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Ein Tag als Kontrolleurin in den Straßenbahnen

Schwarzfahrer kontrollieren und mit herzloser Miene Geld einsacken? Wir wollten wissen, wie der Alltag als Kontrolleur wirklich aussieht.

„Guten Tag, die Fahrscheine, bitte!“

Als ich um halb sieben im Aufenthaltsraum der Stadtwerke auf die drei Jungs treffe, begegnen mir zu meiner Erleichterung keine superwachen, strahlenden, übermotivierten Frühaufsteher. Stattdessen wird bei kurzem Smalltalk langsam am Kaffee genippt. Um das Eis zu brechen frage ich sie, wie sie in dem Artikel gerne heißen würden. „Die drei Musketiere!“ – „Ich bin dann aber D’Artagnan.“ – „D’Artagnan ist nicht Teil der drei Musketiere.“ – „Egal, ich bin D’Artagnan.“

Kurz darauf geht es dann aber los. D’Artagnan ist Dienstältester und wird deshalb zum Teamleiter ernannt. Er entscheidet, mit welcher Strecke wir beginnen. Die Tram fährt ein und alle zücken ihr kastenförmiges Gerät, um die Nummer der Straßenbahn einzugeben. Das Gerät wirkt wie ein Relikt aus alten Zeiten und erinnert an die überdimensionalen Handys der 70er Jahre. „Bald soll auf Smartphones umgestellt werden. Dann müssen wir das auffällige Teil nicht mehr mit uns herumtragen“, erzählt mir der Teamleiter. Die Tram steht und alle verteilen sich. Athos und Aramis laufen zur ersten und letzten Tür, wir betreten die Bahn in der Mitte. Um diese Uhrzeit ist die Straßenbahn nur sporadisch gefüllt. Einige sind schon auf dem Weg zur Arbeit, aber der große Ansturm folgt erst später. Durch ein gegenseitiges Zunicken starten alle drei gleichzeitig damit die Tickets zu überprüfen. Das Mantra der Kontrolleure „Guten Tag, die Fahrscheine bitte“ wird dabei alle paar Sitzreihen wiederholt. Ich bin etwas aufgeregt, aber alle haben ihren Fahrschein, es gibt keine Konfrontation, keinen Ärger. Stattdessen wünschen uns die Fahrgäste häufig einen schönen Tag. Schon nach wenigen Minuten sind alle Fahrkarten überprüft und wir setzen uns.

Die Jungs erzählen, dass sie hauptsächlich über Bekannte zu diesem Job gekommen sind. Dass die meisten Menschen ein schlechtes Bild von ihnen hätten, könnten sie nicht bestätigen. „Der Großteil ist eigentlich wirklich freundlich. Die zahlen schließlich auch für ihr Ticket und wollen nicht, dass andere ohne davonkommen.“ Die größten Vorteile für die drei sind das gute regelmäßige Gehalt und die flexiblen Arbeitszeiten, die gerade Studenten zu Gute kommen. Sie arbeiten durchschnittlich zwei Mal pro Woche und bekommen Nacht-, Feiertags- und Wochenendzuschläge. Nicht schlecht für einen Werkstudenten-Job.

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