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Chronische Depression: Ist Cannabis die Lösung?

ZEITjUNG: Können Sie einige der häufigsten Nebenwirkungen beschreiben, die bei der Verwendung von medizinischem Cannabis auftreten können, insbesondere im Kontext der Behandlung von chronischen Depressionen?

Dr. med. Julian Wichmann: Medizinisches Cannabis wird unserer Erfahrung nach leider häufig noch zu Unrecht verteufelt oder abseits der Studienlage als gefährliches Medikament eingestuft. Meist kommt es jedoch lediglich zu milden Nebenwirkungen wie Appetitsteigerung, Müdig- oder Mundtrockenheit. Man sollte also stets viel trinken. Wie auch sonst sind eine sorgfältige Eingewöhnungsphase und vorsichtige Dosierung entscheidend. Psychiatrische Nebenwirkungen sind in einer kontrollierten Therapie extrem selten und treten eher bei entsprechenden Vorerkrankungen auf. Eine vorherige Psychose kann beispielsweise eine Kontraindikation für eine Therapie mit medizinischem Cannabis sein. Dies muss man vor dem Therapiebeginn gründlich abfragen. Schwere Nebenwirkungen wurden in unserer Studie zum Beispiel überhaupt nicht beobachtet.

Gerade bei Depressionen kommt es aber zusätzlich stark darauf an, welche Begleiterscheinung Patient*innen plagen. Beispielsweise würde man bei Depressionen, die von Schlaf- oder Angststörungen begleitet werden, zum Abend  eher Indica-lastige Cannabis-Präparate verschreiben, die eine beruhigende, schlaffördernde Wirkung haben. Tagsüber hingegen profitieren Patient*innen meist eher von Sativa-lastigen Cannabis-Sorten, welche eine aufmunternde, leicht antreibende Wirkung besitzen. Der Schlüssel liegt also in einer an Patient*in personalisierte angepassten Therapie, da so meist auch nur niedrige Dosen, z.B. 0,1-0,2 g Cannabis-Blüten pro Tag, bereits ausreichen.

ZEITjUNG: Vielen Dank für das spannende und interessante Interview!

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