. Er ist frisch wie Morgentau… soll er mal in mein Alter kommen.

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