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Eva Husson über ihren Film BANG GANG: „Sie vögelt, wen sie möchte!“

In BANG GANG finden junge Erwachsene die Liebe – und erforschen ihre Sexualität. Wir haben mit Regisseurin Eva Husson über ihre moderne Lovestory gesprochen.

Von Laura Maria Drzymalla

Ein unvergessliches Jahr – das Jahr eines endlosen Winters und der Hitzewelle – ein Jahr, in dem zahlreichen Züge entgleisten und das Jahr das „Bang Gangs“: Die Kids an der französischen Meeresküste sind jung, schön und gelangweilt. Statt zu rebellieren, wollen sie vögeln und ihr unbeschwertes Leben genießen. Den Sommer ihres Lebens. Speed, Ecstacy und Alkohol beflügeln die freien Wilden bei der Entdeckung ihrer Sexualität in kollektiven Orgien, von der Protagonistin George liebevoll „Bang Gang“ genannt. Die Liebesspiele halten die Teens auf ihren Smartphones fest, schicken es ihren Freunden und kokettieren mit ihren Erfahrungen. Bewegen sich in der verschommenen Zone des Kind- und gleichzeitigem Erwachsensein. So weit, so gewöhnlich… bis ein Video von der schönen George im Internet zu finden ist. Die Stimmung innerhalb der Gruppe kippt, die Kontrolle entschwindet.

Knapp zwanzig Jahre nach der Premiere des kontroversen Films „Kids“ von Larry Clarke, greift die französische Regisseurin Eva Husson nun die Sexualität von Teenagern aus einer modernen feministischen Perspektive auf. Die Drehbuchautorin, Regisseurin und Schauspielerin wurde 1977 geboren. BANG GANG war unter anderem auf den renommierten Filmfestivals von Toronto, London, Göteborg und Rotterdam zu sehen. Wir haben mit Eva Husson über die Liebe, Terrorismus und Sex-Orgien gesprochen.

 

ZEITjUNG: Warum lautet der Untertitel deines stark sexuell stilisierten Films „Modern Love Story“?

Eva: Ich denke, dass wir alle uns in einem paradigmatischen Wandel befinden. Unser ehemals bestehendes Wertesystem kollabiert – wir müssen jetzt versuchen herauszufinden, wie wir das Chaos wieder beseitigen können. Dieses Phänomen tritt auf so vielen Gebieten des heutigen Lebens hervor und ganz besonders in der Liebe. Ich will nicht zynisch klingen, aber uns geht es nicht gut! Das ist Fakt. Unsere Eltern und Großeltern konnten noch in einer Art „Golden Age“ des Friedens und der Intellektualität leben. All diese Dinge werden nun in Frage gestellt.

 

Was unterscheidet unsere neue Generation von Heranwachsenden von deiner eigenen?

Die jetzige Generation ist nicht wesentlich sexualisierter als die vorhergehenden. Was aber neu ist, ist definitiv deren großer Drang nach Repräsentation. Jugendliche und Mittzwanziger müssen heute von Beginn an lernen, wie sie sich selbst präsentieren, was sie sind und welches Bild genau sie von sich zeichnen wollen. Der Fokus dieser Generation hat sich ins Negative verlagert.

 

Ist das der Grund, weshalb die Teenager die Gang Bang Partys auf Video festhalten? Wird ihr Leben und der Sex erst real, wenn er gezeigt werden kann?

Wir leben in einem Zeitalter, in dem nichts existiert, wenn es nicht einer Community präsentiert werden kann. Wenn du an einem bestimmten Ort bist, den du im Nachhinein nicht auf Bildern zeigen kannst, passiert simultan etwas Merkwürdiges: Es ist so, als wärst du dort nicht gewesen. Es ist verrückt! Seit Jahrtausenden haben Leute etwas erlebt, die fehlende Repräsentation hat ihre Erfahrungen nicht weniger real gemacht. Und genau mit dieser Art der „Übersetzung“ kommt unser Gehirn nicht zurecht… ich denke, dass unser Kopf noch lange nicht bereit ist für das, was auf uns zukommen wird.

 

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