„Boys de Chanel“: Make-Up nur für Männer ist nicht die Lösung

Männer-Frauen-Make-Up-Chanel

Die Pflegeprodukte für Bärte nehmen immer mehr Platz ein in den Drogerieregalen. Und auch die Ecken, in denen Cremes und Haarprodukte für Männer stehen, werden größer. Im Zuge der Gleichberechtigung sollte sich jeder in seinem eigenen Ermessen um sein Äußeres kümmern dürfen, unabhängig vom Geschlecht. Das findet auch in der Öffentlichkeit statt. Neben den Fußballern, die für Rasierer werben, gibt es inzwischen auch genügend männliche Influencer, die ihre männlichen – und natürlich genauso weiblichen – Zuschauer inspirieren.

Dieser Trend ist auch in der Make-Up-Industrie angekommen. Neben Tom Ford hat nun auch Chanel eine Linie speziell für Männer gelauncht. Sie nennt sich „Boy de Chanel“. Nur für Jungs. Das Design ist schlicht und schwarz, damit es auch die anspricht, die sich bisher nicht an das Make-Up aus der Drogerie herangetraut haben. Doch die Auswahl ist klein, es gibt die Foundation in gerade mal vier verschiedenen Farbtönen, einen Lippenbalsam und einen Augenbrauenstift. Ob da etwas anderes drin steckt als in den Packungen für Frauen oder ein altes Produkt nur neu verpackt wurde, ist nicht ganz klar. Aber was Chanel deutlich macht, ist, dass es bei dem Make-Up für Männer um Natürlichkeit geht.

 

Richtiger Ansatz, falsche Richtung

 

Natürlich geht es um Natürlichkeit. Es wäre ja auch peinlich, wenn sich ein Mann plötzlich anmerken lässt, dass er ein bisschen nachgeholfen hat. Es wäre ja völlig unangemessen, wenn ein Mann zugibt, Spaß am Schminken zu haben. Mit den Produkten geht es Chanel erst einmal gar nicht so sehr ums Schminken, sondern viel mehr ums heimliche Korrigieren. Und zeigt damit, dass es doch nicht normal ist.

Keine Frage, es ist wunderbar, wenn sich immer mehr in unserer Gesellschaft an die breite Masse richtet als an einzelne Geschlechter. Es ist super, wenn Männern klar gemacht wird, dass sie sich genauso schminken können wie Frauen. Es ist wunderbar, wenn jeder jedes Hobby und jede Vorliebe haben kann, wenn jedem alle Türen offen stehen. Das ist die richtige Message. Doch mit dieser Make-Up-Linie richtet sich Chanel eben nicht an die breite Masse, sondern gendert erneut. Denn Gleichberechtigung hieße, dass Männer und Frauen jedes Make-Up verwenden können. Vielleicht gibt die Marke den richtigen Anstoß, aber lenkt dann in die falsche Richtung.

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Bildquelle: Pexels unter CC0 Lizenz