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Love ya, Bro – Ein Plädoyer für mehr Zärtlichkeit unter Männern

Die meisten Kerle zeigen ihre Bro-Liebe erst nach drei bis sieben Drinks. Unser Kolumnist sagt: Jungs, seid mal zärtlicher – auch wenn ihr nüchtern seid!

Frauen gehen zusammen auf die Toilette und spielen dieses Händeklatsch-Spiel, wärend die eine pinkelt. Jedenfalls war das so zu meiner Schulzeit. Wir Männer schauen uns beim Pinkeln nicht mal an. Stattdessen führen wir eine Unterhaltung mit starrem Blick auf die Kacheln zehn Zentimeter vor und mindestens einem Pissoir zwischen uns.

Ähnlich groß sind die Unterschiede bei Körpernähe. Ihr wisst schon, Jungs: Umarmungen, Küsschen, Kuscheln. Dieses ganze Weibergewäsch halt… Dinge, welche die meisten Männer niemals in der Öffentlichkeit machen würden. Viele überhaupt niemals. Jedenfalls nicht nüchtern.

 

Mit genügend Alkohol fallen die Hemmungen

 

Das alles ändert sich schnell, wenn ein Mann bereits ein paar Bier hinter sich hat. Mit Alkohol fällt die Hemmschwelle und steigt die Ehrlichkeit. Im Wein liegt die Wahrheit oder so ähnlich.

Im Suff werde ich nicht nur oft umarmt und gedrückt, sondern plötzlich auch abgeknutscht. In manchen Fällen wird mir sogar auf den Arsch gehauen oder gar die Zunge in den Hals gesteckt. Letzteres mögen überschwängliche Grenzüberschreitungen – allein zum Zwecke der Grenzüberschreitung – sein, aber ersteres wirkt, durch die Befreiung über Alkohol von auferlegten Zwängen, wie eine ehrliche Liebesbekundung: „Ich mag dich sehr! Du bist schwer in Ordnung und ich bin froh, dass du mein Freund bist!“.

Warum brauchen wir dafür Alkohol?

 

#nohomo – Selbst wenn, was wäre so schlimm daran?

 

Es sollte sich für alle okay anfühlen, nüchtern in aller Öffentlichkeit einen Mann zu umarmen und ihm zu zeigen, dass man seine Freundschaft schätzt. Ohne gleich als schwul zu gelten. Und selbst wenn, was wäre schlimm daran? Es gibt immer Trottel, die überzogen und dumm auf Gefühle und Ehrlichkeit reagieren, nur um ihre eigene Unsicherheit zu verbergen.

Worauf ich bei meiner Generation eigentlich besonders stolz bin, ist die unkomplizierte Toleranz gegenüber Homosexuellen, Hautfarben und Religionen. Sofern es nicht trendiges Geheuchel ist. Ein Mann kann einen anderen Mann auf jede Art lieb haben und sollte darauf scheißen, was andere darüber denken oder sagen. Meist finden Männer es nämlich gut und vor allem erstrebenswert, eine solch innige Freundschaft zu haben. Eine Freundschaft, in der man sich auch mal an den Kumpel anlehnen kann, um ein Nickerchen zu machen – oder sogar, um getröstet zu werden.

 

Mehr Guy Love für alle!

 

Es ist viel unangenehmer, wenn ein sonst verklemmter Kumpel total besoffen plötzlich touchy wird oder an der Schulter Rotz und Wasser heult. Sich am besten am nächsten Tag nicht mal daran erinnert oder es einfach ignoriert – beziehungsweise so tut, als wäre nichts passiert. Das ist ein peinliches Zeichen dafür, dass bei diesem Menschen nüchtern etwas nicht im Reinen, er gleichzeitig aber zu verklemmt und von „was denken die anderen bloß über mich“ blockiert ist.

Ich denke nicht, dass wir ab jetzt zusammen aufs Klo gehen, uns gegenseitig in unsere Hände klatschen und dabei alberne Reime zum Besten geben sollten. Aber wir sollten kein Alkohol brauchen, um uns zu sagen, wie gern wir uns haben, wie sehr wir unsere Freundschaft schätzen und auch die Nähe zueinander. Wir müssen ja nicht gleich löffeln oder Händchen halten, aber mindestens einer Umarmung oder einem Küsschen auf die Wange sollte nichts im Wege stehen, denn: „This is guy love, there is nothing gay about it“. Und selbst wenn, wir haben 2016. #NoHomophobes

 

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