Zynismus, aber bitte anders

Muss Zynismus wirklich sein? Bild: Pexels

Die eigentliche Namensherkunft ist selbst bei modernen Philosophiehistorikern umstritten. Am wahrscheinlichsten leitet sich der Kynismus vom Kynosarges ab, einem Athener Gymnasion (einer Schule), in dem Antisthenes seinen Unterricht abhielt. Andere leiten den Begriff vom griechischen Wort „kynos“ ab, was „Hund“ bedeutet und damit auf ihr „Hundeleben“ anspielen soll: Kyniker lebten nämlich nach den Idealen der Bedürfnislosigkeit und des ethischen Skeptizismus, Besitz war für sie also aus Prinzip tabu.

Das höchste Ziel der Kyniker war das Glück des Einzelnen mittels Unabhängigkeit. Sie stellten Konventionen der menschlichen Gesellschaft infrage und sehnten sich nach einem naturgemäßen Leben ohne Sitten, gesellschaftliche Normen und Gesetze. Weltlicher Besitz wurde abgelehnt, getreu dem Motto: „Wer nichts hat, kann nichts verlieren“. Die Aussteiger, die zum Teil sogar das Konzept der Kleidung ablehnten, waren unbeliebt. So sorgten sie damals schon ein ums andere Mal für öffentlichen Aufruhr.

Wie kannst du so etwas sagen?!

Erst im 17. Jahrhundert fing die Bedeutung des Begriffs an, sich zu wandeln und der Zynismus wurde zu dem, was wir heute darunter verstehen: Dem spöttischen Abtun gesellschaftlicher Normen und Regeln –Nihilismus mit bissigem Humor, wenn man so will. Der ethische Skeptizismus, also das systematische Hinterfragen, weicht dem puren Zweifel – nichts ist heilig, es gibt weder Gut noch Böse und egal, was man macht, man macht es falsch, aus den falschen Beweggründen oder nur, weil es von einem erwartet wird.

Dabei wäre eine Rückkehr zu einer gesünderen Form des Zynismus wichtiger denn je: Brauche ich wirklich alles, was ich so kaufe und konsumiere? Welche Sitten und Normen sind eigentlich Humbug, welche Tabus müssen aufgebrochen werden? Muss ich mich selbst unglücklicher machen, um in die Gesellschaft zu passen und kann ich das von jemand anderem erwarten? Etwaige Kritik geht auch ohne Verachtung und kann – ganz im Gegenteil – auch aus Liebe geboren sein.

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Bildquelle: Stephan Louis von Pexels; CC0-Lizenz

Großer Anime-Fan und leidenschaftlicher Gamer mit einem Faible fürs Schreiben und das Lernen von Sprachen - gerne auch mal ausgefallenere wie Elbisch oder im Moment Mandarin. Zudem ein überzeugter Hemdenträger, exzessiver Nutzer der Farbe Schwarz (Dark Mode ist PFLICHT) und Katzenliebhaber.