Pippi und der N****könig?

Von Melanie Wolfmeier

Die Toten Hosen haben schon 1996 damit angefangen. Als sie in einem ihrer Lieder die fatalen Auswirkungen vom übermäßigen Jägermeistergekippe besangen, überspülten sie den seltsamen Beigeschmack des Originaltitels. „Zehn kleine Jägermeister“ ist doch irgendwie zeitgemäßer als „Zehn kleine N****lein.“

An mittlerweile jeder spitzen Gesellschaftsecke muss man aufpassen, seinen sonst untadeligen Ruf mit unpassenden Äußerungen zu schädigen. So wie es zum Beispiel Fürstin Gloria von Thurn und Taxis gern immer wieder mal mit ihren politischen unkorrekten Aussagen schafft. „Der Schwarze schnackselt gern“, ist halt einfach nichts, was man während eines TV-Auftritts von sich geben sollte. Weder 2001, noch davor, noch jetzt. Auch das schwedische Fernsehen reibt sich nun mit ein bisschen Anti-Diskriminierungs-Seife ab und entfernt bestimmte Wörter aus Kindersendungen.

 

„Astrid Lindgren wollte niemanden verletzen“

 

„Unser Publikum sind Kinder und wir wollen nicht, dass sie sich beleidigt oder verletzt fühlen könnten“, zitiert der Spiegel Online aus dem Statement des schwedischen Senders STV zu dessen Neuerungen. Also heißt der Papa von Pippi Langstrumpf nicht mehr „N****könig“ sondern fortan nur noch „König“. Damit sich aber auch kein Astrid-Lindgren-Fan in der asiatischen Welt als Mobbingopfer fühlen kann, wurde gleich noch eine Szene gestrichen. Nämlich die, in der Pippi ihre Augen zu Schlitzen zieht. Saltkrokan, das Unternehmen, das Herr über den Nachlass Astrid Lindgrens ist, hat den Änderungen zugestimmt. Weil die Autorin niemanden verletzen wollte. Am wenigsten unschuldige Kinderleins, die doch über ihre Geschichten lachen sollen – und sich nicht durch unkorrekte Bezeichnungen in ihren Wurzeln beleidigt fühlen.

Ob Kinder sich wirklich durch die Wortwahl Pippi Langstrumpfs diskriminiert fühlen, sei dahingestellt. Auf jeden Fall aber steckt hinter der überarbeiteten Version eine gute Absicht. Pünktlich zum Fest der Liebe und Toleranz wird die politisch korrekte Pippi Langstrumpf im weihnachtlichen Fernsehen zu sehen sein. Gut für die Kinder – sowohl für die kleinen, als auch für die großen. Nur Fürstin Gloria von Thurn und Taxis könnte sich auf den Schlips getreten fühlen. Wenn sie zukünftig mal wieder bei einem ihrer Theaterfestivals im Regensburger Schloss eine Gastrolle als Frau Prysselius – der strengen Erzieherin aus Pippi Langstrumpf – übernimmt, sollte der Regisseur ganz genau aufpassen, ihr auch den neuen, diskriminierungsfreien Text in die Hand zu drücken.

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Bildquelle: (1) Screenshot youtube / stewart sharp

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