Upcycling mal anders: Wie Adobe vergessene Schriften neu belebt

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Nach einem langen Tag in der Uni schwingt ihr euch auf eure Fixies. Und weil der Fahrtwind so gut tut, entschließt ihr euch doch noch einen Umweg einzuschlagen – ab zum Baumarkt. Denn ihr braucht noch ein paar Schrauben und ein wenig Farbe, um eure aus Euro-Paletten gebaute Couch für den Balkon zu perfektionieren. Der Sommer ist schließlich längst angekommen, also sollte das DIY-Projekt langsam ein Ende finden.

Aus alt mach neu – oder moderner: Upcycling – liegt im Trend. Wir bauen uns Stühle aus alten Autoreifen, Regale aus Weinkisten, benutzen Kleiderbügel als Bilderrahmen und selbst die alte Bluse von Oma findet in unserer Garderobe (etwas abgewandelt und mit weniger Rüschen) wieder einen Platz. Denn nur weil ein Gegenstand schon etwas älter ist, bedeutet das nicht automatisch, dass er auch an Wert verliert.

 

Upcycling funktioniert auch mit Kunst

 

Das dachte sich wohl auch Adobe. Im Rahmen des 100-jährigen Jubiläums des Bauhauses riefen sie das Projekt „Adobe Hidden Treasures: Bauhaus Dessau“ ins Leben. Das Bauhaus Dessau ist selbst nach 100 Jahren immer noch die bekannteste moderne Schule für Architektur, Design und Kunst. Die Schule wurde 1932 – nur 14 Jahre nach der Eröffnung – von der nationalsozialistischen Partei geschlossen. Die Archive blieben seitdem weitestgehend unberührt. Bis Adobe im Rahmen ihrer Kampagne verborgene Schrift-Skizzen der legendären Bauhaus-Meister wiederentdeckte.

 

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Mit dem Ziel, verlorengegangene kreative Geschichte wiederzubeleben und die aktuelle Generation zu inspirieren, gab Adobe fünf jungen Schriftgestaltern aus aller Welt die Chance sich zu beweisen. Mit der Unterstützung ihrer internationalen Hochschulen und unter der Leitung des renommierten Typographen Erik Spiekermann überarbeiteten, vervollständigten und digitalisierten die Nachwuchstalente die unvollendeten Typografie-Skizzen der Bauhaus-Meister. Insgesamt fünf Bauhaus-Schriften wurden so zu neuem Leben erweckt, von denen drei bereits zur Installation via Typekit zur Verfügung stehen.

 

Verborgene Schriften zu neuem Leben erweckt

 

Die neueste Schrift trägt den Namen ihres Machers „CarlMarx“. Dieser entwarf die Typografie in seinem ersten Semester am Bauhaus im Jahre 1932 – also kurz vor dessen Schließung. Hidetaka Yamasaki, Student der University of Reading in England, wurde die Ehre zu Teil der verborgenen Typografie zu neuem Charme zu verhelfen. „Ich habe mich total über die Gelegenheit gefreut, ich wusste, dass ich viele neue Dinge lernen und auf interessante Menschen treffen würde. Außerdem fand ich die Entwicklung neuer Schriften, die auf „verlorenen“ basieren, spannend“, erzählt Hidetaka im Interview.

 

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Der junge Schriftgestalter hat bereits eine steile Karriere hingelegt. Nach seinem Bachelor-Studium in Kunstgeschichte und Ästhetik in Kyoto, bei dem er auch zwei Auslandssemester an der FU Berlin absolvierte, zog es ihn an die Universität in Reading, wo er momentan an seinem Master in Typeface Design arbeitet. Vom Bauhaus-Künstler hatte er vor der #AdobeHiddenTreasures Kampagne noch nicht gehört: „Ich kannte Carl Marx vorher nicht. Aber seine Skizze vermittelt ein angenehmes, warmes Gefühl. Ich nehme an, dass er sie nach dem ‚Trial and Error‘-Prinzip angefertigt hat. Die Buchstabenformen sind eine Mischung aus geometrischen Elementen und organischen, natürlichen Strukturen.“ 

 

 

Und genau diese warmen, organischen Skizzen durfte Hidetaka unter der Leitung von Erik Spiekermann vervollständigen und digitalisieren – also upcyceln. Keine leichte Aufgabe, wie er uns erzählt: „Die größte Herausforderung meines Projekts bestand darin, die warme Atmosphäre von Marx’ handschriftlichen Skizzen ins Digitale zu übertragen. Ich habe, soweit das möglich war, direkt die Skizze in ein Schriftprogramm übertragen, sie also nicht ‚abgepaust‘. Manchmal habe ich auch Buchstaben mit abgerundeter Feder von Hand gezeichnet, um zu sehen, was man noch ergänzen könnte.“ Gerade die kleinen Feinheiten wurden zu den größten Herausforderungen. So beinhaltete Marx‘ Skizze zwei unterschiedliche Arten von Fettungen. Hidetaka vermutet, dass Marx dafür zwei verschiedene Federn benutzt hat. Doch trotz der Hindernisse ist es dem 24-Jährigen gelungen, die Schrift von Carl Marx ins digitale Zeitalter zu bringen und dabei auch die besonderen Charakteristika der Typografie-Skizze beizubehalten. Genau so sollte gutes Upcycling aussehen.

 

Upcycling gegen das Vergessen

 

Die Digitalisierung schiebt alte Kunstformen in den Hintergrund und es besteht ein Risiko, dass Kunststücke und -richtungen in Vergessenheit geraten. Doch #AdobeHiddenTreasures kämpft dagegen an. Sie wollen mit vergessener Kunst die jungen Generationen inspirieren. Wie gut das funktioniert sieht man an Hidetaka Yamasaki. „Ich bin 24 und nutze einen Computer seit ich fünf Jahre alt bin – ich habe vom analogen Zeitalter nicht viel mitbekommen. Selbst wenn ich also nach Skizzen aus dem analogen Zeitalter arbeite, bin ich immer vom digitalen Zeitalter beeinflusst, ich kann gar nicht anders“, erklärt er. Damit aber nicht nur vereinzelte Menschen die Chance haben, sich vom Bauhaus Dessau inspirieren zu lassen, bietet Adobe die fertigen Schriften zur Installation via Adobe Typekit an. Im August und September werden zwei weitere Schriften folgen.

 

Macht mit beim Design Wettbewerb!

 

Parallel zu den veröffentlichten Schriften fordert Adobe alle Kreativen und Kunstbegeisterten dazu auf, an Design Challenges teilzunehmen. Für den Wettbewerb soll ein Plakat im Bauhaus-Stil unter Verwendung mindestens einer Schrift entworfen werden. Zu gewinnen gibt es ein MacBook Pro, sowie ein Jahres-Abo von Creative Cloud. Alle Infos und Teilnahmebedingungen findet ihr hier!

 

 

Bildquelle: (c) AdobeHiddenTreasures