Dating

Dating-Phänomen Apocalypsing: Wenn jede Beziehung die letzte sein könnte

Ständig werden neue Kriege vom Zaun getreten, Autokraten sägen an den Grundpfeilern von Demokratien und die wirtschaftliche Situation vieler Menschen wird immer prekärer: Die Welt scheint von Tag zu Tag unsicherer zu werden. Viele Menschen sehnen sich daher nach einer Konstante, oft ein*e Partner*in. An dieser Person wird dann auch um jeden Preis festgehalten – so als wäre sie die letzte Beziehung, die man je führen wird. 

Diese Einstellung hat einen Namen und dieser lautet „Apocalypsing“. Dabei dreht sich alles darum, schnell die Liebe des Lebens zu finden. Das ist dann oft die erste Beziehung, in der man landet – aber ohne darüber nachzudenken, ob die es auch wirklich sein soll. Schließlich könnte das die letzte Chance auf Liebe sein, also bloß nicht loslassen!

Suche nach Beständigkeit in einer unsicheren Welt

Apocalypsing beim Dating ist oft eine Folge wachsender Unsicherheit. In unbeständigen Zeiten kann eine feste Beziehung ein wichtiger Anker sein. Egal was nämlich in der Welt da draußen passieren mag: Die Beziehung ist immer da, zumindest wünschen wir uns das. Frust mit dem Single-Dasein oder Zukunftsängste sind ebenfalls mögliche Gründe für solches Verhalten.

Apocalypsing erkennt man daran, dass alles möglichst schnell gehen soll. Wichtige Meilensteine wie Hochzeit oder Familienplanung sollen so schnell wie möglich abgehakt werden, um die Beziehung zu sichern. Diese Eile kann einer Beziehung auf lange Sicht aber zum Verhängnis werden.

Hals über Kopf ist nicht der beste Weg

Da beim Apocalypsing nicht lang gefackelt wird, stürzt man sich früher oder später in etwas, ohne richtig darüber nachgedacht zu haben oder den*die eigene Partner*in überhaupt richtig zu kennen.

Wenn schon beim ersten Date die gemeinsame Zukunft im Mittelpunkt steht, fehlt Zeit für das Hier und Jetzt. „Sind wir überhaupt auf menschlicher Ebene miteinander kompatibel?“ – für diese und viele weitere wichtige Fragen bleibt einfach keine Zeit mehr, wenn man sich im Eilschritt fortbewegt.

Das größte Problem ist, dass wir uns beim Apocalypsing nicht von Liebe, sondern von unseren Ängsten leiten lassen: Der Angst vor einer Welt im Aufruhr und davor, unsere einzige Chance auf Liebe zu verpassen.

Es ist nie die „letzte Chance“

Auch wenn es im Liebeskummer oft so wirkt, kommt es selten vor, dass eine Beziehung unsere „letzte Chance“ auf Liebe ist. Verlieben wird man sich immer wieder. Und nicht jede Person, in die man sich verliebt, ist auch der richtige Mensch fürs Leben.

Daher ist wichtig, einige Verschnaufpausen einzulegen: Auch dann, wenn es besonders gut zu laufen scheint. Nicht nur Liebe macht blind, sondern auch Angst. 

Sei dir stets im Klaren darüber, was du willst und schätze deine aktuelle Situation realistisch einschätzen. Sonst landest du womöglich in deiner langersehnten Beziehung, aber nicht mit der Person, die am besten zu dir passt. Und wenn du und dein*e Partner*in euch über so etwas Gedanken machen müsst dann schafft das am Ende nur noch mehr Unsicherheit.

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